Aachen - Gerhard Dünnwald wird 65: Er hat den „schönsten Schulhof der Welt”

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Gerhard Dünnwald wird 65: Er hat den „schönsten Schulhof der Welt”

Von: Wolfgang Schumacher
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Lehrer mit Leib und Seele: Gerhard Dünnwald, Leiter der Domsingschule, wird am Freitag 65 Jahre alt.

Aachen. Sieht man ihn agieren, mag eigentlich niemand glauben, dass Gerhard Dünnwald beinahe mit Lichtgeschwindigkeit auf die Pensionsgrenze zusteuert. Agil stürmt er die steilen Stufen hoch in seinem einzigartigen Schulgebäude am Katschhof, der Aachener Domsingschule.

Altersmäßig allerdings ist es schon so weit. Am heutigen Freitag wird der langjährige Leiter der „Kaderschmiede für den Domchor” 65 Jahre alt. Doch Dünnwald gibt im Gespräch mit den „Nachrichten” sogleich Entwarnung. An seinem Ehrentag geht der Pädagoge und Leiter der musikalischen Ausbildungsstätte keinesfalls von Bord, das Domkapitel als Arbeitgeber mag aufatmen.

„Ich werde schon noch ein Jahr dranhängen”, meint er gut gelaunt und zeigt dabei gleichzeitig aus einem Giebelfenster hoch oben auf Gerüste an der Außenfassade hin zur Ritter-Chorus-Straße, dort wo lose Kabel und ungestrichene Rigipsplatten zu sehen sind.

Denn da liegt der eigentliche Grund für die fortdauernde Unrast des Lehrers, dem seit 1968 die musikalischen Ausbildung des Chornachwuchses ein und alles ist. Denn dort nebenan wird für 1,3 Millionen Euro die Ganztagsgrundschule räumlich erweitert, mittlerweile geht auch die Domsingschule zweizügig an den Start. Dünnwald: „Wir können als gebundene Ganztagsschule nur schlecht mit einer anderen Einrichtung zusammengehen.”

So hat man seit knapp einem Jahr auch mit einem Tabu gebrochen, das mehr als 1200 Jahre bestand. „Seit der Zeit Karls, seit dem Jahr 782, haben wir nur Knaben ausgebildet.”

Doch in Zeiten sinkender Geburtenraten sind jetzt auch die Mädchen in die heiligen Hallen neben Dom und Quadrum vorgedrungen.

Das Quadrum, der Innenhof, das ist der „schönste Schulhof der Welt”, schwärmt Dünnwald jedes Mal von seinem Pausenhof. Hier lässt es sich wahrlich gut spielen in der großen Pause, umrahmt von einem den beeindruckendsten Kreuzgängen des Abendlandes und der weltbekannten Silhouette des Aachener Domes.

Der kleine Gerhard selbst war natürlich auch ein Chorknabe. Seit 1954 erhob sich die Stimme des 1944 in Monschau geborenen Jungen, der mit den Sangesbrüdern im Hohen Dom den Herrn und sein Werk pries. „Leben am Puls des Domes” heißt so auch eine kleine und humorige Erzählung, in der Dünnwald sich im Kapital „Domsingknaben” (in Unser Aachen, Liebeserklärungen an eine Stadt, MM-Verlag, Aachen) erinnert an seine Zeiten als Aktiver.

Sätze wie „berechtigter Stolz erfüllt die Singknaben, wenn sie begreifen, dass sie in ihrer Arbeit auch Botschafter der Kultur, der Kirche und der Stadt Aachen nach draußen in die Welt sind” zeugen von dem Ethos eines Schulleiters, der in der musikalischen Grundausbildung und in der pädagogischen Arbeit gleichermaßen seine Erfüllung findet.

Der Tag beginnt mit Musik

In jeden Gespräch mit Dünnwald scheint eines hervor: die Liebe zur praktischen musikalischen Arbeit mit den Kindern. Bereits morgens, im gemeinsamen Singkreis in der Aula, beginnt der Tag mit den Noten. Dünnwald strahlt, man merkt, dass ihm das Thema Freude macht. „Jetzt sind die Mädchen dabei, wir sind nun etwa 140.” Irgendwann im Jahr 2012 wird die Schule mehr als 200 Schülerinnen und Schüler haben.

Mädchen sind auch deshalb heute willkommen, weil die Natur den Chorknaben inzwischen einen Streich spielt. Immer früher kommt der Stimmbruch, immer kürzer wird die Zeit, da im Domchor die großartigen Kirchenwerke von Händel und Bach etwa eingeübt werden können. „Unser Zeit wird immer kürzer”, beschreibt der Ausbilder das Problem mit den Sängerknaben.

Vom künftigen Platz in den neuen Klassenräumen im „architektonisch sehr gelungenen” Neubau, den Dünnwald als „unser Glashaus” bezeichnet, ist der Schulleiter richtig begeistert: „Hier lässt es sich gut lernen”, meint der 65-Jährige. Und hofft, dass das Domkapitel dann doch irgendwann einen Nachfolger findet. Dann will Dünnwald sich zurückziehen: „Es gibt keinen Abschied auf Raten”, versichert er, wenn Schluss ist, dann sei auch wirklich Schluss.
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