Aachen - Grashaus wird vorsichtig umgebaut

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Grashaus wird vorsichtig umgebaut

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Aachen
Wechselvolle Geschichte: Die Ursprünge des Grashauses reichen zurück bis ins 13. Jahrhundert. Es war das erste Aachener Rathaus, später wurde es als Gefängnis genutzt und bis vor einem Jahr war noch das Stadtarchiv dort untergebracht. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Vor Überraschungen ist man in alten Gemäuern ja nie sicher, doch selten sind sie so angenehm wie in diesem Fall: Versteckt hinter langweiligen Backsteinen taucht plötzlich wieder eine prächtige Säule auf, fein verziert und gut geschützt unter Folie. Die Bauleute, die vor Jahrzehnten eine Zwischenwand im sogenannten Grashaus eingezogen haben, haben offenbar vorausgedacht.

Das kommt nun den Kollegen der nächsten Generation zugute, die seit einigen Monaten Hand an den denkmalgeschützten Bau am Fischmarkt anlegen und dort eine weitere – die letzte – Station der Route Charlemagne schaffen.

Das Haus, das auf mittelalterlichen Grundmauern steht und dessen Ursprünge ins 13. Jahrhundert zurückreichen, soll seinen Besuchern in knapp zwei Jahren das Thema Europa näherbringen. Für den Architekten Albert Frey und Projektleiterin Brigitte Schuh sowie ihre Kollegin Christina Albrecht vom städtischen Gebäudemanagement ist das eine besondere Herausforderung.

Nur wenige Gebäude atmen so viel Geschichte wie dieses, kein zweites hat eine solch wechselvolle Geschichte: Dort stand das erste Aachener Rathaus, später wurde es als Gefängnis genutzt, dann zu Stadtarchiv und Stadtbibliothek erweitert. Erst vor einem Jahr ist das Stadtarchiv mit Sack und Pack zum Reichsweg umgezogen. Welche Schätze das leere Haus immer noch zu bieten hat, wird erst jetzt erkennbar.

So finden die Verantwortlichen immer wieder neue Wandmalereien unter dickem Spachtelputz, entdecken neue Gewölbe und prächtige Zargen. Nicht alles wurde so gut geschützt wie jene Säule, die nun wieder unverhofft aufgetaucht ist. „Es gibt viele gestörte Bereiche“, sagt Brigitte Schuh. Umso wichtiger sei es nun, zu erhalten, was zu erhalten ist. Mit Frey habe man einen „vorbildlichen Architekten“ in Sachen Substanzschutz gefunden, ist sie überzeugt.

Doch auch für ihn ist der Umbau des Grashauses zur Station Europa eine besondere handwerkliche Herausforderung. „Man muss sehr dezent darangehen“, sagt er, „die Patina soll erhalten bleiben.“ Auf eine Klimatisierung in dem Haus, das halb Museum, halb Lernstation sein wird, muss man verzichten, um nicht zu viel Substanz zu zerstören. Doch ganz sind Eingriffe nicht zu verhindern, da barrierefreie Zugänge geschaffen werden und auch ein Aufzug eingebaut wird.

Das gesamte Obergeschoss soll ab 2015 als Ausstellungsbereich zur Geschichte Europas und als „Europäisches Klassenzimmer“ für Seminare und Workshops genutzt werden. Das Erdgeschoss teilen sich dann die Karlspreis-Stiftung und das Büro EU-direct. Durchgängige Öffnungszeiten sieht das Konzept jedoch nicht vor. „Man wird sich anmelden müssen“, sagt Brigitte Schuh.

Welche Anziehungskraft das lange Zeit weitgehend verschlossene Gebäude auf die Aachener hat, konnte Architekt Frey zuletzt beim Tag des offenen Denkmals erfahren. Immer wieder musste er Besuchergruppen durchs derzeit leere Haus führen. Gut 400 Besucher sind gezählt worden.

Die Vorfreude auf die neue Station der Route Charlemagne scheint demnach groß zu sein. Und um sie noch zu steigern, haben sich die Macher bereits weitere kleine Attraktionen und Spielereien ausgedacht.

So könnte nach Fertigstellung etwa ein kleines Schattenspiel mit historischen Figuren die Aufmerksamkeit der Passanten auf die denkmalgeschützte Fassade lenken. „Es wurden schon einige schöne Ideen entwickelt“, sagt Thomas Müller, Projektleiter der Route. Dazu gehört etwa auch eine Klingel der besonderen Art, an der vor allem das jüngere Publikum seinen Spaß haben könnte: Wer sie drückt, hört dann etwa die Stimmen des ehemaligen Grashausverwalters oder von Kerkerinsassen.

Spielerisch wolle man Geschichte erzählen und zur heutigen Nutzung hinführen, sagt Müller. Da fügt sich auch eine Haltestelle Europa ein, die im Innenhof aufgestellt werden soll und aufs Haus neugierig machen soll. Die Geschichte Europas könnte in Fahrplanform dargestellt werden, heißt die Idee.

Noch bleibt gut ein Jahr Zeit, am Konzept zu feilen, denn frühestens im Sommer 2014 verlassen Architekt Frey und seine Leute die Baustelle. Bis zur Fertigstellung der Ausstellung wird ein weiteres Jahr vergehen. Mehr als zwei Millionen Euro sind für den Umbau veranschlagt.

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