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Geisterbändiger bleibt weiterhin in der Psychiatrie

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Drei Mal hatten sie am 21. September letztes Jahr gegen Mittag auf den Erdboden geklopft, die vermeintlichen Geister vom Saturn.

Das war für den 53-jährigen Reinhold P. das Zeichen, dass von da ab Frieden herrsche zwischen der kleinen Erde und den Bewohnern des zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems, dem Saturn, Glücksgefühle keimten in ihm auf.

P.´s Zustand war, kurz bevor er mit zwei Messern in der Hand und mit einer Pyjamahose bekleidet vom Pontdriesch in Richtung Markt lief, völlig aus dem Ruder gelaufen. Das stellte am Montag der Vorsitzende des Aachener Schwurgerichts, Richter Gerd Nohl, nüchtern fest.

„Er war seit Tagen geplagt von Angstgefühlen. Er hatte Gurkenwasser aus Gläsern getrunken, weil er fürchtete, vergiftet zu werden. Er verletzte sich, um durch das Verbrennen seines Blutes die vermeintlichen Geister zu vertreiben.”

Weil er zu diesem Zeitpunkt „ein durch und durch kranker und von Psychosen geplagter Mensch” gewesen sei, habe der bereits lange Jahre an einer starken Alkoholabhängigkeit leidende und von Spielsucht befallene P. den spektakulären Lauf durch die Innenstadt „im Zustand der Schuldunfähigkeit” begangen.

Der Ausgang dieses „Geisterspaziergangs” war dramatisch, weil P. weder von Pfefferspray noch durch die eindringlichen Aufforderungen der Polizei, die Waffen niederzulegen, zu stoppen war.

Eine Polizistin beendete die Sache mit einem gezielten Schuss ins Bein. Als er merkte, beschrieb der Richter die Gefahrenlage, dass die Menschen „sich nicht freuten und sogar komisch reagierten”, habe er wahrscheinlich doch wieder an feindliche Handlungen von aus der Ferne der Milchstraße kommenden Geister geglaubt.

„Man kann nur froh sein, dass sich kein heldenhafter Passant berufen fühlte, den Mann mit bloßen Händen überwältigen zu wollen”, bekräftigte Nohl. Die Polizistin habe in dem Moment überhaupt nicht anders handeln können, stellte das Gericht nochmals klar, das hätten übereinstimmend Zeugenaussagen ergeben. „Die Lage war ebenso gefährlich wie bedrohlich”, so der Richter zu der Situation in der Pontstraße: „Jeden hätte er sogleich für einen Krieger vom Saturn halten können.”

Eine erhebliche Tat

Das Gericht bewertete die ganze Sache strafrechtlich „als eine durchaus schwere und erhebliche Tat”, Bedrohung und Widerstand waren angeklagt. Jetzt bei der Zukunftsprognose sei das Gericht nicht überzeugt, ob bei einer offenen Betreuung in absehbarer Zeit nicht wieder Ähnliches wie im vergangenen September auftreten könne.

Er habe trotz seiner seit etwa 2006 mit akuten Anfällen von Verfolgungswahn bestehenden Psychose im Sommer 2010 seine Medikamente abgesetzt, seine Krankheitseinsicht war da nicht nicht mehr vorhanden. „Es ist wichtig für ihn, das nichts mehr passiert, und es ist ebenso wichtig für die Allgemeinheit”, schloss Nohl die Begründung, warum der momentan normal wirkende Beschuldigte nicht auf Bewährung frei komme. Vorerst solle er in einer geschlossenen forensich-psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.
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