Generationsbrücke Deutschland: Bemerkenswerte Erfolgsgeschichte

Von: Margot Gasper
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Auch so werden Brücken gebaut: Das Luftballon-Spiel gehört regelmäßig zum Programm. Foto: Generationsbrücke
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Sie bauen an der Generationsbrücke: von links die Projektkoordinatoren Hans Schleicher-Junk und Susanne Schmitz, Vorstand Horst Krumbach, Ehrenamtlerin Ursula Schumacher und Projektentwicklerin Franziska Holfert. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die alte Dame lebte schon sehr lange im Heim. Und so richtig Spaß am Leben hatte sie nicht mehr. Neulich aber stand diese hochbetagte Seniorin freudestrahlend am Eingang. „Die Kinder kommen wieder“, sagte sie, „ich freue mich so!“ Solche Momente zeigen den Machern der Generationsbrücke Deutschland, dass sie auf dem richtigen Weg sind.

Die Kinder, das sind Jungen und Mädchen aus Kindergärten und Schulen. Ein ganzes Jahr lang sind sie regelmäßig zu Besuch bei alten Menschen in einem Altenheim. Keine große Sache, sollte man meinen. Das Ergebnis aber ist groß: gemeinsame Erlebnisse, die Freude bringen, Freundschaften, die das Herz wärmen.

24 Partner in fünf Bundesländern

Die Generationsbrücke, 2009 im Aachener Stadtbezirk Brand mit einem Altenheim, einer Kita und einer Grundschule gestartet, hat heute 24 Kooperationspartner in fünf Bundesländern. Allein in der Region gibt es 13 Projekte in Aachen, Herzogenrath, Alsdorf und Simmerath.

Das Projekt ist Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso ein Begriff wie Bundespräsident Joachim Gauck. Sogar bei den Vereinten Nationen in New York hat Gründer Horst Krumbach das Konzept schon vorgestellt. Jüngst erst war NRW-Familienministerin Ute Schäfer zu Besuch am Stammsitz in Brand und informierte sich.

Die Idee für die Generationsbrücke hat Krumbach aus den USA mitgebracht. Er war damals Leiter des Marienheims in Brand. „Mir fiel auf, dass viele Bewohner zwar satt und sauber, aber nicht glücklich waren“, erinnert sich Krumbach. „Ich sah viele traurige, einsame, gelangweilte Gesichter.“ In amerikanischen Pflegeheimen lernte Krumbach ein Konzept kennen, das ihn sehr begeisterte und das er für deutsche Bedürfnisse umstrickte. Im Mai 2009 legte die Generationsbrücke Aachen los. Vier Gruppen aus der Kindertagesstätte St. Monika und eine Gruppe Drittklässler aus der Grundschule Brander Feld waren die Pioniere.

Die Besuche im Altenheim, mindestens alle vier Wochen, sollen für beide Seiten schöne Begegnungen sein, sagt Krumbach. Vor allem die Kinder werden intensiv vorbereitet und begleitet: „Schließlich fangen wir mit Fünfjährigen an.“ Jedes Kind erhält für ein Jahr einen festen Partner. Jedes Treffen hat einen festen Rahmen, von der Begrüßung mit Händedruck bis zum Abschiedslied. „So ein Rahmen schafft Sicherheit“, erklärt Projektkoordinatorin Susanne Schmitz. Und ob Kind und Senior nun malen, basteln oder das Lieblingsbuch anschauen: Auf das Miteinander kommt es an.

Auch der Tod gehört dazu

Den Senioren bringen die Treffen sehr viel „emotionale Lebensqualität“, beobachtet Projektentwicklerin Franziska Holfert. „Manche dementiell veränderte Menschen sehen wir hier im Alltag nie lachen“, sagt Krumbach. „Wenn die Kinder da sind, ist das ganz anders.“ Auch Vorfreude sei plötzlich wieder zu spüren. Er ist überzeugt: „Für die alten und pflegebedürftigen Menschen bringen die Aktivitäten so viel positive Abwechslung und Freude in den Heimalltag wie kaum ein anderes Angebot.“

Die Kinder haben die Chance, ein wenig teilzuhaben am Leben eines älteren Menschen und eine zusätzliche Portion intensiver Zuwendung zu erfahren. Ganz nebenbei lernen sie Toleranz und Einfühlungsvermögen. Für viele Kinder ist der Besuch im Altenheim die erste Begegnung mit pflegebedürftigen Alten.

Manche erleben allerdings auch ganz hautnah, dass der Tod zum Leben gehört. „Ein Drittel unserer Heimbewohner verstirbt im Laufe eines Jahres“, stellt Horst Krumbach nüchtern fest. „Es kommt also vor, dass der Partner eines Kindes stirbt. Auch dieser Herausforderung müssen wir uns stellen: Dass die Beziehung plötzlich mit Abschied und Trauer endet.“

Seit Januar 2012 heißt das Projekt offiziell Generationsbrücke Deutschland, Träger des gemeinnützigen Sozialunternehmens ist die Katholische Stiftung Marienheim Brand. Die Generationsbrücke hat mittlerweile fünf hauptamtliche und zwei ehrenamtliche Mitarbeiter. Horst Krumbach steht als Vorstand auf Brücke. Die Leitung des Marienheims hat er dafür aufgegeben.

Die Liste der Förderer kann sich sehen lassen: Darauf stehen etwa die BMW-Stiftung Herbert Quandt, die Körber-Stiftung, der Generali-Zukunftsfonds oder die Sparkasse Aachen. Es gibt einen Beirat mit zwölf prominenten Namen. Und WDR-Intendant Tom Buhrow und seine Ehefrau, die Journalistin Sabine Stamer, unterstützen das Sozialunternehmen als Schirmherrn.

Interesse sogar in China

Viele Helfer können Horst Krumbach und sein Team allerdings auch gut brauchen. Die Begegnungen zwischen Jung und Alt, die sie anstiften, sind ja erst der Einstieg. Krumbach will, dass das Miteinander, von dem er so überzeugt ist, Einzug hält in die Sozial- und Bildungspolitik: „Wir wollen einen langfristigen gesellschaftlichen Wandel.“ An der John F. Kennedy-Schule in Berlin ist der erste Schritt schon getan. Dort sind die Begegnungen der Generationsbrücke im Lehrplan verankert.

Das Team in Brand blickt unterdessen sogar schon über Europa hinaus. „Im nächsten Jahr wollen wir das Konzept in China vorstellen“, sagt Krumbach.

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