Aachen - Gates-Europachef Brusco will Gegen-Konzept ernsthaft prüfen

Gates-Europachef Brusco will Gegen-Konzept ernsthaft prüfen

Von: Heiner Hautermans
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Im Februar brannten während diverser Mahnwachen wieder Fässer vor einer Fabrik in Rothe Erde. Zuletzt geschah das vor drei Jahren bei LG.Philips, wo die Schließung nicht abzuwenden war. Die Gates-Mitarbeiter hoffen jedoch, dass der Standort Aachen erhalten bleibt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Ich würde es als Teilerfolg bezeichnen. Wir haben uns das Gespräch hart erkämpfen müssen.” So das erste Fazit von Dennis Radtke, Sekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie am Freitag nach einem zweistündigen Zusammensein mit Giorgio Brusco, Chef der Gates Power Transmission Division Europa.

Mehrere Anläufe, unter anderem in London, hatten die Arbeitnehmervertreter unternehmen müssen, um in direkte Gespräche mit einem Verantwortlichen zu kommen. 350 Arbeitsplätze stehen - wie berichtet - bei dem Autozulieferer in Rothe Erde auf der Kippe, weil die Produktion in Aachen eingestellt werden soll.

Betriebsrat und Gewerkschaft hatten zuvor die Basis aufgefordert, Fragen zu formulieren und die hatte von der Möglichkeit kräftig Gebrauch gemacht.

300 Fragen an das Management waren schließlich zusammengekommen, davon waren 30 ausgewählt worden, die Giorgio Brusco auch gestellt wurden. Etwa, ob er nicht ein schlechtes Gewissen habe, die Produktion an einem überaus florierenden Standort zu schließen.

Es müsse das Interesse und Überleben des Gesamtunternehmens im Auge behalten, da müsse man auch unliebsame Entscheidungen treffen, hat Brusco nach Darstellung von Gewerkschafter Radtke „professionell” geantwortet.

Auf die Frage, wie man seinen Kindern erklären solle, dass trotz großen Einsatzes und Erfolgs Arbeitslosigkeit drohe, hatte der Manager aber keine rechte Antwort parat. Da gebe es kein Patentrezept.

Geführt wurde das Gespräch auf Englisch, Teilnehmer waren neben Betriebsrat und Gewerkschaft auch eine 30-köpfige Delegation aus der Belegschaft, als Vertreter der Basis. Der Konferenzraum war von Arbeitnehmern themenspezifisch dekoriert worden, etwa mit Fotos von Frauen und Kindern der Mitarbeiter, aber auch von deren schon fertigen oder im Bau befindlichen Häusern.

Sekretär Radtke: „Das war sehr wirkungsvoll.” Zwischendurch ging es auch um Fachfragen wie Kennzahlen zum Produktionsstandort Aachen. Die Arbeitnehmer sicherten zu, dass sie weiter erstklassige Leistungen erbringen würden und erhielten im Gegenzug die Zusicherung, dass das Gegenkonzept, das Betriebsrat und Gewerkschaft mit Unterstützung eines Wirtschaftsprüfers derzeit erarbeiten, ernsthaft von der Chefetage geprüft wird. Vereinbart wurde ein weiteres Gespräch am 23. April, in dem der Alternativplan diskutiert werden soll.

Als Etappensieg stuft IGBCE-Mann Dennis Radtke das Treffen ein: „Es hat meine Erwartungen erfüllt.” Dennoch bleibt eine gewisse Skepsis bei ihm: „Worte kosten nichts, wir wollen Taten sehen.”

Betriebsratsvorsitzender Klaus Meyer gibt sich ebenfalls vorsichtig optimistisch: „Wir haben ein kleines Ziel erreicht.” Es habe sich gelohnt, dass die Delegation aus der Belegschaft teilgenommen habe und dem Manager gegenübergesessen habe: „Das ist sehr gut angekommen. Ich glaube, dass wir einen Denkanstoß gegenüber den Verantwortlichen geben konnten. Insoweit ziehe ich erst einmal ein positives Fazit.”
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