Aachen - Gegen das Vergessen: „70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen“

Gegen das Vergessen: „70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen“

Von: Georg Dünnwald
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Stadtdirektorin Annekathrin Grehling zeige sich sehr angetan von dem Buch, das Joachim ­Geupel, Herausgeber und Stiftungsvorsitzender, im Rathaus präsentierte. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen hat sich all der Dinge angenommen, die nicht alltäglich sind“, kommentierte Stadtdirektorin Annekathrin Grehling im Weißen Saal des Rathauses die Präsentation des gerade erschienenen Buches „70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen“.

Sie zeigte sich begeistert über das Buch: „Beim Durchblättern ist mir geradezu ins Auge gesprungen, dass schon 1945 auf dem Tivoli das erste Spiel der Alemannia nach dem Krieg angepfiffen wurde. Das Leben kehrte in eine Stadt zurück, die kurz vorher noch dem Tode geweiht war.“

Herausgeber und Stiftungsvorsitzender Joachim ­Geupel erinnerte an den letztendlich vergeblichen Kampf einer Bürgerinitiative für den Erhalt des Bunkers Rütscher Straße im vergangenen Jahr: „Der Bunker war vielen Aachenern offenbar ein Denkmal für Frieden und Freiheit geworden.

Denn in und um den Bunker ist das Samenkorn für Frieden und Freiheit gelegt worden, als Oberst Wilck als deutscher Kommandeur die Kapitulation unterzeichnete.“Allerdings erwähnte Geupel auch, dass „das Ereignis mit sehr viel Angst und Schrecken und dem Wissen um millionenfachen Tod verbunden und mit dem Gefühl, vieles verloren zu haben.“

Er lobte die Historiker Dr. René Rohrkamp und Dr. Peter Quadflieg für ihre Arbeiten. Die beiden beschreiben die Kriegshandlungen in den Wochen vor der Kapitulation und analysieren die im Zeitablauf der zurückliegenden 70 Jahre sich verändernde Interpretation in der öffentlichen Wahrnehmung in Aachen. 15 Zeitzeugen äußern sich im Buch zu ihren Erinnerungen. Jedes Interview dauert drei bis vier Stunden und wurde für das Buch auf zwei bis zweieinhalb Seiten komprimiert. Der Soziologe Martin Borgmann hat sich eine Menge Arbeit damit gemacht.

Neben dem Seniorenprojekt hat die Bürgerstiftung ein Jugendprojekt initiiert. Aachener Schülerinnen und Schüler äußern sich zum Thema „Was bedeutet es für mich, dass ich in Frieden und Freiheit leben kann. Auch zehn Schüler aus der amerikanischen Partnerstadt Arlington brachten ihre Gedanken zu Papier. Schade nur, dass sie vielen älteren Aachenern verborgen bleiben, weil eine Übersetzung aus dem Amerikanischen fehlt. Und seit etwa drei Jahren leben im Kinderheim „Maria im Tann“ zahlreiche jugendliche Flüchtlinge aus krisengeschüttelten Regionen. Diese minderjährigen Flüchtlinge, die sich teilweise mehr als ein Jahr auf der Flucht befanden, bekommen ebenfalls Raum im Buch.

„Nachrichten“-Fotograf An­dreas Herrmann hat das Buch reich bebildert, mit Reproduktionen von Trümmerfotos aus dem Stadtarchiv und einer Gegenüberstellung der jetzigen Sicht.

„70 Jahre Frieden und Freiheit“ mit lebendigen Erinnerungen von Zeitzeugen als Projekt gegen das Vergessen ist ein Buch, das im Buchhandel bisher gefehlt hat.

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