Graf Schwerin hat noch seine Straße

Von: Georg Dünnwald
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Wird in den nächsten Tagen durch den Stadtbetrieb abgeschraubt: Der Zusatz „Graf-Schwerin-Straße”. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es wurde geprüft, Bürgeranträgen folgten Anträge der Grünen und der SPD: Die Graf-Schwerin-Straße wurde per Ratsbeschluss vom 22. August 2007 in Kornelimünsterweg, ihrem früheren Namen, umbenannt.

Damit fand ein Kapitel ein Ende, das lange für erhitzte Gemüter sorgte. Der ehemalige Wehrmachtsgeneral Gerhard Graf von Schwerin hatte sich als „Retter von Aachen” in die Stadthistorie eingebracht, wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges in der Kaiserstadt gefeiert und schließlich mit einer eigenen Straße geehrt.

Das rief noch Jahre später Kritiker auf den Plan, die dem Weltkriegsgeneral anlasteten, dass zwei 14-jährige Jungen in Aachen standrechtlich wegen angeblicher Plünderei von Wehrmachtssoldaten während seiner Zeit als Stadtkommandant kaltblütig an die Wand gestellt und erschossen wurden.

„Ändern Sie den Namen der Straße”, forderten beispielsweise konstant Otto Bönnemann und Käthe Corban mit ihren Mitstreitern. Die Forderung war schließlich von Erfolg gekrönt.

Auch Historiker von der RWTH sahen in Schwerin nicht den Retter von Aachen, auch nicht den mit dem Widerstand Sympathisierenden. Die Schwerin-Kritiker warfen dem Wehrmachtsoffizier vor, zumindest gegen die Ermordung der zwei Jungen nicht getan zu haben.

Den Beschluss, die Graf-Schwerin-Straße umzubenennen, erweiterten die Ratsmitglieder gleich um einen Unterpunkt. Die Diemstraße, die nach dem strammen Nazi-Sportfunktionär Carl Diem benannt wurde, sollte ab sofort ebenfalls anders heißen. Heidbendenstraße wird sie nun genannt.

Kurz nach dem Ratsentscheid setzte ihn der Stadtbetrieb um. Über den alten Namen wurde auf den Straßenschildern der neue Straßenname montiert, „Schwerinstraße” und „Diemstraße” mit einem roten Balken versehen.

Das sollte bis November 2008 so bleiben, damit sich seltene Besucher nicht verirren. Vor fünf Monaten sollte jedoch die alten Namen auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Das unterblieb jedoch.

„Der Stadtbetrieb hatte im November zuviel zu tun”, erläutert Axel Costard vom städtischen Presseamt. Der selten kalte Winter mit Schneefall und vielen Frostnächten habe zusätzlich dafür gesorgt, „dass wir andere Prioriäten setzen mussten und kein Personal zur Verfügung hatten, die Straßenschilder abmontieren konnten”.


Aber jetzt, in den nächsten Tagen, werde sich der Stadtbetrieb der Sache annehmen und umgehend die Schilder mit den Namen der belasteten Personen abnehmen.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, dass die hingerichteten Jungen zwei Brote gestohlen hatten. Dies war als Begründung führ ihre Hinrichtung angeführt worden. Dieser Sachverhalt hat sich jedoch im nachhinein als Verleumdung herausgestellt.


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