Aachen - Gewerkschaft protestiert gegen unwürdige Löhne

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Gewerkschaft protestiert gegen unwürdige Löhne

Von: Heiner Hautermans
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Der Geduldsfaden ist ihnen gerissen: Die Gewerkschaft IG BCE rief die Beschäftigten der Chemie-Firma Dr. Weipert zur Protestaktion vor dem Firmentor auf. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie platzt der Kragen. Weil nach ihrer Darstellung in der Chemischen Fabrik Dr. Weipert & Co. Nachf. GmbH Hungerlöhne gezahlt werden, wurde der Protest vor das Firmentor im Scheidmühlenweg am Rande Eilendorfs verlagert.

Betriebsratsvorsitzende Tatjana Zart: „Viele Leute sind seit 17 oder 18 Jahren hier und haben noch keine Lohnerhöhung bekommen.“ Dies sei um so schlimmer, erklärt Gewerkschaftssekretär Dennis Radtke, als die Grundlöhne bei gerade mal fünf bis sechs Euro liegen. Firmenchef Egon Fuss weigere sich, Gespräche über einen Firmentarifvertrag zu führen.

Es gehe nicht darum, die Firma wie eine Zitrone auszuquetschen oder Reichtümer zu verteilen, sondern vernünftige Arbeitsbedingungen herzustellen, rief Radtke ins Megaphon: „Bei jeder Inflation habt Ihr weniger Geld zur Verfügung. Wir wollen, dass Menschen am Ende des Monats von ihrem Lohn leben können, ohne Wohngeld zu beantragen. Das ist einfach unwürdig.“ Er komme durch viele Betriebe, habe aber selten erlebt, dass einem Firmenchef das Schicksal der Mitarbeiter so gleichgültig sei. Auch die Arbeit des im Mai gewählten Betriebsrats werde behindert, wogegen man sich jetzt vor dem Arbeitsgericht zur Wehr setzen werde: „Hier arbeiten Menschen, keine Tiere.“ Auch die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz, Beispiel Absauganlagen, lasse zu wünschen übrig.

Das vor mehr als 50 Jahren aus dem Zusammenschluss von zwei Firmen hervorgegangene Unternehmen produzierte zunächst eigene Produkte im Bereich Haushaltsreiniger und Industriereiniger für den deutschen, später für den kompletten europäischen Raum. Aufgrund der großen Nachfrage von Markenherstellern und Vertriebsfirmen beträgt der Anteil der Lohnabfüllung heute 90 Prozent.

Damit begründet Firmenchef Egon Fuss auch den Grundlohn von sechs Euro: „Von da an geht es aufwärts.“ Wegen der stark schwankenden Aufträge könne er auch nicht in Verhandlungen über einen Tarifvertrag treten. „Wir leben von der Hand in den Mund.“ Die Kernbelegschaft bestehe aus 28 Beschäftigten, insgesamt arbeiteten auf dem 50.000 Quadratmeter Gelände 50 Beschäftigte, der Rest werde über Zeitarbeitsfirmen akquiriert. Für manche Tätigkeiten brauche man keine Ausbildung, bei einem Tarifvertrag seien alle Entgelte gleich. Es stimme allerdings nicht, dass es seit 18 Jahren keine Erhöhungen gegeben habe: „Das kann ich nicht bestätigen.“

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