Whatsapp Freisteller

Giftfässer im Schutzgebiet

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
4639227.jpg
Fieberhafte Geschäftigkeit im Reichswald: In schwerer Schutzausrüstung nähern sich Spezialkräfte der Einsatzstelle. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Großalarm im Wasserschutzgebiet: Im Bereich des Stawag-Wasserwerks Reichswald haben Unbekannte 19 Kunststoffgebinde mit möglicherweise hochgiftigem Inhalt abgekippt. Ein Stawag-Mitarbeiter hatte die Fässer am Freitagmorgen während einer Kontrolle in dem Waldgebiet unweit des Autobahnkreuzes Aachen entdeckt und die Feuerwehr alarmiert.

Gegen 9 Uhr rückte sie mit zwei Zügen und Spezialkräften aus. Zeitgleich sperrte die Polizei das bei Ausflüglern und Wanderern beliebte Waldstück – ganz in der Nähe liegt unter anderem das Restaurant Forsthaus Weiden – westlich von Verlautenheide großräumig ab. Da zunächst niemand einschätzen konnte, um welche Substanzen es sich in den Fässern handelte, galten strengste Sicherheitsvorschriften.

Chemiker näherten sich nur mit Atemschutzgerät und unter Vollschutz den mit Totenköpfen beklebten Fässern, von denen einige leer waren, andere aber noch eine flüssige Substanz enthielten. Windrichtung und -geschwindigkeit wurden gemessen, um gegebenenfalls die Sperrzone auszuweiten.

Feuerwehrchef Jürgen Wolff, der ebenfalls vor Ort war, konnte gegen 11 Uhr eine „stabile Lage“ melden: Zu diesem Zeitpunkt waren alle Fässer aufgerichtet. „Es läuft nichts mehr aus.“ Beim Aufrichten seien weiße Dämpfe ausgetreten, sagte Wolff. Und auch eine Kontaminierung des Bodens konnte nicht verhindert werden. „Das ist nicht unkritisch“, meinte er. Über das Ausmaß der Verseuchung in dem Wassereinzugsgebiet waren bis zum Abend jedoch noch keine Aussagen möglich.

Fachkräfte von Feuerwehr und Umweltbehörden hatten alle Mühe, Erkenntnisse über den Inhalt der Fässer zu gewinnen. Mehrere Proben wurden genommen und analysiert. „Es ist kein klar identifizierbarer Stoff“, teilte Einsatzleiter Uwe Weiss am Nachmittag mit. „Vermutlich handelt es sich um ein Gemisch.“ Denkbar ist, dass jemand Produktionsrückstände im Wald abgekippt hat. Die Laboranalyse kann einige Tage in Anspruch nehmen.

Am Nachmittag trafen Spezialisten im Reichswald ein, die die fachgerechte Entsorgung der Giftfässer übernahmen und damit begannen, den verseuchten Boden abzutragen.

Die Kripo hat inzwischen die Ermittlungen aufgenommen und vor Ort Spuren gesichert. Ihre Aufgabe wird es nun sein, die Herkunft der Fässer zu ermitteln. „Das hier ist kein Kavaliersdelikt“, war sich Feuerwehrchef Wolff schon am Morgen sicher.

Unklar ist, wann die Fässer abgekippt worden sind. Die Polizei geht davon aus, dass dies in der Nacht zum Freitag oder am frühen Morgen geschah. Am Abend zuvor soll einem Stawag-Mitarbeiter bei Routinekontrollen nichts Ungewöhnliches aufgefallen sein.

Zeugen haben sich bislang nicht gemeldet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gebinde mit einem Transporter herangekarrt wurden. „Die kommen nicht aus einem Privathaushalt“, ist Wolff überzeugt.

Der Waldweg zum Wasserwerk Reichswald ist sowohl von Würselener Seite aus als auch von Verlautenheide und Stolberg anfahrbar. Ob Reifenspuren gesichert wurden, konnte die Polizei gestern noch nicht mitteilen.

Derweil schließt die Stawag eine Gefährdung für die Trinkwasserversorgung aus. „Es gibt viele gute Faktoren, aus denen wir schließen, dass keine Gefahr besteht“, sagt Stawag-Sprecherin Eva Wußing. Demnach sollen nur geringe Mengen auf einen „bretthart gefrorenen Boden“ getropft sein. Zudem hätten die Fässer „relativ weit weg vom Brunnen“ gelegen. Bis die Substanz tatsächlich das Grundwasser erreichen könnte, müsste einige Zeit vergehen. Der Boden werde nun aber sehr schnell abgetragen.

Die Stawag entnimmt ihrem Wasser regelmäßig Proben, erklärt Wußing – 30.000 Einzelproben im Jahr, gut 100 Analysen pro Woche. Diese engmaschige Kontrolle soll am Reichswald nun weiter erhöht werden. „Auch das Gesundheitsamt prüft akribisch“, versichert die Stawag-Sprecherin. Sollte eine Belastung im Wasser festgestellt werden, könne der Brunnen auch abgestellt werden.

Vom Wasserwerk Reichswald wird Trinkwasser zum Wasserbehälter Lousberg geleitet, von wo aus wiederum große Bereiche der Innenstadt versorgt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert