Aachen - „Geschichte soll für jeden sichtbar sein”

„Geschichte soll für jeden sichtbar sein”

Von: Nadine Jungblut
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Franz-Josef Heuser (links) und Helmut Vondenhoff feiern in diesem Jahr das 25-jährige Jubiläum des heimatvereins Haaren/Verlautenheide. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es war mehr als ein Hobby für Gastwirt Eduard Beyer. Alles, was Haarener Geschichte dokumentierte, hat er gesammelt: Urkunden, Fotografien, notarielle Verträge. „Sein Restaurant Redoute war nicht nur Anlaufstelle für gutes Essen”, erinnert ein ehemaliger Gast, Franz-Josef Heuser.

„Es war eine wahre Fundgrube an Haarener Geschichte. Viele Gäste brachten alte Fotos oder Zeugnisse mit, man schwelgte in Erinnerungen, tauschte sich aus. Beyer sammelte und archivierte einfach alles.”

Heute ist der Gastwirt verstorben, das alte Restaurant geschlossen. Beyers Idee jedoch lebt weiter: im Heimatverein Haaren/Verlautenheide.

Der einstige Gast Heuser ist heute Geschäftsführer des Vereins: „Beyer hat damals das Interesse für Heimatgeschichte in vielen geweckt”, berichtet er.

„Nach der kommunalen Eingliederung zu Aachen verstärkte sich zudem der Wunsch, die Identität von Haaren und Verlautenheide zu wahren.” Einige Jahre vergingen, bis am 16. April 1984 aus dem Wunsch Realität wurde, nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung zu verdanken, wie Heuser betont.

Das Gründungsmitglied blickt heute auf stolze 25 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Mittlerweile 160 Mitglieder füllten die vielen Jahre mit eigenen Dia-Vorträgen, dem Sammeln und Archivieren weiterer Dokumente, Wanderungen durch die Region oder Gedichtabenden auf Oecher Platt - stets die ganze Bandbreite heimatlicher Geschichte im Visier.

Das Interesse an dieser Geschichte geht jedoch weit über kommunale Grenzen hinaus, wie Helmut Vondenhoff, Vorsitzender des Vereins, zu berichten weiß: „Irgendwo in Kalifornien muss eine Dame auf unsere Internetseite gestoßen sein. Sie erkannte auf einem der zahlreich archivierten Kriegsfotos von 1944 das zerbombte Haus ihres verstorbenen Großvaters wieder und schrieb uns an. Vor Jahren war ihre Familie nach Amerika ausgewandert, ihre Erinnerungen an Haaren waren aber noch präsent.”

Der Zufall hätte nicht größer sein können, dem Heimatverein bescherte die Dame wertvolle Informationen, die nun der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Aber sind nach 25 Jahren nicht irgendwann alle Heimatthemen erschöpft, alle Urkunden und Bilder gesichtet, alle Informationen eingeholt? Ein klares Nein von Heuser: „Zu den Vereinstreffen kommen immer wieder Bürger mit neuen Dokumenten, die sie im Keller oder auf dem Speicher gefunden haben. Plötzlich erkennt der eine auf dem Foto seinen ehemaligen Klassenkameraden wieder und schon ist Gesprächsstoff für Stunden gegeben.”

Ein richtiges Großprojekt habe der Verein auch schon im Visier, erzählt Vondenhoff: „Unter dem Torresberg liegt ein alter Bierkeller versteckt. Vor dem Krieg wurde hier Eis für die Wirtsstuben gelagert, im Gefecht diente er als Schutzbunker.”

Heute sei der Eingang verschüttet, der Heimatverein wolle aber mit vereinten Kräften die ehemalige Bierstube wieder restaurieren und ans Tageslicht holen. Vondenhoff stellt klar: „Geschichte soll für jeden sichtbar sein.”

Der Heimatverein Haaren/Verlautenheide freut sich über alle Dokumente oder Fotografien, die der Erforschung der Heimatgeschichte dienen. Neue Mitglieder sind ebenfalls immer willkommen. Kontakt und Informationen unter 0241/9609778 oder im Internet.

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