Gemeinsame Pläne für das triste Grenzgebiet

Von: Heiner Hautermans
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Bietet seit vielen Jahren einen trostlosen Anblick: der Grenzübergang zwischen Vaalserquartier und Vaals, von der Vaalser Straße aus aufgenommen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der Grenzübergang Vaalserquartier ist ein Schandfleck allererster Güte, und seit Jahren gibt es Ideen, Vorschläge, Anträge und Überlegungen, wie die brachliegende tote Ecke aufgemöbelt werden kann.

Jetzt ist ein neuer Plan aufgetaucht, der überdies noch den Charme einer in dieser Form noch nicht existierenden grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aufweist: Die Aachener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft und die Woningstichting Vaals entwickeln gemeinsam den tristen Bereich und schaffen dort rund 70 Wohneinheiten in mehreren Gebäuden, dazu zehn bis 20 Geschäfte im Erdgeschoss. Die (auch von Aachenern stark frequentierte) Vaalser Einkaufsstraße Maastrichterlaan soll so über die Grenze bis nach Vaalserquartier verlängert werden.

Entstanden ist der Plan im Büro des renommierten Maastrichter Architekten Jo Coenen, der im Jahre 2008 von der Gemeinde Vaals angeheuert wurde, um einen Masterplan zu entwickeln. Der international tätige Städteplaner und Hochschullehrer hat sich unter anderem einen Namen gemacht durch Projekte wie das Centre Cramique in Maastricht, den Glaspalast in Heerlen oder die Öffentliche Bibliothek in Amsterdam. Bei der Bestandsaufnahme der städtebaulichen Situation in Vaals geriet der seit dem Wegfall der Kontrollen arg heruntergekommene Grenzübergang schnell in den Fokus der Planer.

Natürlich sprachen die Mitarbeiter des Architekturbüros auch mit der Wohnungsstiftung Vaals, und schnell kam der Gedanke auf, zur Aufwertung der Situation auf beiden Seiten die Gewoge ins Boot zu holen. Die Spitzen beider gemeinnützigen Unternehmen trafen sich Mitte letzten Jahres und entdeckten einige Gemeinsamkeiten. Beide haben in ihren Zuständigkeitsbereichen einige Mühe, geeignete Baugrundstücke auszuweisen, beiden würde eine städtebauliche Aufwertung bei der Vermarktung ihres umfangreichen Immobilienbestandes helfen. Direktor Jan Duijsings von der Woningsstichting Vaals: „Das ist gut für Vaals und Aachen, wenn wir dort bauen.” Im Februar finde ein weiteres Treffen in der Angelegenheit statt.

Sein Aachener Kollege Bernd Botzenhardt hofft, dass sich beide Seiten befruchten: „Das wird sicher eine spannende Sache.” So sei die niederländische Art des Bauens in manchen Bereichen, etwa im Brandschutz oder der Müllentsorgung, günstiger. Außerdem sei das Projekt so groß (nach ersten Schätzungen wäre eine Investition von knapp zehn Millionen Euro zu tätigen), dass es besser von zwei Unternehmen angegangen würde.

Auf alle Fälle würden beide Grenzkommunen enger zusammenrücken, meint der Gewoge-Vorstand. Schon durch die beiden Campus-Projekte werde es sehr interessant werden, in diesem Stadtzwickel zu wohnen. Der größte Teil des Geländes gehört einer privaten Erbengemeinschaft, mit der die Gewoge nun Kontakt aufnehmen will, einige Areale sind im Besitz des Bundes, andere der Stadt Aachen.

Allerdings ist noch unklar, ob die Wohnungsstiftung Vaals Grundstücke im Ausland erwerben kann - die Voraussetzung für das gemeinsame Vorgehen. Das muss nun mit dem zuständigen Ministerium in Den Haag geklärt werden. Die zuständige Vaalser Beigeordnete Juliette Verbeek steht den Plänen jedenfalls sehr aufgeschlossen gegenüber, allerdings seien noch viele Dinge zu klären. Sie hofft, dass zunächst der auf Aachener Gebiet vorgesehene Kreisverkehr realisiert wird: „Der ist für Vaals wichtig.” 2012 soll nämlich der lange umstrittene Ausbau der Maastrichterlaan beginnen.

Erklärtes Ziel

Bis 2012 wird die Stadt Aachen da wohl nicht in die Hufe kommen. Man arbeite zwar momentan an einem entsprechenden Bebauungsplan, ein erster Entwurf solle auch im Frühjahr vorgestellt werden, erklärt Axel Costard vom Presseamt. Bis der umgesetzt werden könne, dauere es freilich noch eineinhalb Jahre. Allerdings habe auch die Stadt Aachen das erklärte Ziel, diesen Bereich städtebaulich attraktiver zu gestalten.
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