Aachen - „Gott des Gemetzels“: 100 Minuten zwischen Komik und Absurdität

„Gott des Gemetzels“: 100 Minuten zwischen Komik und Absurdität

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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Anfangs noch ein sachliches Gespräch: Viel Lob gab es bei der Premiere für die Schauspieler des Vier-Personen-Stücks. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „‚Der Gott des Gemetzels‘ der Pariser Autorin Yasmina Reza ist derzeit das weltweit meistgespielte Theaterstück“, informiert Georg Immelmann, Regisseur des Aixpertentheaters, vor der Premiere das Publikum in der Klangbrücke. Und schon geht es los.

Das Ehepaar Houillé (Astrid Kempen und Michael Strack) hat das Ehepaar Reille (Rebecca Sohn und Christoph Friedrich) zum Gespräch eingeladen, nachdem deren Sohn Ferdinand, elf Jahre, ihrem Sohn Bruno im Streit in der Schule zwei Zähne ausgeschlagen hat. Was zivilisiert und mit der guten Idee beginnt, den Streit der Kinder sachlich zu besprechen, endet fast in einer Katastrophe.

Die Ehepaare zerstreiten sich nicht nur in zwei Parteien, sondern auch untereinander und wechseln zudem die Fronten. Die Gespräche laufen kreuz und quer, zusätzlich telefoniert Herr Reille, Anwalt einer Pharmafirma, ständig wegen einer Medikamentenkrise. Als Alkohol ins Spiel kommt, eskaliert der Streit vollkommen.

Beide Frauen und beide Männer fallen komplett aus ihren kultiviert-bürgerlichen Rollen und beschimpfen sich bis zur Erniedrigung. Die Erlösung bringt dann nicht die Vernunft, ein Zufall oder das höchst dramatische Tulpenopfer, bei dem in einem gewaltigen Wutanfall die Frühlingsblumen erschlagen werden, sondern ein Anruf der Söhne. Während ihre Eltern sich endlos stritten, waren sie zusammen im Kino. Seinen Titel verdankt das Stück dem altägyptischen Gott Mahes, der sich in seiner Grausamkeit über jeden Streit und jedes Blutvergießen freut – als Gott des Gemetzels.

Das Stück spielt gekonnt mit Elementen, die das Publikum erheitern, verblüffen und entsetzen, aber durchweg unterhalten. Viele Register zwischen Komik und Absurdität werden gezogen, wobei es um der Lacher willen kaum Tabus gibt. Es war eine gelungene Inszenierung von 100 Minuten Realität, herrlich absurd in Szene gesetzt. Besucherin Gaby Reuters meint: „Die Besetzung war gut und das Thema zeitnah.“

Jörg Brückner schließt sich an: „Die Darstellung der Charaktere war super, das waren richtige Typen. Der schnelle Frontenwechsel war zwar etwas übertrieben, aber die Tendenz stimmt.“ Karl Schulz vom „Theater Kristall“ lobte die schauspielerische Leistung, Marita Dreckmeyer fand die Schauspieler sehr gut, die Handlung aber „zu durchsichtig“.

Das Vier-Personen-Stück wird noch sieben Mal aufgeführt. Tickets kosten 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Infos und Kartenvorverkauf: www.aixpertentheater.de.

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