Gleich nach der Vernissage kommt es zum großen Krach

Von: Gerald Eimer
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Aachen. Die Vernissage ist kaum gefeiert, da ist schon wieder Finis. Von den „265 Physiognomien des Terrors und der Angst“, die der Aachener Künstler Günther Beckers am Samstag erstmals in dem „Kunstwechsel“-Raum an der Wilhelmstraße gezeigt hat, sind seit Montag nur noch acht zu sehen.

Alle anderen Bilder hat Beckers bereits am Tag nach der Eröffnung wieder abgenommen und damit die Kunstszene in Aufruhr versetzt.

„Das ist schon ein starkes Stück“, schimpft der ehemalige Museumschef Wolfgang Becker, der gemeinsam mit weiteren Künstlern die Produzentengalerie „Kunstwechsel“ betreibt und die Beckers-Ausstellung maßgeblich eingestielt hat. Becker wirft Beckers vor, die Schlüsselgewalt für das zum Ausstellungsraum umfunktionierte Ladenlokal für eine „Nacht-und-Nebel-Aktion“ missbraucht zu haben. Peinlich sei dies für ihn als Kurator, da er die Ausstellung stark beworben habe und auch Sponsoren für ein Dossier gewinnen konnte. Zwischen dem Künstler Beckers und dem Kunstfreund Becker scheint damit das Tischtuch zerschnitten zu sein.

Dem Streit ging am Sonntag ein kurzer E-Mail-Verkehr voraus, in dem sich Beckers erkundigte, wie es denn um den Versicherungsschutz für seine Bilder und die Besucher der Ausstellung stehe. Dafür müsse der Künstler selber sorgen, teilte Becker mit. Ein eigenes Budget habe man dafür nicht.

Für Beckers war dies der Auslöser, umgehend den Rückzug anzutreten. „Das Risiko ist mir zu groß“, sagt er. Denn just während der Vernissage sei eine ältere Besucherin über eine Stufe gestolpert und lang hingeschlagen. Passiert sei zum Glück nichts, wie auch die Betroffene selbst bestätigt. Aber was wäre bei einem Bruch oder schlimmeren Verletzungen gewesen? So lange er dazu keine schriftliche Erklärung erhalte, will er seine Bilder nicht wieder aufhängen, kündigt Beckers an. „Das ist mir zu heftig, mich so ins Risiko laufen zu lassen“, sagt er.

Becker wiederum hält diese Argumente für vorgeschoben. „Es gibt im Raum eine kleine Stufe, die wir gesichert haben“, sagt er. Bei den wenigen Besuchern, die man erwarte – im Laufe eines Tages kaum mehr als zehn –, bestehe keine ernstzunehmende Gefahr. „Ihn muss etwas anderes verärgert haben“, ist Becker überzeugt. Nur was, kann er sich auch nicht erklären. Der Kontakt ist bis auf weiteres erloschen.

Die „Physiognomien des Terrors und der Angst“, die eigentlich bis zum 21. September in Aachen zu sehen sein sollten, werden somit als nächstes wohl im Ausland gezeigt. Er stehe mit Museen in Dänemark, den USA und Italien in Kontakt, sagt Beckers, der in Aachen noch bis Anfang des Jahres sein eigenes „Künstlermuseum“ betrieben hat.

Und Becker? Er ist sauer auf den Künstler, der die vierte Ausstellung im neuen „Kunstwechsel“-Raum vorzeitig mit einem Eklat beendet hat. Die nächste soll wieder von Dauer sein und wird am Kunstrouten-Wochenende, 27./28. September, eröffnet – mit Arbeiten von Mohammed Ahmed, Mahmut Telfah und Alan Sonfist.

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