Aachen - Gesamtschule: FDP sorgt für den Aufreger im Stadtrat

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Gesamtschule: FDP sorgt für den Aufreger im Stadtrat

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
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Gleiche Haltung, gleiche Meinung: Michael Rau (Grüne), Harald Baal (CDU) und Heiner Höfken (SPD) mussten sich der Übermacht der Gesamtschulgegner in Düsseldorf und Köln beugen.

Aachen. Die Gesamtschule ist tot, es lebe der Schulverband - CDU, SPD und Grüne priesen unisono die neue Entwicklung in Aachens Schullandschaft als „ganz hervorragend” und prächtigen Erfolg ihrer Bemühungen, dem Ostviertel ein breit gefächertes Bildungsangebot zu erhalten.

Die FDP sah den Fall allerdings gänzlich anders und sprach von „unsäglichen Plänen” und einer „Blamage”, was dann doch noch zu ordentlichem Hauen und Stechen in der Ratssitzung führte.

Schon zuvor, während der Sondersitzung des Schulausschusses, hatte FDP-Vertreterin Gretel Opitz von einem „Scherbenhaufen” gesprochen, den die drei größeren Parteien mit ihrer Schulpolitik angerichtet hätten. Das kam bei den Adressaten dieses Vorwurfs ebenfalls nicht gut an, aber im kleinen Kreis beließ man es noch bei einer sanften Rüge - später im Rat wurde ganz anders zurückgeschossen.

Stand der Dinge nach den jeweiligen Abstimmungen: Eine vierte Gesamtschule im Ostviertel wird es nicht geben, dafür bilden Geschwister-Scholl-Gymnasium, Hugo-Junkers-Realschule und Hauptschule Aretzstraße einen Verband, der allen drei Einrichtungen das Überleben sichern soll. So gesehen und um die Ecke gedacht, haben CDU, SPD und Grüne ihr Ziel erreicht, dem Osten der Stadt eine flexible Schullandschaft samt Abiturmöglichkeit zu erhalten - ohne den Gesamtschulvorstoß, so wurde mehrfach betont, sei das jetzige Ergebnis gar nicht zu erzielen gewesen.

CDU-Ratsherr Wolfgang Boenke im Schulausschuss: „Wir haben jetzt einen maßgerechten Anzug, vorher wäre es einer von der Stange gewesen.” SPD-Fraktionschef Heiner Höfken: „Unter den gegebenen Umständen die beste Lösung” - wiewohl klar sei, dass auch in Zukunft Jahr für Jahr 250 Gesamtschüler abgewiesen werden müssten. Karin Schmitt-Promny von den Grünen: „Der einzige Fehler in dem ganzen Prozess war, dass wir nicht rechtzeitig mit den Schulen gesprochen haben”, ansonsten gelte, dass die starre Haltung der Landesregierung vernünftige Regelungen so schwer mache.

Im Rat dann erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal, die nun vorliegende Lösung sei vor drei Monaten noch nicht denkbar gewesen - „sie wurde ertrotzt, erzwungen, erkämpft”, gemeinsam mit den Schulleitern, den Schülern, den Eltern.

Richtig sei aber auch, dass man das Thema Gesamtschule nicht von der Agenda streichen könne und dass es in zehn Jahren 2800 Schüler weniger an weiterführenden Schulen geben werde, „das Problem ist auch nicht angestoßen worden”. Die Linke beantragte prompt, das Projekt vierte Gesamtschule notfalls per Klage weiterzuverfolgen, fand aber keine Verbündeten.

Dann kam die FDP. Ihr Fraktionsvorsitzender Wilhelm Helg erklärte nach dem allgemeinen Schulterklopfen bei Schwarz-Rot-Grün, „so einfach können wir Sie nicht aus der Nummer entlassen”. In Wirklichkeit handele es sich um eine eher peinliche Veranstaltung, garniert von einer „schallenden Ohrfeige” durch den RP, verbunden mit großem „Vertrauensschaden” in den betroffenen Schulen.

„Erbärmlich”

Die Reaktion war heftig: „Verdammt erbärmlich” (SPD), „ein ziemlicher Klopper unter Kollegen” (CDU), „simple Fundamentalopposition” (Linke). Am Ende stimmten auch die Liberalen dafür, das Musterprojekt „Schulverband Aachen-Ost” ins Leben zu rufen.
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