bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Gesang erleichtert Völkerverständigung

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
5832287.jpg
Ausgezeichnete Sänger: Der Aachener Domchor (links) und der Prager Jugendchor Zvonky (rechts daneben) erhielten den Kulturpreis Karl IV., Vera Blazek (rechts), die Vorsitzende des Kulturvereins Aachen-Prag, freut sich. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Kein Ort geeigneter in Aachen als dieser, um gerade diesen Preis zu verleihen: Im voll besetzten Oktogon des Aachener Doms wurde am Sonntagmittag der Kulturpreis Karl IV. des Kulturvereins Aachen-Prag an den Aachener Domchor und an den Prager Kinder- und Jugendchor Zvonky verliehen.

Es war ein wunderschönes Bild voll herzerfrischend jugendlichem Schwung, als nach einem Festgottesdienst sich die beiden Chöre zur Preisverleihung im Oktogon aufstellten: links vor der Stufe zum Altar und zur Chorhalle hinauf die Aachener unter Leitung von Domkapellmeister Berthold Botzet, an diesem Tag rund 80 Knaben und junge Männer stark in weißem Gewand, rechts die Freunde aus Prag unter Leitung von Jarmila Novenková in roten Umhängen, 39 Mädchen und vier Jungen.

So freute sich denn auch die um die deutsch-tschechischen Beziehungen nimmer müde werdende Vera Blazek, Vorsitzende des Kulturvereins Aachen-Prag, dass der Preis „in Erinnerung an Karl IV., den europäischen Visionär, auf diesem heiligen Boden“ verliehen werde. Die Symbolik: Kaiser Karl IV. legte im 14. Jahrhundert den Grundstein zu den Beziehungen zwischen Prag und Aachen. Karl wurde 1347 in Prag zum böhmischen und zwei Jahre später in Aachen zum deutschen König gekrönt.

Der erst 2010 gestiftete Kulturpreis Karl IV. des Kulturvereins Aachen-Prag habe Jahr für Jahr an „klarem Profil“ gewonnen, führte Oberbürgermeister Marcel Philipp in seiner Laudatio aus. Der Preis richtet sich an Menschen, die sich um die Intensivierung der Kontakte zwischen den beiden Städten und ihren Bürgern besonders bemühen und sich ebenso für die Verständigung zwischen der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland einsetzen sowie die Kultur, Kunst und Wissenschaft beider Länder fördern.

Für dieses Ziel engagieren sich beide Chöre seit Jahren, wie die Jury einstimmig befand. Die Chöre hätten durch mehrfach gemeinsame Konzerte „eine neue herrliche und frische Note“ in die Beziehungen beider Städte gebracht, so Vera Blazek. Über alle Sprachbarrieren hinweg funktioniere der Jugenddialog, das Kennenlernen und der Austausch bestens.

Milena Kozumplíkova, Bürgermeisterin a.D. des Stadtteils Prag 3, erinnerte an den ersten Auftritt der Prager 2009 im Krönungssaal „dieser wunderschönen Stadt“ und an den ersten Gegenbesuch des Domchors in Prag. Die Treffen und gemeinsamen Konzerte seitdem seien „vielversprechende Beispiele für eine gute gemeinsame Zukunft unserer beiden Länder“.

Oberbürgermeister Marcel Philipp skizzierte die Geschichte der beiden Chöre mit ihren vielen nationalen und internationalen Konzertreisen und der eingeheimsten hohen Auszeichnungen. Immerhin: Der Aachener Domchor ist 1200 Jahre alt und damit der älteste Knabenchor Deutschlands. Sehr wahrscheinlich denn auch, dass seine Mitglieder schon bei der Krönung Karls IV. 1349 mitwirkten. Heute gestaltet der Chor etwa 70 Konzerte und Gottesdienste im Dom.

Der Prager Jugendchor Zvonky schaut zwar erst auf 17, dafür aber sehr erfolgreiche Jahre zurück. 1996 gegründet, singen in ihm 220 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 4 und 20 Jahren.

Auf musikalische Art hätten beide Chöre einen intensiven Kulturaustausch gepflegt. Er hoffe, so Philipp, dass dieser internationale und offene Dialog auch vor dem Hintergrund der historischen Beziehungen der Heimatstädte beider Chöre Grundlage werde für weitere Begegnungen zwischen den Bürgern Prags und Aachens, zwischen Tschechen und Deutschen – „auf vor allem aber immer zwischenmenschliche Art“. OB Philipp gratulierte beiden Preisträgern und wünschte, „dass dieser Begegnung heute hier in Aachen noch viele weitere folgen werden“.

Musikalischer Dank

Die Jury-Mitglieder Vera Blazek und Wolfgang Rombey, als Kulturdezernent der Stadt frisch in den Ruhestand verabschiedet, verlasen die Urkunden und überreichten die Preis-Medaillen.

Domkapellmeister Berthold Botzet bedankte sich im Namen des Domchors: „Wir fühlen uns geehrt und bestätigt und gestärkt in unserer Arbeit. Wir werden weitere musikalische Freundschaften schließen.“ Chorleiterin Jarmila Novenková tat es Botzet beeindruckt nach „an diesem gemeinsame Geschichte ausstrahlenden Ort“.

Der fröhliche Festakt schloss mit dem musikalischen Dank der Preisträger: Domchor und Kinder- und Jugendchor Zvonky sangen mal wechselseitig, mal gemeinsam den „Psalm 150“ des tschechischen Komponisten Petr Eben. Der Gesang füllte so wohlklingend die mosaik-glitzernde Kuppel des Doms, dass die Zuhörer am Ende am liebsten wohl in „Zugabe, Zugabe“-Rufe ausgebrochen wären, es an würdevoller Stätte aber bei langanhaltendem Beifall beließen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert