Grenzlandtheater: Die „archaische Grundangst“ des Menschen

Von: Grit Schorn
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Wenn die „archaische Grundangst“ mit den Menschen durchgeht, werden aus Gutbürgern sehr schnell „Wutbürger“. Das zeigt die Farce „Bürgerwehr“ von Alan Ayckbourn, die das Grenzlandtheater ab Freitag auf die Bühne bringt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nein, Theaterintendant Uwe Brandt hat nicht blitzschnell sein Programm aktualisiert. Das hat er bereits im Interview mit den „Nachrichten“ klargestellt. Dass die britische Farce „Bürgerwehr“ ab Freitag, 31. Oktober, die Zuschauer fesseln soll, steht seit langem auf dem Spielplan des Grenzlandtheaters (GTA).

Und das hat nichts mit den sogenannten Bürgerstreifen zu tun, die derzeit aufgrund der Häufung von nächtlichen Überfällen durch Aachen patrouillieren. Schauspielerin Renate Fuhrmann, Trägerin des Kurt Sieder-Preises, inszeniert auch mit Erfolg und ist jetzt als Regisseurin geradezu begeistert vom Schauspieler-Team, das die Wandlung von freundlichen Gutmenschen zu hasserfüllten „Rächern“ so erschreckend wie komisch offenbart.

Der Sozialbau stört

Die Probeszene mit bürgerlichem Ambiente zeigt das Geschwisterpaar Gerhard und Gerda (alle Namen des britischen Stücks wurden eingedeutscht), das sich in ihrer friedlichen Wohnsiedlung sehr wohl fühlt. Doch der Sozialbau gegenüber stört dann doch nachhaltig. Einen Eindringling haben sie schon einmal erwischt – ein Zaun musste her. Mehrere Bewohner schließen sich zusammen gegen diesen „Abschaum“, der nicht zur feinen Gegend passt.

Aus der Bluebell-Hill-Siedlung des Briten Alan Ayckbourn ist hier ein „Arkadia-Park“ geworden, der inzwischen wenig paradiesisch anmutet. Die wohlhabende Gesellschaft traut der Polizei kein „Durchgreifen“ zu. Als der von den Geschwistern heiß geliebte Gartenzwerg „Gonki“ attackiert und zerschlagen wird, ist das Maß voll. „Das heißt Krieg“, verkündet der sonst so freundliche Gerhard, der wie ausgewechselt scheint.

Theaterchef Brandt sieht da durchaus Parallelen zur Wirklichkeit: Die Gutbürgerlichen, also wir, könnten rasch zu aufgebrachten „Wutbürgern“ werden. Der Schauspieler Volker Weidlich, oft Gast am GTA, spielt den Gerhard und meint, „eine archaische Grundangst“ des Menschen führe zu übertriebenen Abwehrmechanismen.

Klassenunterschiede

Der Autor Alan Ayckbourn, 1939 in London geboren, ist mit seinen in vielzählige Sprachen übersetzten Stücken zum meistgespielten Theaterautor geworden. Seine Spießer-Katastrophen sind witzig und tragisch zugleich. Zündstoff sind oft die Klassenunterschiede wie jetzt bei „Bürgerwehr“. Außer Weidlich spielen Lena Sabine Berg (Gerda) und Thomas Kemper (Hermann) sowie in weiteren Rollen Thomas Ulrich, Jarah Maria Anders, Sonia Fontana, Axel Gottschick und Diana-Maria Breuer.

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