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Gesamtschule: Eltern erhöhen den Druck

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Wohin nach Ende der Grundschulzeit? Diese Frage bewegt zurzeit wieder viele Schüler und Eltern. Weil die drei Aachener Gesamtschulen die Nachfrage seit Jahren nicht bewältigen können, fordern deren Elternvertreter nun per Unterschriftenaktion die Gründung einer weiteren Gesamtschule. Foto: imago/Thomas Frey

Aachen. Mit einer Unterschriftenaktion machen sich die Elternvertreter der drei bestehenden Aachener Gesamtschulen für die Gründung einer weiteren Gesamtschule stark. Seit Dezember kursieren die Listen bereits an den Schulen, Ende Februar sollen die Unterschriften den Politikern übergeben werden.

Etwa zeitgleich dürften auch die neuen Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen vorliegen, die einmal mehr deutlich machen werden, dass Heinrich-Heine-Gesamtschule, Gesamtschule Brand und Maria-Montessori-Gesamtschule die Nachfrage bei weitem nicht erfüllen können. Alleine im vergangenen Jahr mussten 276 Schüler abgewiesen werden. In den Jahren davor sah es kaum anders aus, und auch diesmal werden wohl wieder mehr als 250 Schüler nicht den gewünschten Gesamtschulplatz erhalten.

Eine Zitterpartie

Für die Eltern sei die Anmeldephase stets eine Zitterpartie, sagt Maike Arz, stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende der Maria- Montessori-Gesamtschule und eine der Organisatorinnen der Unterschriftenaktion. Die Bewerbung grenze an Lotterie, die Zusage sei wie ein Hauptgewinn, die Ablehnung hingegen enttäuschend und frustrierend.

Kooperationen und Verbünde, wie sie inzwischen am Kronenberg, am Dreiländereck, in Aachen-Ost sowie zwischen Anne-Frank-Gymnasium und David-Hansemann-Realschule vorangetrieben werden, seien kein Ersatz für eine Gesamtschule. „Wir sind nicht gegen Verbünde und Kooperationen”, sagt Arz. „Aber das ist nicht das Gleiche. Die Gesamtschule ist viel ausgereifter und lange erprobt.”

Umso mehr kritisieren die Elternvertreter der Gesamtschulen die Haltung der schwarz-gelben Landesregierung, die Neugründungen behindert. Nicht zuletzt daran sind auch jüngst die Pläne für eine vierte Gesamtschule im Aachener Osten gescheitert.

Viele Eltern werden somit weiterhin „gezwungen, eine andere Schulform zu wählen”, meint Arz. „Wir wollen hartnäckig sein und dranbleiben”, sagen die Eltern - wohlwissend, dass die Zukunft der Schulen auch ein Thema im Landtagswahlkampf ist.

Entsprechend positioniert haben sich auch die Aachener Schulpolitiker. Momentan werde man keiner vierten Gesamtschule zustimmen, erklärt Michael Steins, schulpolitischer Sprecher der CDU. Man habe in der Stadt „hervorragende neue Modelle” entwickelt, die die Durchlässigkeit des Schulsystems und die individuelle Förderung verbessern würden. „Wir glauben, das Schulangebot ist ausreichend.” Er liegt damit auf einer Linie mit Gretel Opitz, FDP. „Unsere Haltung gegen weitere Gesamtschulen ist unverändert”, sagt sie. „Wir müssen die Schulen unterstützen, die wir haben.”

Besseres Konzept

Generell für längeres gemeinsames Lernen sprechen sich SPD, Grüne und Linke aus. Er blicke gespannt auf die Landtagswahl, sagt Mathias Dopatka, SPD. Langfristiges Ziel seiner Partei sei der flächendeckende Aufbau von sogenannten Gemeinschaftsschulen, die er als Weiterentwicklung der Gesamtschulen betrachtet. Innerhalb des jetzigen Schulsystems müsse kurzfristig eine vierte Gesamtschule in Aachen gegründet werden. Auch Georg Biesing, Linke, sagt: „Wir wollen das dreigliedrige Schulsystem überwinden.” Die vierte Gesamtschule für Aachen müsse nicht nur wegen der großen Nachfrage, sondern auch wegen des besseren pädagogischen Konzepts kommen.

Ulla Griepentrog, Grüne, verweist hingegen darauf, dass die Neugründung einer Gesamtschule nicht nur an der ablehnenden Haltung der Landesregierung, sondern auch am Geld scheitert. „Wir können nicht einfach eine neue Schule aus dem Boden stampfen.” Zugleich wolle sie weg von der „Schwarz-Weiß-Diskussion Gesamtschule gegen Dreigliedrigkeit”. Schulkooperationen und -verbünde seien aus ihrer Sicht gute Wege, um von „den starren Zuweisungen nach dem vierten Schuljahr” wegzukommen und „mehr Durchlässigkeit” zu schaffen. „Wir sind in Aachen weiter als viele andere Städte.”

Den Gesamtschulbefürwortern reicht das dennoch nicht. Ihre Unterschriftenlisten für eine weitere Gesamtschule liegen an den drei Gesamtschulen aus und kursieren in Elternkreisen. Sie kann auch per E-Mail bei Michael Quante, Elternvertreter der Heinrich-Heine-Gesamtschule, angefordert werden: mquante@wanadoo.nl.
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