Aachen - Gesamtschultag: „Keinen Bock auf diesen G8-Stress“

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Gesamtschultag: „Keinen Bock auf diesen G8-Stress“

Von: Christopher Gerards
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Vielfalt als Stärke: Der Reformpädagoge Otto Herz hielt zum Auftakt des ersten Aachener Gesamtschultags einen Vortrag. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Frage nach dem Image-Problem der Gesamtschule kann zum Beispiel Yannik anschaulich beantworten, 2011 hat er sein Abitur an der Gesamtschule Brand gemacht. In seinem Umfeld habe es bisweilen Sprüche gegeben, sagt Yannik, es hieß: „Gesamtschul-Abi ist kein Abi.“ Yannik hat Gegenargumente, gute sogar.

Bunte Stände, viele Menschen, Podiumsdiskussion und Vortrag: Die Heinrich-Heine-Gesamtschule in Laurensberg wäre am Donnerstag auch als Messegelände durchgegangen. Das lag daran, dass die vier Gesamtschulen aus Aachen – die Heinrich-Heine-Gesamtschule, die Maria-Montessori-Gesamtschule, die Gesamtschule Aachen-Brand und die 4. Aachener Gesamtschule – den ersten Aachener Gesamtschultag veranstaltet haben.

Ziel sei es, die Vorzüge der Schulform zu zeigen, sagte am Rande der Veranstaltung Walther Kröner, Leiter der Gesamtschule Aachen-Brand. Die Schullandschaft befinde sich im Umbruch, geschlossene Hauptschulen, Schulkonsens, achtjährige Gymnasialzeit (G8), da stelle sich die Frage: „Sollten wir nicht den Blick auf das werfen, was bereits besteht?“ Nämlich die Gesamtschule. Natürlich gebe es Vorurteile, das sagte auch Kröner.

Es war dann zum Beispiel Yannik, der konkret wurde: „Früher“, sagte er bei der Podiumsdiskussion von Absolventen und Schülern der Oberstufe, „hat jeder Zweite gesagt: Ich bin besser, weil ich aufs Gymnasium gehe.“ Heute, im Berufsleben, sehe das anders aus: „Wenn man zusammen arbeitet, ist das überhaupt nicht mehr der Fall. Man lernt genauso gut wie jemand anders.“

Max sagte, das gemeinsame Lernen in den bunt zusammengewürfelten Klassen vermittele Werte, die für eine Gesellschaft notwendig seien. Mira erinnerte sich, dass in ihrer Abitur-Phase die Lehrer selbst in den Freistunden beim Lernen geholfen hätten. Und ein Jugendlicher im Einspiel-Film freute sich, dass das Abitur an der Gesamtschule noch in neun Jahren gemacht wird: „Ich hab‘ keinen Bock auf diesen G8-Stress.“ Da pflichtete Lina bei: „Manche meiner Freunde sind mit 17 fertig, gehen in anderen Städte – und brauchen für jeden Mist die Unterschrift ihrer Eltern.“ Zwar gingen auch ein paar sehr pauschale Sätze in Richtung Gymnasium, insgesamt aber vermittelten die (Ex-)Schüler ihre Argumente pro Gesamtschule glaubhaft.

An Ständen zeigten die Schulen überdies ihre Besonderheiten, was zum Beispiel so aussah: Bilder aus der Projektarbeit an der 4. Aachener Gesamtschule; Pokale und Infos zum Sport-Leistungskurs und zur Sportlerklasse samt Kooperation mit Alemannia Aachen an der Heinrich-Heine-Gesamtschule; Bushaltestellen mit Namen wie „Verantwortung“, „Zukunftsorientierung“ oder „MINT/kosmische Erziehung“ am Stand der Maria-Montessori-Gesamtschule; Kunstprojekte wie eine Kugel aus Hunderten ineinandergreifenden Zeitungsseiten der Gesamtschule Brand. Die Kugel stelle doch eine schöne Analogie zur Schulform dar, befand Mathematik- und Kunstlehrerin Erika Molatta: „Weil die Vernetzung stark macht.“

In seinem Vortrag stellte der Reformpädagoge Otto Herz eine „neue Schule“ vor, die er seinen Enkeln wünsche. Herz nannte drei Hauptfunktionen: „als Wichtigstes: das Zusammenleben und -lernen“, Schüler sollten „Lernen als gute Erfahrung erleben“ und drittens sollten „viele viel intelligentes Wissen“ erwerben.

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