Aachen - Gratis-Tickets reichen nicht: Wie wird der ÖPNV attraktiver?

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Gratis-Tickets reichen nicht: Wie wird der ÖPNV attraktiver?

Von: Sarah-Lena Gombert
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Das Signal vom Bund für kostenfreien Nahverkehr wurde von vielen Kommunen gut angenommen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sollte man mit den Bussen der Aseag kostenlos fahren dürfen? Auch im Aachener Mobilitätsausschuss sind das Tarifsystem und die Ticketpreise der Aseag immer wieder Thema. Bei den Fraktionen im Aachener Rat stößt die Idee von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks auf ein geteiltes Echo.

„Dass man mehr für den ÖPNV tun sollte, ist richtig“, sagt Harald Baal, Fraktionsvorsitzender der CDU. Dass der Vorstoß jetzt von der Bundesebene ausgeht, gefalle ihm umso mehr, „weil damit die Bundesregierung signalisiert, dass sie erkannt hat, dass sie finanziell etwas tun muss.“ Die Stadt Aachen müsse bereits jetzt für Kosten im zweistelligen Millionenbereich aufkommen. Zu klären sei aber, wie man mit angrenzenden Kommunen umgehe, ob beispielsweise jemand aus Langerwehe bis zur Stadtgrenze zahlen müsse.

„Man sollte ja meinen, das kostenloser Busverkehr uns geradezu auf den Leib geschnitten ist, aber man muss diese Idee zu Ende denken“, sagt Helmut Ludwig, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen. Nicht nur, aber auch in Aachen sei der Busverkehr an seine Grenzen gekommen. Mehr Fahrgäste als derzeit könnten die Busse nicht aufnehmen. „Bevor wir über ein kostenloses System nachdenken, müssen wir erst einmal ein besseres, attraktives Angebot schaffen“, findet Ludwig, der die Frage nach kostenlosem ÖPNV für eine sehr spannende hält, die man durchaus kreativ und jenseits von Parteigrenzen diskutieren sollte.

Die Sozialdemokraten in Aachen begrüßen die Idee der Umweltministerin grundsätzlich. Doch man müsse offen darüber sprechen, was ein für die Kunden kostenloser Nahverkehr bedeute, nicht nur finanziell. „Wenn wir über besseren, eventuell kostenfreien ÖPVN nachdenken, dann müssen wir uns vor allem die Außenbereiche in Aachen ansehen“, sagt Ye-One Rhie, verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Rat. „Die Leute aus der Innenstadt, die den Bus nutzen möchten, tun das auch, wenn es Geld kostet“, schätzt sie. Um die Menschen in den Stadtteilen zum Umsteigen zu bewegen, müsste man verlässliche, eng getaktete und pünktliche Verbindungen schaffen. „Und in der Tat müssen wir uns auch Gedanken machen, ob Busse das richtige Mittel sind, um dauerhaft die Luftqualität in Aachen zu verbessern.“

15 Prozent fahren Bus

„Aus unserer Sicht wäre ein kostenloser ÖPNV durchaus sinnvoll“, sagt Matthias Achilles, der für die Piraten im Mobilitätsausschuss sitzt. Zwar sei das für eine Stadt wie Aachen finanziell alleine nicht zu machen. „Doch wenn das Thema jetzt im Bund angesprochen wird, dann könnte das durchaus interessant werden.“ Kostenloses Busfahren sei nicht nur billiger, sondern vor allem einfacher für die Kunden. „Dann braucht man sich nicht mehr durch die Tarife zu wühlen, bevor man einsteigt.“ Auch aus datenschutztechnischen Gründen sei das zu begrüßen: Wenn alle kostenlos fahren, bräuchte man von niemandem irgendwelche persönlichen Daten zu erheben.

Nach Angaben der Aseag deckt der öffentliche Personennahverkehr rund 15 Prozent des gesamten Verkehrs auf Aachens Straßen ab. Damit liege man bundesweit in im Mittelfeld, hatte Aseag-Chef Michael Carmincke bereits im Dezember gesagt.

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