Aachen - Gisela Nacken muss ihren Posten räumen

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Gisela Nacken muss ihren Posten räumen

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Abgang nach 16 Jahren an der Aachener Verwaltungsspitze: Gisela Nacken hat unter Schwarz-Rot keine Chance mehr. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Nach 16 Jahren in der Aachener Verwaltungsspitze wird sich Gisela Nacken nach einem neuen Job umsehen müssen. Für die grüne Planungs- und Umweltdezernentin wird es unter einer schwarz-roten Ratsmehrheit keine Verlängerung mehr geben.

Darauf haben sich nach gesicherten Informationen der „Nachrichten“ die Fraktionen von CDU und SPD verständigt. Offiziell soll die einschneidende Personalie erst am kommenden Donnerstag bekanntgegeben werden, bis dahin wollen sich die Wortführer der beiden Mehrheitsfraktionen in Schweigen hüllen. Und auch die Betroffene selbst will vorher keine Stellungnahme abgeben. Allerdings hat sie am Montagabend bereits ihre Parteifreunde über ihr bevorstehendes Aus an der Spitze eines der einflussreichsten Dezernate informiert.

Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, ob Gisela Nacken als einzige Grüne in der Riege der Beigeordneten ihre Führungsposition auch unter Schwarz-Rot halten kann. Ende Januar läuft ihr Vertrag aus, und nun ist klar, dass er nicht verlängert wird.

Damit verabschiedet sich die neue Ratsmehrheit von einer Persönlichkeit, die die Stadt über viele Jahre hinweg an entscheidender Stelle mitgeprägt hat, die aber in den letzten Jahren zunehmend auch zur Reizfigur für viele Aachener geworden ist. Das Wortspiel „Nacken-Schläge“ wollte sich zuletzt kaum ein Leserbriefschreiber entgehen lassen, wenn vermeintliche oder tatsächliche Fehler in der Stadtplanung angeprangert werden sollten. Keiner ihrer Kollegen musste jemals öffentlich so viel verbale Prügel einstecken, wie sie.

Dies wurde nicht zuletzt in der Auseinandersetzung um die Campusbahn deutlich. Zwar zählte auch Oberbürgermeister Marcel Philipp zu den Befürwortern der Wiedereinführung einer Stadtbahn, doch die Gegner arbeiteten sich lieber an Gisela Nacken ab. Auch der Streit um die Baumfällungen am Templergraben – abgenickt von nahezu allen Politikern – ging voll zu ihren Lasten.

Unter Nackens Federführung wurden maßgeblich die Planungen für den Ausbau der Windenergie, für den Campus der RWTH und vor allem auch für die Umgestaltung etlicher Straßen und Plätze sowie für den Verkehrsfluss in der Stadt insgesamt erarbeitet. Ihr Ziel war und ist es, mit Hilfe eines Luftreinhalteplans eine Umweltzone in Aachen zu verhindern. Als herausragende Ziele für die Zukunft hat sie die weitere behutsame Umgestaltung der Altstadt und des Bushof-Areals definiert. Doch dies wird sie nun einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger überlassen müssen.

Seit Januar 1999 ist Gisela Nacken als Dezernentin für die Stadt Aachen tätig. Zuvor hat die gebürtige Heinsbergerin als Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag grüne Politik vertreten. Im Kommunalwahlkampf hat sie in diesem Jahr auch für das Amt des Aachener Oberbürgermeisters kandidiert und 10,2 Prozent der Stimmen geholt.

Zu neuen beruflichen und politischen Zielen kann oder will die 57-Jährige noch keine Angaben machen. Innerhalb der Grünen ist sie bestens vernetzt. Ihr Mann Reiner Priggen führt derzeit die grüne NRW-Landtagsfraktion an.

CDU und SPD werden voraussichtlich im Oktober die Weichen für eine Neubesetzung des Postens stellen, wobei der SPD das Vorschlagsrecht zugestanden werden soll. Die Zuständigkeiten für die sechs Dezernate werden dann aller Voraussicht nach neu geordnet.

Gremien von CDU und SPD geben dem Koalitionsvertrag ihren Segen

Knapp vier Monate nach der Kommunalwahl haben CDU und SPD ihren Koalitionsvertrag endlich unterschriftsreif ausformuliert. Das gut 25 Seiten starke Papier, in dem die Arbeitsziele für die nächsten sechs Jahre festgehalten sind, ist am Montagabend von den jeweiligen Gremien beider Parteien endgültig und einstimmig verabschiedet worden.

Offiziell soll der Koalitionsvertrag am kommenden Donnerstag vorgestellt werden, dann wird er von den beiden Parteichefs Ulla Thönnissen (CDU) und Karl Schultheis (SPD) sowie den Fraktionsvorsitzenden Harald Baal und Michael Servos unterzeichnet.

Neue Akzente will die große Koalition insbesondere in der Sozial- und Familienpolitik, aber auch bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und in der Standortpolitik setzen. Auch das Projekt „Internetstadt“ soll Gestalt annehmen.

Baal und Servos betonen, dass die bisherige Zusammenarbeit „sehr angenehm und konstruktiv“ gewesen sei. Demnach haben die einstigen politischen Gegner „eine gute gemeinsame Basis“ für die kommenden sechs Jahre gefunden. Beide betonen, dass die Koalition „keine Liebesbeziehung“, sondern „ein Zweckbündnis“ sei.

Die Opposition im Rat zeigte sich zuletzt zunehmend verwundert, dass der Koalitionsvertrag so lange auf sich warten ließ. „Es muss wohl ein gewaltiges Werk werden“, mutmaßten die Grünen ironisch. Und auch die Linke zeigte sich vergangene Woche ungeduldig und fragte per Pressemitteilung nach: „Wird‘s noch?“

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