Aachen - Gehörnte Mutter zum zweiten Mal vom Sockel geholt

Gehörnte Mutter zum zweiten Mal vom Sockel geholt

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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„Die Mutter”, lebensgroßes Abbild eines Frauenoberkörpers mit ausladenden Hörnern, wurde schon 2006 einmal gestohlen. Jetzt ist die Skulptur zum Schrecken von Thomas Kempen wieder verschwunden. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Das Ding war da, da war ich froh. Das Ding war weg, da war ich traurig. Das Ding war da, da war ich wieder froh. Jetzt ist es wieder weg, jetzt bin ich wieder traurig.” Gewohnt poinitiert bringt Thomas Kempen den - für ihn nachteiligen - Sachverhalt auf den Punkt.

„Das Ding” ist eine Bronzefigur vor dem Hauptsitz seiner Ingenieurgesellschaft an der Ecke Ritterstraße/Ecke Kackertstraße in Laurensberg. Sie ist des Nachts gestohlen worden - schon zum zweiten Mal. Bereits 2006 war die etwa einen Meter hohe Bronzeskulptur von Langfingern entwendet worden - damals wie heute von einem drei Meter hohen Drahtkäfig abmontiert.

Um Ostern 2006 herum hatten die Diebe die Figur geklaut, damals brauchten sie nur einige Schrauben zu lösen, mussten aber immerhin 60 Kilogramm auf den Boden wuchten. Schon damals berichteten die „Nachrichten” über den dreisten Coup. Immerhin stand das Kunstwerk an prominenter Stelle: vor der Ampel an der vielbefahrenen Roermonder Straße und täglich gesehen von hunderten Autofahrern. Einer Mutter und ihrer Tochter war der Diebstahl auch aufgefallen, sie beobachteten später bei einem Waldspaziergang, wie das Werk des Aachener Künstlers Detlef Kellermann von einem Lkw zu einem anderen geladen wurde. Die Familie verständigte die Polizei, die fasste die Täter: Das Ding war wieder da.

Thomas Kempen, geschäftsführender Gesellschafter einer Firma mit 150 Beschäftigten und befreundet mit dem Künstler, beschloss, dass „Die Mutter” so befestigt würde, dass sie nie wieder abtransportiert werden könne: Sie wurde auf dem Drahtgestell festgeschweißt. Und doch ist es in einer der letzten Nächte wieder passiert: „Entweder wurde sie abgeflext oder mit einem Lastwagen und einem Abschleppzeil umgezogen.”

Dabei ist der Materialwert der Figur eher gering: geschätzte 1200 Euro, beim Hehler höchstens die Hälfte. Der Neuwert beträgt etwa 6000 Euro. Der materielle Verlust ist aber nicht das Schlimmste für den Diplom-Ingenieur. Ärger findet er den mangelnden Respekt vor der Kunst. Der schwang auch mit bei der Frage des Polizisten, ob sich um einen Materialdiebstahl (minder schwerer Diebstahl) oder Kunstdiebstahl (besonders schwerer Diebstahl, der härter bestraft wird) handele.

Kempen: „Dann habe ich natürlich Kunstklau gesagt.” Der einzige Trost: Es gibt noch einen Abguss der Figur, so dass sie eventuell rekonstruiert werden kann. Doch lieber wäre ihm die Rückgabe: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.”
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