Aachen - Gesine Schwan spricht bei Aachener SPD über Frauenwahlrecht

Gesine Schwan spricht bei Aachener SPD über Frauenwahlrecht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Der blonde Wuschelkopf ist ein Markenzeichen von Professor Gesine Schwan (links), die gemeinsam mit Ministerin Ulla Schmidt zum Thema 90 Jahre Frauenwahlrecht auf einer Matinee der Aachener SPD sprach. In der Mitte der Aachener SPD-Vorsitzende Karl Schultheis. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Als sich die Berliner Professorin Gesine Schwan (65) mit ihrem prägnanten blonden Wuschelkopf, dem Bouclé-Jäckchen und im engen knöchellangen Rock am Sonntagmorgen am Tisch des Podiums im Ludwig-Forum niederließ, tat sie das durchaus grazil - zweifelsfrei beherrscht die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt den öffentlichen Auftritt perfekt.

Man verzeihe diese klassische Männersicht, aber sie soll einem noch verbreiteten Vorurteil entgegenwirken: Auf der Veranstaltung der Aachener SPD zum Thema „90 Jahre Frauenwahlrecht” dozierten mit der Professorin und der ortsansässigen Bundesministerin Ulla Schmidt keine humorlosen „Blaustrümpfe” über Gleichberechtigung, Frauenquote und sonstige „Gemeinheiten”, die sich üblicherweise Alice Schwarzer auf die Fahne schreibt.

Im Gegenteil: Vor etwa 150 meist weiblichen Gästen, moderiert von der Aachener Journalistin Bettina Staubitz, entspann sich nach einem kurzen Statement der Politikwissenschaftlerin, die bei der Bundepräsidentenwahl 2004 Horst Köhler in der Bundesversammlung mit 589 zu 604 Stimmen unterlag und ihn im kommenden Mai nun ablösen möchte, eine hochkarätige Diskussion über das Familien-, Berufs- und Frauenbild der künftigen Gesellschaft.

Appelle an das Selbstbewusstsein der Geschlechtsgenossinnen wechselten mit persönlichen Erfahrungsberichten auch von Ulla Schmidt, die als wohl „dienstälteste Gesundheitsministerin der Welt”, so SPD-Vorsitzender Karl Schultheis bei der Begrüßung, ihre Erlebnisse mit der konkurrenzlastigen Männerwelt - wohltuend sachlich - beschrieb und auch ohne Zögern gestand, dass sie das alles wohl nur schadlos überstehe, weil sie „schon als Kind ein wenig stur” gewesen sei.

Gesine Schwan begann ihren Vortrag mit einigen entlarvenden Männerzitaten, beispielsweise des preußischen Innenministers von 1902, der sich strikt gegen politisch aktive Frauen aussprach, weil ihre „leichte Erregbarkeit” einem sachlichen Urteil entgegenstehe. Die „ideale Stellung” der Frauen, zitierte Schwan ihn schmunzelnd weiter, befinde sich nach der Meinung dieses Mannes im Haus, als vergötterte „Mutter und Erzieherin”, die doch bitte nicht „in die Tiefen des politischen Lebens” hinabsteigen möge. Der Hinterhalt in solchen Formulierungen ist offensichtlich.

„Wie Unkraut”

Schwan hatte noch ein Zitat auf Lager, dessen Frauenfeindlichkeit auch heute noch den Atem nimmt. So habe 1946 der bayrische Landtagspräsident Michael Horlacher zu Frauen im Mandat geäußert: „Als Einzelne wirken sie wie eine Blume im Parlament, in der Masse aber wie Unkraut”, las Schwan vor. Dann ging es an die Fundamentalkritik der männlichen Konkurrenzgesellschaft.

„Ich stimme Ihnen zu”, meinte Schwan zur Moderatorin, „dass Frauen nicht so wettbewerbs- und kampforientiert sind wie Männer”. Aber der Gedanke, Wettbewerb und Kampf seien immer das Richtige, den teile sie nun gar nicht. Frauenkompetenz liege woanders, etwa im gemeinsamen Erreichen gesteckter Ziel sowohl in Beruf wie im Privaten. Man müsse auch weg von Frauenpolitik als reiner Familienpolitik, forderte sie auf.

Doch um für mehr Frauen Beruf und Familie vereinbar zu machen, dafür bedürfe es eines neuen Denkens. So warb die Kandidatin für das höchste Amt im Staate für eine andere Bewertung der Biographie. Männern wie Frauen müsse es ohne Nachteil für die Karriere möglich sein, nach Erziehungszeiten wieder in den Beruf einzusteigen - gleichberechtigt. Die vielgescholtenen Folgen des demographischen Wandels seien im Übrigen eine Chance, meinte Schwan.

So könnten Menschen durchaus ab 40 oder 50 noch den Höhepunkt ihres Arbeitslebens erreichen und davor eben gemeinsam die Kinder erziehen. Falls sie gewählt werde, verstehe sie ihr Amt auch so, den Bürgern und besonders den Frauen Mut zu machen: „Es braucht eine Menge Ermutigung”, schloss sie die Matinee.
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