„Gesichter“ werben für die Campusbahn

Von: Werner Breuer
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Das Aktionsbündnis will mit 250 Plakaten von bekannten und weniger bekannten Aachenern das Projekt Campusbahn vorantreiben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Was Else Lenz von der Campusbahn halten soll, hat ihr Bruder ihr ganz klar gesagt. „Die Bahn ist gut“, zitiert sie den geschwisterlichen Rat, „dann kann Bombardier sie bauen.“ Doch die Wirtin des stadtbekannten Sauerbratenpalasts hat selbst noch gute Erinnerungen an die alte Öcher Tram und eher schlechte Erfahrungen mit vollen Bussen.

Else Lenz ist jedenfalls von der Campusbahn so überzeugt, dass sie dafür den Kopf hinhält. Ihr Konterfei ziert eines der rund 250 Plakate, mit denen das Aktionsbündnis „Pro Campusbahn“ jetzt vor dem Ratsbürgerentscheid Werbung für das 240-Millionen-Euro-Projekt machen will. Elf „Gesichter“ hat das Aktionsbündnis – engagiert sind hier neben CDU, Grünen, SPD und Linken auch die RWTH, der DGB, der VdK, der ADFC und detr VCD – für seine Kampagne gewinnen können.

Manche sind so bekannt wie das von Wolfgang Tim Hammer. Dabei bekennt der Spediteur offen, dass er mit der Campusbahn selbst womöglich kaum fahren werde. Für notwendig hält er sie dennoch, gerade die RWTH brauche sie. Die nach dem Abbau vieler Arbeitsplätze in anderen Bereichen nun „das stärkste, was wir haben“, und das gelte es zu unterstützen. „Exzellente Universität braucht exzellente Infrastruktur“ steht auf dem Plakat mit seinem Foto.

Für das öffentliche Nahverkehrsnetz wäre die Bahn sicher ein Gewinn, meint auch Paula Christfreund. „Ich hoffe, dass man damit mobiler wird“, sagt die Schülerin. Außerdem sei die Bahn ein „Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende“. Als Verkehrsmittel hat sie für Ralf Oswald vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) „schon eine andere Qualität“ als ein Bussystem. Andere Städte mit Straßenbahnen sind nach seiner Einschätzung recht glücklich mit der Schiene.

„Das ist auch wirtschaftlich ein Erfolg“, meint Oswald, Heilbronn habe damit den Einzelhandel nach vorne gebracht. Das würde Wilhelm Schillings vom Märkte und Aktionskreis City (MAC) natürlich auch gefallen. Für den Einzelhändler geht es beim Thema Stadtbahn keineswegs um fundamentale Glaubensfragen: Es sei ihm egal, wie der Nahverkehr funktioniert, sagt Schillings, „er muss nur funktionieren“. Als Oberzentrum sei Aachen darauf angewiesen, für die Kundschaft aus dem Umland erreichbar zu sein.

„Die Bahn ist dafür ideal“, meint Schillings. Und als „innovative Bahn“ sei sie auch ein Gewinn für das Erscheinungsbild der Stadt. Wobei der Betrieb mit Batteriestrom im Innenstadtbereich für den bekennenden Karnevalisten Schillings noch aus einem anderen Grund wichtig. „Dann müssen wir nicht wegen irgendwelcher Oberleitungen unsere Karnevalswagen umbauen.“

Als „innovativ und stadtverträglich“ preist Prof. Christoph Hebel das Projekt auf „seinem“ Plakat. Nach Ansicht des Stadtverkehrsplaners erhöht die Bahn auch städtebaulich die Attraktivität der Stadt. Dabei sei sie auch jetzt reizvoll genug, um viele besucher anzulocken. „Wir müssen hier sehr viele Menschen hintransportieren“, sagt Hebel. Das gehe nicht nur mit Autos, „auch nicht mit Elektroautos“. Der Campusbahn bescheinigt er ein „großes Erschließungspotenzial“, nicht zuletzt weil viele Aachener im Einzugsbereich der Trasse wohnen würden.

Und möglichst viele Aachener will das Aktionsbündnis auch mit seiner Kampagne erreichen. Bei den „Gesichtern“ sei eine gute Mischung aus Frauen und Männern, Alten und Jungen gelungen, meint CDU-Fraktionsgeschäftsführerin Caroline Herff. Präsentiert wird sie vorraussichtlich ab dem Wochenende überall in der Stadt. Geklebt werden die Plakate auf die Dreieck-Ständer, die sonst von den Parteien im Wahlkampf genutzt werden.

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