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Gesucht wird Aachens schönste Kolonie

Von: Werner Czempas
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Der „Kleingarten-Wettbewerb 2013“ um den Wanderpreis der Stadt Aachen wurde in der Anlage am Reichsweg feierlich eröffnet. Die Jury macht sich auf den Weg, die schönste Anlage ausfindig zu machen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Kleingärtner werden belächelt, manchmal. Der ach so moderne Großstadtmensch pflegt seine Vorurteile. Wie falsch die sind, meilenweit entfernt von der Wirklichkeit, bewies einmal mehr eine kleine Feststunde: In der Familiengartenanlage Reichsweg an der Stolberger Straße wurde der „Kleingarten-Wettbewerb 2013“ um den Wanderpreis der Stadt Aachen feierlich eröffnet.

„Wer ist die Schönste in der Stadt?“ Wenn Aachens Familiengärtner das Sommers fragen, geht es um die prächtigste Gartenkolonie in der Stadt. In diesem Jahr wird sie zum 49. Mal gesucht. Von insgesamt 43 Anlagen sind 32 mit von der Partie. Der Wettbewerb wird traditionell beim Vorjahressieger eröffnet, weshalb die Kolonie Reichsweg an der Reihe war. Über einen gepflegten Weg neben dem Geschwister-Scholl-Gymnasium ist die Anlage zu erreichen, ein wenig versteckt und an den Kennedypark grenzend, mit ihren jeweils bis zu 300 Quadratmeter großen 40 Einzelgärten eine Oase des Grüns und der Stille.

Auflösung abgewehrt

Vorsitzende Elisabeth Müller erzählte den zahlreichen, bei sonnigem Wetter draußen ums schmucke Vereinsheim sitzenden und mit Getränken und Schnittchen bewirteten Gästen stolz über Höhen und Tiefen in der 106-jährigen Geschichte der Anlage. Ehedem noch 80 Gärten zählend, hätten sich die Mitglieder 1977 gegen eine gänzliche Auflösung erfolgreich gewehrt.

Für immer und ewig eingegangen in die Annalen ist der Aufbau des Vereinsheims 1982, eine in Düsseldorf erworbene und in ihre Bestandteile zerlegte und an der Stolberger Straße wieder aufgebaute Baracke. Für die Fleißarbeit erntete die Anlage im Jahr darauf erstmals den Wanderpreis, einen großen, farbigen Stich des Aachener Rathauses.

Stets nutzt Heijo Plum, Vorsitzender des Aachener Stadtverbandes der Familiengärtner, Veranstaltungen wie in Reichsweg, um das Kleingartenwesen ins rechte Licht zu rücken. Das gelingt ihm überzeugend. „Unsere Kleingärten sind ein Stück Lebensqualität, für uns Kleingärtner ebenso wie für Erholungssuchende“, erklärte er.

Kleingärten seien kein „Luxusgrün“, sondern „Kulturgärten“. Da sie weitgehend öffentliche und damit zugängliche Grünflächen seien, machten sie es allen Bürgern der Stadt möglich, „Natur hautnah zu erleben“. Ein selbstbewusster Familienverbands-Chef: „Unsere Kleingärtner leisten einen wesentlichen Beitrag zur Pflege und Unterhaltung des öffentlichen Grüns.“ Eine beachtliche Zahl: In den 43 Anlagen pflegen Aachens Familiengärtner mehr als sieben Hektar Grün.

Das „Gedankengut der Nachhaltigkeit“ werde von den Gärtnern umgesetzt, die Erfolge auf ökologischem Gebiet seien nachweisbar. Längst hätten die Kleingärtner erkannt, dass nur der richtige Umgang mit der Natur zum Erfolg führe. Plum: „Chemische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger sind tabu, die Giftspritze ist aus den Anlagen verbannt. Die naturgemäße Bodenbehandlung und der integrierte Pflanzenschutz werden stattdessen großgeschrieben.“

Großgeschrieben wird auch gesellschaftliches Engagement und soziale Verantwortung. „Menschen jeglicher Herkunft“ seien in den Anlagen willkommen, sie lebten vom nachbarschaftlichen Miteinander. „Menschen, die ihre Heimat verlassen haben oder mussten und sich in der Fremde zurechtfinden müssen, gelingt es mit Hilfe eines kleinen Stückes selbstbewirtschafteter Natur eher, Eigenständigkeit und Würde zu bewahren und sich und ihre Kinder schneller zu integrieren“, so erlebt es Heijo Plum immer wieder. Elisabeth Müller kann es bestätigen: „14 von 40 Gärten in Reichsweg werden von ausländischen Mitbürgern bewirtschaftet, alle bestens integriert.“

Oasen der Großstadt

„Sie tragen erheblich zum Funktionieren unserer Stadt bei“, rühmte Oberbürgermeister Marcel Philip die „gesellschaftlichen Wirkungen“ der Familiengärtner. Mitten im hektischen Großstadtbetrieb pflegten sie Oasen für das Erholungsbedürfnis vieler Menschen. Mit den Worten: „Der Beste möge gewinnen, aber alle mögen auch Freude haben, sich am Wettbewerb zu beteiligen“, eröffnete der OB den 49. Wettbewerb.

Ordnung muss sein, und so verpflichtete Stadtverbandschef Heijo Plum mit dem Wunsch nach „fairer Beurteilung“ feierlichst die Jury: Gerd Bussen (Abteilungsleiter im städtischen Immobilienmanagement), Ernst Schnitzler (Stadtverbandsvorsitzender Düren) und Hermann Jansen (2. Vorsitzender Stadtverband Aachen) inspizieren an drei Tagen die 32 teilnehmenden Kolonien. So sie nicht in den derzeit wie in Reichsweg prall-rot gedeihenden Erdbeerfeldern schmausend stecken bleiben, werden sie mehr als 50 Kilometer durch Aachens schöne Gärten wandern.

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