Gitta Haller: Die Öcher-Ikone wird 85

Von: Georg Dünnwald
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Sie hat den Thouet-Preis, sie hat die Jupp-Schollen-Plakette, sie ist die Grande Dame des Öcher Platt. Am Mittwoch wird Gitta Haller 85 Jahre alt. Nach wie vor singt sie zum Quetschbüll „au Öcher Leddcher“. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Seit 80 Jahren steht die Frau auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und wenn sie auftritt, ist das Publikum hin und weg. Am Mittwoch wird Gitta Haller 85 Jahre alt. „Et Jitta“, wie viele Öcher die Grande Dame des Öcher Platt nennen, bezeichnet sich selbst ironisch als „Baggermull“.

Sympathisch, aufgeschlossen, nett, schlagfertig, so kennt man die jetzt 85-Jährige, die so unnachahmlich mit fester, voller Stimme auf der Bühne swingt und jazzt. Und die ein echtes Öcher Mäddche ist. Sie hat die werten Damen und Herren Zuhörer fest im Griff. Da ist es egal, ob sie im Europasaal des Eurogress vor 1400 Menschen auftritt oder eher im kleinen Rahmen. „Et Jitta“ füllt den Raum.

Am Markt/Ecke Kockerillstraße, in dem Haus, in dem sich früher im Traditionslokal „Goldene Kette“ Gott und die Welt sehen ließ, erblickte die kleine Gitta das Licht der Welt. Der Name „Gitta“, also Brigitte, ist keltischen Ursprungs und bedeutet „die Erhabene“. „Da muss ich mich ja ab sofort selbst siezen“, meint Gitta Haller und kriegt sich kaum noch ein vor Lachen. „Aber dass kommt nicht infrage, ich bleibe wie ich bin“, sagt sie bestimmt im Gespräch mit den „Nachrichten“.

Da erzählt sie lieber von Tochter Dorit und den Enkelinnen Jennifer und Sarah, die sie immer „Oma Juja“ nannten, wohl weil sie auch im Öcher Fastelovvend stets als Star auf den jecken Bühnen der Stadt und der Region Erfolge feierte. Und bundesweit dem Publikum durch die AKV-Fernsehsitzung bekannt wurde. Natürlich vergisst sie auch nicht zu erwähnen, dass sie nun auch noch zwei Urenkelchen hat. „Leyla und Shady sind Zwillinge, gerade mal dreieinhalb Monate alt“, erzählt sie. „Aber frage mich nicht, was diese Namen bedeuten.“

Mit fünf Jahren auf der Bühne

85 Jahre und immer noch auf der Bühne, dass ist eine Seltenheit. Neben ihrem Geburtstag feiert die Haller noch ein zweites Jubiläum: 80 Jahre Bühnenerfahrung. Denn im zarten Alter von fünf Jahren trat sie erstmals auf. In der Westparkhalle hatte sie ihr erstes Engagement, die Mutter, eine Konzertsängerin, konnte zeitlebens nicht von der Bühne lassen und hatte deshalb absolut keine Einwände gegen den Auftritt der kleinen Tochter. „Diese Halle war einmalig“, schwärmt Gitta Haller heute noch. Das Gebäude wurde bei alliierten Luftangriffen ebenso zerstört wie der seinerzeit im Westpark beheimatete Tierpark.

In der Nachkriegszeit, als zaghaft auf den ersten Karnevalssitzungen „Juja“ gesungen und donnernd „Alaaf“ gerufen wurde, trat auch Gitta Haller auf. „Meistens in Kneipen, es gab ja so gut wie keine Säle mehr. Wir haben auf den Tischen getingelt“, erinnert sie sich. Eigentlich hatte sie ja, wie die Frau Mama, Konzertsängerin werden wollen. Aber dazu kam es nicht, durch den Verein Öcher Platt kam sie zum Öcher Liedgut und dadurch zum Fastelovvend.

Die Grande Dame ist eine Rampensau: „Seit meinem ersten Auftritt in der Westparkhalle habe ich es nicht mehr lassen können“, gesteht sie.

In Hannover und Celle war sie als Schauspielerin engagiert. „Deutschlands Norden ist nicht meine Welt“, stellt „et Jitta“ fest. Wenn sie ihre Theaterferien in Aachen verbracht hatte, wurde sie nach ihrer Rückkehr stets pikiert gefragt, was das denn für eine Sprache sei, in der sie sich äußere. Der Öcher Akzent war nicht zu überhören. „Obwohl ich der Meinung war, bestes Hochdeutsch zu reden“, erinnert sich Haller, „das hatte ich mir schließlich jahrelang mit Korken im Mund und Kissen auf dem Bauch beigebracht.“ Die Kollegen aus Celle und Hannover hätten auch nie Verständnis gehabt, wenn sie am Rosenmontag in der Garderobe dem Kölschen Karneval gelauscht und dabei Rotz und Wasser geheult habe. „Die konnten mein Heimweh nicht verstehen.“

An ihrem Jubeltag wird Gitta Haller sicher auch an ihren heiß geliebten Ehemann Günter Rothe denken, der vor neun Jahren gestorben ist.

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