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Gelungener Wachwechsel bei Thouet-Preis

Von: Wolfgang Schumacher
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Thouetpreisträger 2012 Herber
Thouetpreisträger 2012 Herbert K. Oprei (vorne, 2.v.r.) schmettert mit Moderator Manfred Savelsberg (rechts) im Krönungssaal inbrünstig die Öcher Nationalhymne „Urbs Aquensis, urbs regalis”. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Im Minutentakt revanchierte sich der frisch gekürte Thouet-Preisträger Herbert K. Oprei im Krönungssaal des Rathauses für die hohe Ehre, sich in die eindrucksvolle Liste der bislang 27 Preisträger einreihen zu dürfen, die sich seit 1985 einzeln oder im Gruppenverbund um den Erhalt des Öcher Platts verdient gemacht hatten.

Die „Parallelwelt Öcher Platt”, wie der große Mundartartist Hein Engelhardt den alltäglichen Lebenshorizont der Kaiserstädter genannt hatte, blühte am diesjährigen Dreikönigstag erneut in bunten, herzlichen Sprachkaskaden auf. Rümselcher, Leddchere und gekonnte Liedvorträge, etwa von Capella a Capella, dem Shalom-Chor und die swingenden Melodien des dreiköpfigen „Thouet-Priis-Orchesters” mit Ägid Lennartz an der Spitze machten den volksnahen Traditionsabend vor etwa 500 Gästen wieder zu einem attraktiven Neujahrsfest.

Mit einem Zehn-Punkte-Programm gewann Herbert K. Oprei - die ehemalige „Lehrkraft an der Klompenschule” (wie er die Bildungseinrichtung selbstironisch nannte) in der Beginenstraße - die Herzen der Zuschauer. Er hielt sich nicht lange an den notwendigen, aber eher langweiligen Begrüßungs- und Dankesreden auf. „Der Oliver hat das hervorragend gemacht, das kann ich nicht besser”, bedankte sich Oprei beim Vereinsvorsitzenden Oliver Thouet, der ihm zuvor in der Runde der Kuratoriumsmitglieder die Urkunde überreicht hatte.

Der eingefleischte Pädagoge, der zahllosen Kindern die Welt der Mundart offenbarte und sie dazu brachte, von Kindesbeinen an die Fremdsprache Öcher Platt lebendig auf der Zunge zu führen, hat ein großes Herz für die Kleinen. Daneben ist in seinem Herzen jedoch insbesondere Platz für die Menschen reserviert, die nichtfortdauernd im Schweinwerferlicht stehen.

So begrüßte er ein prominentes Öcher Paar listig mit den Worten: „Ich heiße zuerst Frau Laschet und dann ihren geschätzten Mann herzlich willkommen”. Das mache er so, meinte er mit entschuldigendem Augenzwinkern zum Abgeordneten Armin Laschet, „weil ich die Susanne eben seit Jahren gut kenne”. Diese Haltung kennzeichnet eine besondere, antiautoritäre Tugend der Leute, die sich im wohligen Sing-Sang des Öcher Platts begegnen: Titel sind ihnen wurscht, auf den Menschen än en joue Zitt (eine gute Zeit) mit ihnen kommt es entscheidend an, dat es sitt Keijser Karl at esue, könnte man behaupten und dafür energisch zustimmendes Kopfnicken ernten.

Der diesjährige Mundartpreis wartete mit einem neuen Moderatorenpaar auf. Vorab: Der als „Huusmeäster” bekannte Manfred Savelsberg und sein Sohn Jan, beide Gewächse der Öcher Nölde, führten ausgezeichnet durch das gestraffte Programm, das sie auch inhaltlich verantworteten. So gewannen sie etwa die Volksbühne Eilendorf oder das Duo Harald Brand und Angelika Kutsch von den Öcher Nölde, die sich in einer „Computerliebe” vereinten. Das alles war sicher kein einfaches Unterfangen, weil sie in die großen Fußstapfen der Plattkoryphäen Manfred Birmans und Uwe Brandt steigen mussten, die beiden Meister der inszenierten wie spontanen Mundartdarbietungen traten aus Zeitgründen zurück ins zweite Glied und erhielten großen Applaus für ihre bisherige Tätigkeit.

Erwähnenswert sind auf jeden Fall erneut die rührenden Gedichtvorträge nachwachsender Generationen, wie Jens Raumann und der zehnjährige Simon sie hinlegten, ebenso der Vortrag eines Oprei-Gedichtes von Liesel Ehrensberger. Paul Drießen, bekannt aus dem Schängche, trug elegant ein Claire-Waldoff-Leddche vor und der legendäre Heini Mercks glänzte mit einem selbstironischen Gedicht über seinen 80. Geburtstag.

Die Laudatio von „Nachrichten”-Chefredakteur Bernd Mathieu warf ein liebevolles Licht auf den beinahe vom Platt-Idiom besessenen Herbert K. Oprei. Sein Sendungsbewusstsein in dieser Herzenssache ist Legende, seine Schreibwut ungebrochen, bereits 250 „Rümselcher” stammen aus seiner Feder, Gedichte, die oftmals in den „Nachrichten” veröffentlich wurden. „Herbert, nun drängel dich nicht so in die Öffentlichkeit”, habe die Gattin ihm anlässlich der Vorgespräche mahnend mit auf den Weg gegeben, trug Mathieu schmunzelnd vor. Doch das geht ja nicht anders beim Thouet-Preis, da steht man ganz vorne im Krönungssaal.

Mathieu beschrieb die quasi gleichmacherische Wirkmächtigkeit des immer mehr gefährdeten Platts, beschrieb, wie der Lehrer Oprei Wundersames bei den Kindern vollbrachte, indem er ihnen zu einer sprachlichen Identität mit ihrer Heimatstadt verhalf. Und er vergaß nicht, den sozialen Auftrag, den der Lehrer und durchtrainierte Langläufer Oprei seit Jahren konsequent verfolgt, ins Licht zu rücken.

Reißender Absatz

Oprei sammelt ausdauernd für Kinder in Ruanda. Zu der Zeit, als dort Völkermord begangen wurde, hatten der unvergessene Franz Baumann und Oprei begonnen, schwarz-gelbe Schlüsselanhänger zu basteln, der Erlös war für die Kinder bestimmt. Und siehe da: Am Ende des Abends kramte Oprei Körbe mit etwa 500 Anhängern hervor, die nach der Öcher Nationalhymne „Urbs Aquensis” reißenden Absatz fanden.
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