Gefühlte 50.000 Baustellen in der Innenstadt

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
Schon länger sind die Arbeite
Schon länger sind die Arbeiten am Büchel im Gange. Er wird nach der Erneuerung des Versorgungsnetzes ähnlich ausgebaut wie die Kleinkölnstraße - mit breiteren Bürgersteigen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Noch ne Baustelle rund um Dom und Rathaus: Seit Montag stehen Absperrgitter und Baken auch in der Mostardstraße. Die Ursulinerstraße, in der ebenfalls die Arbeiter loslegen sollten, blieb am Montag noch offen. Ursache war ein kleines technisches Problem.

Ein Umleitungsschild fehlte, deshalb wird dieser Abschnitt zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Buchkremerstraße erst heute dichtgemacht. Naturgemäß hält sich bei den Betroffenen, vor allem den Geschäftsleuten, die Begeisterung in engen Grenzen. Etwa bei Wilhelm Thevis, dem Inhaber der Markt-Apotheke: „In diesem Jahr gibt es in Aachen gefühlte 50.000 Baustellen”, sagt er und zählt sie auf: Büchel, Ritter-Chorus-Straße, Hartmannstraße, Ursulinerstraße und nun auch die Mostardstraße: „Man kommt gar nicht mehr ran. Ich weiß nicht, weshalb man die Maßnahmen nicht besser koordinieren kann.” Außerdem hätten die Arbeiten schon im April beginnen sollen, jetzt habe man fast schon Ende Mai: „Das geht garantiert in das Weihnachtsgeschäft.” Außerdem verstehe er nicht, weshalb man so ein halbes Jahr für die doch relativ kurze Mostardstraße brauche.

Die Antwort ist einfach: Alles muss raus! Kanal, Fernwärme, Strom- und sonstige Versorgungsleitungen werden erneuert, oder wie ein Bauleiter es ausdrück: „Das gesamte Paket.” Und das dauert eben. Dennoch gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Arbeiten in der Mostardstraße bis Mitte November abgeschlossen sind, sollten nicht widrige Wetter oder archäologische Bodenfunde einen Strich durch die Rechnung machen. Doch dann werde man die Löcher vorübergehend stopfen und im nächsten Jahr weitermachen, wenn das Wetter wieder besser ist, verspricht Corinna Bürgerhausen von den Stadtwerken: „Wir werden nicht zur Weihnachtszeit die gesamte Innenstadt voller offener Baustellen haben.”

Für den verspäteten Beginn am 21. Mai hat sie ebenfalls eine plausible Erklärung: „Das hängt mit den Wahlkampfveranstaltungen und dem Karlspreis zusammen. Deshalb mussten mehrere Fluchtwege offengehalten werden und durften weder Mostardstraße noch Ursulinerstraße gesperrt werden.” Für die Stawag-Sprecherin ist am Montag alles im grünen Bereich geblieben: „Die Einrichtung der Baustellen ist planmäßig verlaufen.”

Nicht so zufrieden ist die Verkäuferin in einer Boutique in der seit Montag als Parkhaus-Zufahrt dienenden Pontstraße: „Furchtbar, der Lärm, der Dreck, die ganzen Abgase. Wir sind seit sieben Jahren hier, und es war immer ruhig. Jetzt muss man die Türe zuhalten. Die Kunden sind sehr irritiert.” Ihre Kollegin im Alemannia-Shop fürchtet vor allem, dass die die Anlieferung nicht funktionieren wird, wenn die hochfahrenden Lieferanten nicht zurücksetzen können, weil hinter ihnen Pkw zum Parkhaus wollen: „Ich denke, das wird ein Chaos werden.” Außerdem befürchtet sie Einbußen für die Geschäfte, die Tische draußen stehen haben.

Etwa dem Eis-Café Serafin. Dort hat man gar nichts gegen die Gesamtmaßnahme: „Irgendwo müssen die Fahrzeuge ja hin”, sagt Caesar Serafin. Er fände es allerdings gut, wenn Schilder aufgestellt würden, das Schritttempo gefahren werden muss und Baken auf beiden Seiten aufgestellt werden. Die gleiche Klage erklingt auch in der Bäckerei gegenüber: „Die Autos fahren sehr flott.”

Verständnis dafür, dass die unterirdische Infrastruktur in Ordnung gebracht werden muss, hat man auch in der Galerie Ramrath. „Man kann sich nicht beschweren, wenn der Keller unter Wasser steht und dann meckern, wenn alles gemacht wird”, bringt es Tina Ramrath auf den Punkt. Schließlich seien nach Starkregen in den letzten Jahren Kanaldeckel regelrecht in die Luft geflogen, ergänzt ihr Mann Theo Ramrath. Dennoch fürchten auch sie Probleme mit dem Lieferverkehr. Besser wäre es, wenn die Lkw weiter zum Markt fahren können, die Treppe im oberen Bereich vorübergehend eingeebnet würde.

Außerdem hätte das ganze Verfahren geordneter ablaufen können, sagen die beiden Galeristen: „Die Stadt hat viel zu spät informiert.” Und nur durch Zufall habe man von den Informationsabenden erfahren. Axel Costard vom Presseamt hat eine andere Sicht der Dinge: „Wir haben mit den Geschäftsleuten richtige Verhandlungen geführt.” Und daraufhin seien auch die Planungen geändert worden. Ursprünglich sollte die Abfahrt aus dem Parkhaus nämlich über die Großkölnstraße geführt werden, das wurde geändert in Richtung Markt/Jakobstraße. Nur bei Großveranstaltungen geht es ausschließlich über die Großkölnstraße.

Und auch die Idee, das Parkhaus für ein halbes Jahr zu schließen, treffe nicht unbedingt die Interessen der Geschäftsleute: „Die profitieren davon ja.” Man habe nun einmal die Situation, dass viele Kanäle in der Innenstadt mehr als 100 Jahre alt seien und einzustürzen drohen: „Davon gibt es eindrucksvolle Bilder.” Die Sanierung sei folglich überfällig. „Es ist sicher keine optimale Lösung, aber in diesem sensiblen Geflecht von Terminen und Restriktionen gibt es keine optimale Lösung.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert