Grenzlandtheater: Schillers Klassiker ohne Mätzchen

Von: Grit Schorn
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Festgehalten: Das Schicksal der Maria Stuart bringt das Grenzlandtheater in einer schnörkellosen Inszenzierung auf die Bühne. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Unverfälscht und ohne Mätzchen wollen Uwe Brandt und Frank Voß Schillers „Maria Stuart” auf die Bühne bringen. Frank Voß, in Aachen zuletzt als Hauptdarsteller in „Reservebank” zu sehen, führt nicht zum ersten Mal Regie.

Intendant Brandt freut sich, dem Publikum wieder etwas „Klassisches” zeigen zu können - vor 210 Jahren wurde das gloriose Trauerspiel in Weimar uraufgeführt. Und Frank Voß hatte schon vor zwei Jahren die Idee, das machtpolitische Ränkespiel um die illegitime Tochter von Heinrich VIII. zu inszenieren.

Jetzt hat sich sein Wunsch erfüllt, und Intendant wie Regisseur sind sich völlig einig darüber, dass krampfige „Aktualisierungen” hier völlig überflüssig sind. Denn Schillers Text und Sprache sind deutlich genug: Bei dem historischen Stoff geht es um Macht und Moral, Kriegsführung und List, politische „Zwänge” - und immer um Entscheidungen. „Wie in Tom Tykwers Film „Lola rennt”, schmunzelt Frank Voß, „jede Entscheidung führt zu ganz anderen Implikationen”. Einige höchst lebendige Probeszenen zeigen, wie Maria Stuarts jahrelange Gefangenschaft aussieht und wie Schnüffler mit Gesichtsschutz jeden Winkel auf konspiratives Material untersuchen, fast wie beim FBI.

Drohende Hinrichtung

Die schottische Königin Maria hat sich nach blutigen Thronkämpfen unter den Schutz der englischen Königin Elisabeth begeben. Sogar verwandt sind die beiden Frauen, doch Elisabeth hat Maria als Konkurrentin um den Thron gefangen gesetzt. Wegen angeblicher Mordanschläge wird die schöne Schottin zum Tode verurteilt. Doch vor dem endgültigen Hinrichtungsbefehl scheut sich Heinrichs Tochter. Das berühmte „Duell” zwischen den beiden Königinnen ist der Höhepunkt des Stücks und darf natürlich nicht fehlen.

Marie-Louise Gutteck spielt die eingekerkerte Schottin, Alexandra Sydow die misstrauische Elisabeth. Den jungen, in Maria verliebten Mortimer, der Maria retten will, verkörpert Oliver Matthiae. Als Graf Leicester - zwischen beiden Frauen stehend - ist Udo Thies zu sehen. In weiteren Rollen: Axel Gottschick als weiser Ratgeber sowie Steffen Laube, Peter Anders und Wolf-Guido Grasenick. Die Ausstattung hat Marpa Schneider besorgt.

Interessant die schlichte Bühneninstallation mit mobilen Elementen und lichtdurchlässigen Projektionsflächen. Ein riesiges Auge lässt an den allgegenwärtigen „Big Brother” aus Orwells Roman „1984” denken. Staatsräson und gefährliche Machtspiele, Intrigen und Entscheidungsschwäche - all dies gibt es auch heute, hierzulande erfreulicherweise ohne Todesurteile.

Man darf gespannt sein auf die Premiere am Sonntag, übrigens auch wegen der raffinierten Kostüme, die Einst und Jetzt vereinen. Bereits am Samstag, 6. März, gibt es um 20 Uhr eine öffentliche Generalprobe.

Die Premiere von „Maria Stuart” von Friedrich Schiller ist am Sonntag, 7. März, im Aachener Grenzlandtheater, Elisen-Galerie. Die Aufführung dauert etwa 150 Minuten. Karten-Telefon: 0241/4746111.
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