Grenzwerte schon an 21 Tagen überschritten

Von: Markus Portenkirchner
Letzte Aktualisierung:
luft-bu
Die Architektin Farina Pomaska ist die Gewinnerin des Online-Preisausschreibens, sie gewann ein Alu-Fahrrad. Mehr als 1400 Teilnehmer - größtenteils aus der Aachener Region - beteiligten sich auf der Internetplattform www.mitmachen-durchatmen.de. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenig Wind und Sonnenschein - was einerseits für gute Laune sorgt, ist andererseits ein Risikofaktor, denn schönes Wetter bei Hochdruckeinfluss hat im dichtbesiedelten Aachener Talkessel seine Tücken.

So ergaben die Messungen von Feinstaub und Stickoxiden, dass in diesem Jahr (bis zum 22. April) bereits an 21 Tagen die zulässigen EU-Grenzwerte überschritten wurden. 35 sind derzeit vom Gesetzgeber erlaubt.

Nicht nur die Gesundheit der Aachener ist damit gefährdet, sondern auch die Pläne der des Stadtrats: Schon bald muss eine Verbesserung der Luftqualität eintreten - falls dies nicht geschieht, wird die Kölner Bezirksregierung voraussichtlich ab Oktober 2010 für eine Umweltzone in Aachens Innenstadt sorgen.

Dennoch zeigten sich Umweltdezernentin Gisela Nacken wie auch Anne Linden, Sprecherin der Aseag, optimistisch, das selbst gesteckte Ziel ohne Umweltzonen zu erreichen und zog eine positive Bilanz. Nacken sagte das bei der Vorstellung der Gewinnerin eines Online-Preisausschreibens, an dem sich mehr als 1400 Menschen, vorwiegend aus der Region Aachen, beteiligt hatten. Die Plattform ist Teil einer Kampagne der „Aachener Initiative für saubere Luft”, der unter anderem die Stadt, die Handwerkskammer sowie die Industrie- und Handelskammer angehören.

Ein Sonderweg

Während andere Städte wie Köln Umweltzonen längst eingerichtet haben, geht Aachen einen Sonderweg und verzichtet auf derartige Sanktionen. Solche Sperrzonen bringen kaum Verbesserungen mit sich, so die Kritiker, und Messungen stützen diesen Befund. Signifikante Verbesserungen sind erst zu erwarten, wenn Fahrzeuge mit roten und gelben Plaketten ausgeschlossen würden. Doch dadurch würde die Erreichbarkeit der Innenstadt für viele stark eingeschränkt, so die Befürchtung nicht zuletzt der ansässigen Unternehmen.

Stattdessen werden mit einem umfassenden Luftreinhalte- und Aktionsplan 33 verschiedene Maßnahmen in Angriff genommen, die positiv auf die Luftqualität wirken und nebenbei auch Lärm- und Klimaschutz fördern sollen.

Verkehrsbedingte Abgasemissionen tragen den größten Anteil zur Luftverschmutzung bei. Die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) steht daher im Fokus mehrerer Maßnahmen: Mehr Berufspendler können nun Job-Tickets nutzen, da diese nun auch kleinen Firmen zur Verfügung stehen. Die IHK unterstützt Unternehmen mit der Mobilitätsberatung. Zudem wurde das Jobticketangebot für Beschäftigte der Stadtverwaltung Aachen ausgebaut - in spätestens drei Jahren sollen alle Mitarbeiter das Angebot nutzen können.

Um die Attraktivität des ÖPNV zu steigern, werden mehrere Bahnstrecken ausgebaut. Vor dem Fahrplanwechsel am 14. Juni soll außerdem ein Zukunftskonzept der ASEAG stehen: Schnellbuslinien könnten ab 2010 für die bessere Anbindung des Umlandes an die Aachener Innenstadt sorgen. Innerstädtisch wird auch an einer Optimierung des Park-and-Ride-Systems (P+R) gearbeitet.

Mehr Flächen

Um die Emissionen der Busse zu verringern, investiert die ASEAG in die Modernisierung und Nachrüstung ihres Fuhrparks. Bis 2012 soll dieser mindestens auf die EURO-4-Norm ausgerüstet werden, wobei schon in diesem Jahr 24 Busse mit EURO-5-Norm in Betrieb gehen. Vor allem auf dem stark belasteten Alleenring und anderen Hauptverkehrstraßen werden die umweltfreundlicheren Busse zum Einsatz kommen.

Gemindert werden soll das Verkehrsaufkommen durch weitere Maßnahmen wie die Förderung des Fahrradverkehrs: Die Öffentlichkeits-Kampagne „FahrRad in Aachen” sowie die Erweiterung des Radwegenetzes und von Fahrrad-Abstellplätzen. Das Projekt Cambio-Car-Sharing, das derzeit 2000 Kunden in Aachen den Verzicht aufs eigene Fahrzeug ermöglicht, soll von der Stadt zusätzliche Flächen erhalten.

Weitere Maßnahmen sind die Plattform www.mitpendler.de zur Förderung von Mitfahrgelegenheiten, die CLaix-City-Logistik Aachen e.V. für die ökonomisch sinnvolle Bündelung von Lieferverkehr und ein Lkw-Führungskonzept, das den Durchgangsverkehr auf leistungsfähige Straßen kanalisieren soll.

Ob all die freiwilligen Maßnahmen schnell genug greifen, um den EU-Vorgaben gerecht zu werden, hängt jedoch nicht zuletzt vom Wetter ab. Und vor allem die Feinstaubbelastung resultiert zu mehr als 70 Prozent aus Quellen, die außerhalb der Stadt liegen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert