Aachen - Gläserner Aufzug „zu gut” für Behinderte?

Gläserner Aufzug „zu gut” für Behinderte?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mit einer großzügigen Freitreppe soll der historische Katschhof zwischen Dom und Rathaus zu einem noch größeren Erlebnis gemacht werden.

So planen es die mit der „Freiraumgestaltung des Weltkulturerbes und des Pfalzbezirks” beauftragten Architekten aus dem Düsseldorfer Büro Fritschi/Stahl/Baum jedenfalls.

Die Treppe selbst wird, berichtete Architekt Günter Baum letztens dem Planungsausschuss, „eine sehr gute Aufenthaltsqualität” für Touristen bieten, die einmal in Ruhe die Silhouette des Domes genießen wollen, man wird auf den breiten Stufen auch bequem sitzen können. Alleine ein geplantes Baudetail erregt die Gemüter. Die Treppe stößt an der einen Seite an die Rückfront des Standesamtes. Hier befinden sich seit ewigen Zeiten öffentliche Toiletten, die jetzt im Zuge der Route Charlemagne erneuert und vor allem behindertengerecht umgebaut werden.

Und gerade an der Erreichbarkeit jener Toilettenanlage für Menschen mit Behinderungen entzündet sich momentan ein kleinlicher Streit. Denn geplant ist dort ein gläserner Aufzug, der vor allem Rollstuhlfahrer in die im Souterrain gelegene Toilettenanlage bringen soll. Da er sich direkt neben der Treppenanlage befindet, will der Architekt den Aufzug gleichzeitig nach oben auf die neugestaltete Rathausterrasse fahren lassen.

Dort können die Rollstuhlfahrer dann problemlos in die Außengastronomie des Ratskellers rollen - oder einfach auf der Terrasse stehen bleiben. Dass sie nach der jetzigen Planung dann nicht an der anderen Seite zwischen Verwaltungsgebäude und Rathaus an Karls Krätergärtchen vorbei zum Marktplatz weiterfahren können, liegt an der ungünstigen Topografie. Denn eine Rampe wäre hier ohne Sinn, weil die Steigung dort zu groß ist, wie der Behindertenbeirat leider feststellten musste.

Seltsame Allianz

Also wurde die SPD munter und stellte im Planungsausschuss den Aufzug mit der Begründung zur Disposition, es gehe „ja einfach nicht weiter dort hinten am Rathaus”, so Ratsherr Michael Servos. Und „nur” um ins Restaurant zu kommen, solle man doch keinen teuren Aufzug bauen, der für Hans-Dieter Schaffrath (FWG) auch noch zu anfällig für Vandalismus sei. Die SPD will eine relativ komplizierte Lösung mit einem Aufzug im jetzigen Verwaltungsgebäude, das gerade für rund 13 Millionen umgebaut wird.

Die Front aus Sozis und rechter Bürgerbewegung stößt bei der Verwaltung auf wenig Verständnis. So stellte Baudezernentin Gisela Nacken am Freitag fest, dass es ihr in Aachen „durchaus ernst ist mit einer konsequenten Barrierefreiheit”. Man könne den Höhenunterschied am Kräutergärtchen eventuell auch durch eine kleine Hubeinrichtung überwinden. Es gebe aber keinen Grund, so sieht das auch die CDU, den Aufzug nur deshalb nicht in beide Richtungen zu bauen, weil er „nur” eine Terrasse erreiche. Nacken: „Man sollte Rollstuhlfahrer schließlich nicht dazu zwingen, einmal ums Rathaus fahren zu müssen.”

Für den selbstständigen Zugang auch nachts können die behinderten Nutzer übrigens einen „Euroschlüssel erstehen.
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