Aachen - Gedichte, die Natur, Alltag und Technik miteinander vernetzen

Gedichte, die Natur, Alltag und Technik miteinander vernetzen

Von: Grit Schorn
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Aachen. Eine ganz besondere Atmosphäre hat das Quadrum im Schatten des Domes - wie gemacht für lauschige Lesungen vor kleinem Publikum. Gut besucht war der vorletzte Abend der „Leselust”, die mit zwei ganz unterschiedlichen Autoren aufwarten konnte.

Einerseits der Aachener Autor und Psychoanalytiker Rainer Schmidt, andererseits der Wahlniederländer Hartwig Mauritz, der nicht nur Lyriker ist, sondern auch Lehrer für Elektrotechnik am Berufskolleg Alsdorf.

Der aus Ostpreußen stammende Rainer Schmidt las aus seinem neuen Buch „Mutmaßungen über Engel”. Teils fiktiv, teils auch von eigenen Erlebnissen wie der Vertreibung aus Ostpreußen stark beeinflusst, führt der 82-Jährige in seinem Roman drei alte Männer in der Ruhrgebietsstadt Witten zusammen, die sich über die verstorbene Malerin Elisabeth Schmitz und ihre Bilder unterhalten.

„Mutmaßungen über Engel” befasst sich mit nachhaltig mit Eindrücken, Erinnerungen und bildhaftem Geschehen. Abstrakte, aber auch lebensnahe Ideenspiele zwischen Theater, Philosophie und Psychoanalyse offenbaren Schmidts großen Wissens- und Erfahrungsschatz.

Allerdings verliert sich der 82-Jährige zuweilen in seinen opulenten Aufzeichnungen. Was leider dazu führt, dass für den aus Norddeutschland stammenden Lyriker Hartwig Mauritz wenig Raum bleibt.

Mauritz, bereits mehrfach preisgekrönter Lyriker, stellt hier neue Poeme vor, die eine faszinierende Balance zwischen Poesie und Technik aufweisen.

Kunstvoll und doch klar knüpft Mauritz, Jahrgang 1964, unter anderem Verbindungslinien zu Forschern wie Luigi Galvani, der 1789 bei Versuchen mit Froschschenkeln die nach ihm benannte galvanische Elektrizität entdeckte. So heißt Mauritz Gedicht denn auch folgerichtig „Metaphysik der Frösche”.

Bezaubernd leicht und humorvoll setzt er die Erfindung des Fernsprechers 1861 um, die dem deutschen Physiker Johann Philipp Reis zu verdanken ist. Titel wie „Totholz und Späne” oder „Berufsbild” zeigen immer wieder das Talent des Lyrikers, Natur, Alltag und Technik miteinander zu vernetzen ebenso wie auch „die Reibung zwischen Poetik und Technik” (Mauritz) in genuine Bilder und Worte zu übertragen.

Zum Schluss Roland E. Koch und Susan Kreller

Am Montag gehen „Leselust” und „Kinderleselust im Quadrum” in die letzte Runde. Um 17 Uhr liest Susan Kreller aus ihrem Debütroman „Elefanten sieht man nicht” für Jugendliche ab zwölf Jahren. Um 20 Uhr folgt Roland E. Koch, der „Dinge, die ich von ihm weiß” präsentiert. Auf die Lesung, die sich mit dem „Löwen von Münster” befasst, folgt eine Diskussion. Eintritt 5 Euro, erm. 4 Euro. Bei Regen findet die Lesung im Kreuzgang statt.
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