Aachen - Gedenktag der Gehörlosen: Gebärdensprache muss Standard werden

Gedenktag der Gehörlosen: Gebärdensprache muss Standard werden

Von: Birgit Küchen
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Gehörlose wünschen sich mehr
Gehörlose wünschen sich mehr Verständnis: So könnten beispielsweise an Regelschulen Gebärdensprachkurse in Arbeitsgemeinschaften angeboten werden. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Die Hörenden akzeptieren die Gehörlosen zu wenig.” Was wie ein Vorwurf von Brigitte Rothkopf klingt, ist wohl eher der Wunsch nach mehr Integration von Menschen mit Gehörbenachteiligung im Alltag.

Hier helfe es schon, einfache Regeln zu beachten, indem man den Gesprächspartner anschaut, langsam spricht, Gesprächspausen einlegt und andeutet, wenn man ein neues Gespräch beginnt, erläutert die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter in Aachen.

Schließlich nehmen Gehörlose keine akustischen Reize ohne Hörhilfen wahr. Sie sind eine Minderheit mit eigener Sprache und einer daraus resultierenden eigenen Kultur. Der internationale Gedenktag der Gehörlosen sollte dies wieder ins öffentliche Bewusstsein bringen. So fand auf dem Willy-Brandt-Platz ein Aktions- und Informationstag statt, organisiert von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter.

Mit Infoständen des Gehörlosenzentrums Aachen, der David-Hirsch-Schule mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation sowie des Vibellen- Teams der RWTH Aachen galt es, auf Probleme und Besonderheiten der Betroffenen aufmerksam zu machen. Eindrucksvoll waren die Gebärdensprachdolmetscher, mit deren Hilfe Gespräche zwischen Hörenden, Schwerhörigen und Gehörlosen möglich wurden. Dabei wurde dem Besucher deutlich vor Augen geführt, dass es unterschiedliche Stufen von Gehörschwächen gibt.

Manche Menschen sind von Geburt an ohne Gehör, andere Menschen verlieren ihr Gehör etwa bei einem Unfall oder aufgrund einer Krankheit. In der Regel sind sowohl die Betroffenen als auch ihre Angehörigen auf Hilfe angewiesen. Ihnen bietet das Hörgeschädigtenzentrum Aachen eine Anlaufstelle, bei der die Betroffenen Beratung zur Kommunikation erhalten, aber auch Tipps zur Früherziehung, Berufsbegleitung und zu technischen Hilfen bekommen. Zudem helfen die Mitarbeiter beim Erstellen von Anträgen und Verträgen und unterstützen die Betroffenen bei Behördengängen.

Ort der Begegnung

Nicht zu unterschätzen ist die Funktion des Zentrums als Ort der Begegnung, wo man sich zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch trifft, aber auch in Mal- und Sportkursen gemeinsam aktiv werden kann. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Hörenden die Gehörlosen kennenlernen und mehr Freundschaften entstehen. Dafür muss allerdings an der Sprachhürde gearbeitet werden. So könnten beispielsweise an Regelschulen Gebärdensprachkurse in Arbeitsgemeinschaften angeboten werden”, sagt Brigitte Rothkopf. „Umgekehrt können wir uns leider nicht mit der Lautsprache auf das Niveau der Hörenden begeben.”
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