Gedenktafel erinnert an Opfer der Hexenprozesse

Von: Martina Stöhr und Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
Doris Triebels enthüllt gemei
Doris Triebels enthüllt gemeinsam mit Dietmar Kottmann am Hexenberg die Info-Tafel, mit der an die Zeit der Hexenverbrennungen in Aachen erinnert wird. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Am Hexenberg gibt es nun eine Gedenktafel zu den Hexenverbrennungen in Aachen. Denn auch hier wurden als Hexen diffamierte Frauen lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder zuvor zu Tode gefoltert.

„Es ist eine Schande, dass Kollegen in früherer Zeit an der systematischen Anwendung von Unrecht teilgenommen haben”, sagt Dietmar Kottmann, Jurist und Mitglied des Arbeitskreises karolingisches Aachen.

Gemeinsam mit einer Reihe von Gleichgesinnten enthüllte er am Wochenende die reich bebilderte Gedenktafel an der Kreuzung Hexenberg, Melatener Straße und Höhenweg und übergab sie so ihrer Bestimmung. Die Kosten der Gedenktafel hat die ehemalige Lehrerin Hildegard Sassen übernommen. Sie ist Teil des Projekts, das an die historische Via Regia (Königstraße) erinnert.

Vor genau einem Jahr hatte sich das Bürgerforum auf Antrag mehrerer Bürger mit den Hexenverfolgungen in Aachen beschäftigt. Gemeinsam setzen sie sich für die Rehabilitierung der unschuldig hingerichteten Opfer der Hexenprozesse ein. Einer der Antragsteller war der Düsseldorfer Andreas Vogt, der sich gemeinsam mit seinem Freund Hartmut Hegeler bundesweit für die Aufarbeitung dieses grausigen Kapitels der Geschichte bemüht.

Doch anders als in vielen anderen Städten der Bundesrepublik - darunter auch Köln und Düsseldorf und kürzlich auch Trier - gibt es in Aachen bislang weder beim Oberbürgermeister und noch bei den Politikern eine nennenswerte Bereitschaft, die im 17. Jahrhundert ermordeten Frauen zu rehabilitieren. Begründet wird dies vor allem formaljuristisch, wonach die Stadt nicht Rechtsnachfolger derjenigen Instanzen sei, die damals die Todesurteile sprachen.

Es ist eine Haltung, die den pensionierten Pfarrer Hegeler, Wortführer des deutschlandweit aktiven „Arbeitskreises Hexenprozesse” regelrecht empört. Dass sich ausgerechnet eine Stadt, die sich um dem Titel Kulturhauptstadt Europa mitbewirbt, so schwer tut, die Opfer von damals in einem mehr oder wenigen symbolischen Akt zu rehabilitieren, will ihm nicht in den Kopf. „Es kostet nicht mal etwas”, sagt er. Andere Städte würden deutlich offensiver mit dem Thema umgehen.

In Aachen geht es insbesondere um ein 13-jähriges namenloses Waisenmädchen, das 1649 als vermutlich letzte „Hexe” auf dem Richtplatz am Königshügel verbrannt wurde, sowie um sechs weitere Frauen, deren Hinrichtungen überliefert ist.

Die Aachener Region ist allen wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge damit zwar keine Hochburg der Hexenverfolgungen gewesen, dennoch sei die Aufarbeitung dieses Kapitels auch für diese Stadt und auch nach vielen Jahrhunderten wichtig, meint Hegeler. In dem, was damals passierte, könne man Parallelen bis heute erkennen: Falsche Anschuldigungen, Gewalt gegen Andersdenkende und Andersgläubige habe bis heute gesellschaftliche Sprengkraft. Eine moralische Rehabilitierung der Opfer von damals sei daher weiter nötig.

Vorerst scheint es die Stadt jedoch bei der nun enthüllten Gedenktafel belassen zu wollen. Kottmann, der den vor einem Jahr eingereichten Antrag auch juristisch bewertet und bearbeitet hat, meint, dass mit einer förmlichen Rehabilitierung niemandem geholfen wäre. Praktisch zweifle auch niemand mehr daran, dass der Strafvorwurf der angeblichen Hexerei „naturwissenschaftlicher Unsinn” und juristisch gesehen „krasses Unrecht” war.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert