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Große Betroffenheit bei den 40 Schlecker-Mitarbeiterinnen

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
Die Schlecker-Filiale in Burts
Die Schlecker-Filiale in Burtscheid erlangte vor Jahren große Bekanntheit durch einen brutalen Überfall, bei dem eine Mitarbeiterin lebensgefährlich verletzt wurde. Auch sie wird geschlossen. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Wir wissen es seit Monaten. Aber wenn die roten Schilder kommen, dass der Ausverkauf beginnt, dann fallen einem die Schuhe aus. Man versinkt darin. Der Schlecker-Laden ist unser Wohnzimmer gewesen, das ist einfach so.”

So wie diese Kassiererin in einer der neun in Aachen von Schließung bedrohten Filialen der Drogeriemarktkette ging es am Mittwoch wohl den meisten der rund 40 Mitarbeiterinnen in der Stadt Aachen. Namentlich genannt werden wollte keine von ihnen, auch der Betriebsrat war zu keiner offiziellen Stellungnahme bereit.

Geschlossen werden sollen laut einer von der Drogeriekette veröffentlichten vorläufigen Liste die Standorte Peterstraße, Roermonder Straße, Steinkaulplatz, Trierer Straße, Kapellenstraße, Kronenberg, Heerlener Straße, Jülicher Straße und am Adalbertsteinweg - sowohl kleine als auch große Niederlassungen. In einer von ihnen klagt die Filialleiterin über unzureichende Informationen: „Gesagt wird uns nichts. Wir haben alles per Fax erfahren, etwa dass wir Ausverkauf machen sollen.”

Eine Kassiererin, seit gut zwölf Jahren dabei: „Das ist schlimm. Man ist ja auch nicht mehr die Jüngste.” Doch noch ist nicht klar, wer entlassen wird. Die Schließung des Standorts ist nicht gleichzusetzen mit der Kündigung der dortigen Beschäftigten. „Es wird ein Sozialplan erarbeitet. Jeder bekommt Punkte. Dann wissen wir, wen es trifft”, hat sich eine andere Mitarbeiterin schlau gemacht. Eine andere Filialleiterin: „Die Unsicherheit ist extrem geworden.”

Klare Worte finden auch die Kunden, etwa Inge Hermans, die fast täglich in der Filiale an der Ecke Roermonder Straße/Rathausstraße einkauft: „Das ist schlecht für Laurensberg. Hier ist kein Drogeriemarkt in der Nähe. Jetzt müssen wird nach Richterich oder in die Stadt fahren.” Gerda Bartsch ist ebenfalls langjährige Kundin: „Für die Mitarbeiterinnen finde ich das ganz fürchterlich. Die Entwicklung ist der Familie Schlecker zuzuschreiben, die nur in die eigene Tasche gewirtschaftet hat und die Entwicklung verschlafen hat.”

Schlecker stehe aber nicht allein: „Es gibt ja kaum noch eine Firma, in der ohne Druck gearbeitet wird. Irgendwann gibt es eine psychosoziale Explosion, die schlimmer als die Bankenkrise ist.” In manchen Filialen brachen Kundinnen in Tränen aus, die Mitarbeiterinnen waren schließlich langjährige Ansprechpartnerinnen. Andere interessierten sich dagegen mehr für die 30 Prozent Kürzung auf alle Artikel bis zur Schließung am 24. März.

Susanne Krüger am Kronenberg wollte dagegen fünf Flaschen Kindermilch holen, findet aber nur noch eine im Regal: „Die sind ihr Unglück selber schuld. Ich finde das toll, dass hier eine Drogerie ist, die muss aber ein entsprechendes Angebot haben.”

Informationen für die Mitarbeiter

Die Arbeitsagentur Aachen bietet den Beschäftigten der Drogeriemärkte Schlecker, Ihr Platz und Schlecker XL die Möglichkeit, sich ausführlich zu informieren. Ein Informationsabend findet am Mittwoch, 21. März, 20.30 Uhr, im Gebäude Roermonder Straße 51 statt.

Dabei sollen vor allem Perspektiven und Möglichkeiten von Beschäftigung aufgezeigt werden.

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