Aachen - Geschäftsleute mit ihren Sorgen ernst nehmen

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Geschäftsleute mit ihren Sorgen ernst nehmen

Von: Werner Czempas
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Baustellen, wie hier am Steffensplatz, sorgen für Ärger, wenn Geschäftsleute vorab nicht informiert werden. Die Stadt denkt derzeit über einen Ansprechpartner für den Einzelhandel nach. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine „Zauberformel“ hatte er nicht im Gepäck und auch die „eierlegende Wollmilchsau“ ließ er nicht los. Aber was der Gast aus Bad Vilbel im Hermann-Heusch-Saal der Industrie- und Handelskammer vortrug, riss seine Aachener Zuhörer dennoch vom Hocker.

Weil sie im Grunde so einfach ist, überzeugt die Botschaft: Mancher Ärger um die vielen städtischen Baustellen lässt sich mindern – ja, wenn nur einer „den Stein ins Rollen“ bringt. Der eine, so der Gast, muss die Stadt sein.

Baustellen, Baustellen, Baustellen. Gefühlt überall. Stadt und Stawag, Netzbetreiber, Hochschulen und Private buddeln und baggern immerfort. Das macht Lärm und Dreck und vernichtet Parkplätze, und die Geschäftsleute jammern, dass ihnen die Kundschaft ausbleibt. Umsätze sinken. Was tun? „Baustellenmarketing für den Einzelhandel – Geld verdienen trotz Bagger“ hieß das Thema, zu dem IHK und Stadt eingeladen hatten.

Werbemanager André Haussmann aus Bad Vilbel schilderte anschaulich, wie das nur 31.000 Einwohner zählende noble kleine Städtchen bei Frankfurt den ewigen Baustellen-Ärger in den Griff bekommen hat. Kein anderer als die Stadt müsse für ein wirksames Baustellen-Management „vorher die Strukturen schaffen“.

Beispiel Bad Vilbel: An einem seit Jahren installierten Runden Tisch palavern lange vor einer Maßnahme alle nur irgendwie Betroffenen – städtische Ämter, Bauherren, Einzelhandel, Bürger, Stadtwerke und andere Versorgungsunternehmen. Alle ziehen kreativ an einem Strang, „mit positiver Einstellung“, da Städte nun mal ständig ihre Infrastruktur erneuern oder verbessern müssen und Baustellen unvermeidlich sind. Der Slogan „Bad Vilbel baut“ informiert seitdem und macht neugierig, verbreitet auf Plakaten und mit Delfin-Maskottchen bei Aktionen – und auf selbstständiger Website auch über Internet – „die Baustelle als Attraktionsort, soweit das geht“.

Fazit laut Haussmann: „Wir haben wegen der Baustellen noch nie so wenig auf die Mütze bekommen wie seit unserem Runden Tisch.” Es menschele zwischen allen Beteiligten, alle staunten über die Harmonie. „Bürger ärgern sich weniger, wenn sie informiert sind. Sie identifizieren sich mit Maßnahmen, wenn sie das Warum verstehen. Und sie haben das Gefühl, ernst genommen zu werden“, schilderte Haussmann heimische Erfahrungen. Den Aufbau des professionellen Baustellen-Managements ließ sich Bad Vilbel runde 50.000 Euro kosten. Aachens „großes Problem“ sei, erkannte der Referent, zuerst einmal die Struktur für ein Baustellenmarketing zu schaffen. Die Stadt müsse „den Stein ins Rollen bringen“. Doch die Stadt, welch freudige Verwunderung im Saal, hat sich bereits auf den Weg gemacht.

„Erste Ideen“ trugen Hans Poth, Leiter des Fachbereichs Presse und Marketing, und sein Mitarbeiter Axel Costard vor. Ob der vielen Baustellen in Aachen sei die Schwelle des Zumutbaren für Bürger und Handel erreicht, so Poth. Weshalb Oberbürgermeister Marcel Philipp denn auch eine Reduzierung der Baugruben angestoßen habe.

Nach einem entsprechenden schwarz-grünen Antrag tüftele sein Amt an einem Baustellen-Marketing. Eine Agentur sei beauftragt, dafür ein einheitliches „Baukastensystem“ zu entwickeln. Poth: „Wir wünschen, dass es einen Ansprechpartner bei der Stadt gibt, einen, der sich ausschließlich mit dem Baustellenmarketing beschäftigt, der die Nöte der Geschäftsleute ernst nimmt und weiß, wie es um den Einzelhandel steht.“

Umsatzeinbußen

Das klang vielversprechend in den Ohren der anwesenden rund 40 Kaufleute. Über die Vorschläge wird der Hauptausschuss und danach der Stadtrat entscheiden. Wie Geschäftsleute in teils langen Baustellenzeiten Umsatzeinbußen phantasievoll möglichst gering halten konnten und „mit einem blauen Auge davonkommen“ können, schilderten über ihre eigenen werbewirksamen Aktionen lebhaft und einfallsreich Josef Stenten (Öcher Einkaufszentrum Krugenofen), Martin Görg aus der Anna–straße (Aktion “kANNAle grande”) und Uwe Jahn aus der Trierer Straße („Jeder kleine Einzelhändler ist wehr-, hilf-, macht- und am Ende auch noch mittellos“). Stenten: „Meine Mitarbeiter hatten Angst um ihre Arbeitsplätze, aber wir sind alle positiv an die Sache rangegangen – auch wenn eine Baustelle vor der Tür der größte Mist aller Zeiten ist.”

Damit der „Mist“ überschaubar bleibt, bietet Monika Frohn als zuständige „Baustellen-Managerin“ allen Einzelhändlern an, bei Baumaßnahmen vorab die IHK zu kontaktieren: Telefon 4460102 oder per E-Mail: monika.frohn@aachen.ihl.de.

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