Gastwirte sehen ihre Existenzen gefährdet

Von: Martina Rippholz
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Bald Vergangenheit? Die Landes
Bald Vergangenheit? Die Landesregierung will auch Raucherlounges wie hier im Restaurant am Elisengarten verbieten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Viele Aachener Gastwirte und Kneipenbesitzer werden derzeit mit Angst und Ärger nach Düsseldorf blicken. Der Grund ist das neue Nichtraucherschutzgesetz.

Bereits vor Weihnachten hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung den Gesetzesentwurf beschlossen. Nun wirbt Rot-Grün auf breiter Front für die rigorose Novelle. Die schreibt künftig in NRW ein uneingeschränktes Rauchverbot vor - für sämtliche Gaststätten, Eckkneipen und Raucherclubs.

Für Dirk Deutz, Vorsitzender der Aachener Kreisgruppe des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, sind die Pläne von Rot-Grün vollkommen unverständlich. „Diese Verschärfung ist absoluter Quatsch. Man fragt sich, warum überhaupt noch von einem Nichtraucherschutz die Rede ist. Das ist ein klares Rauchverbotsgesetz, durch das Existenzen bedroht werden.” Deutz schätzt, dass etwa 150 bis 200 der rund 1000 im Aachener Verband organisierten Betriebe nach der Gesetzesänderung auf Dauer nicht überleben können. „Das würde für viele einen Umsatzeinbruch von bis zu 20 Prozent bedeuten. Das hält kein Wirt auf Dauer aus.”

Der Dehoga-Vorsitzende hält die bisher geltenden Regelungen für vollkommen ausreichend - und fair. Wer dem Zigarettenqualm entgehen wolle, könne das tun. In den vergangenen drei Jahren hätten er und viele seiner Kollegen teils viel Geld in Umbauten für abgetrennte Raucherräume investiert. Nun wieder alles umzuwerfen - das hält Deutz für verantwortungslos.

„Die Leute wollen das nicht”

Einen, den die Novelle hart treffen würde, ist Kai Keßler. Der Inhaber mehrerer Kneipen mit vielen rauchenden Gästen hatte im Sowiso und Ocean in der Pontstraße 2009 für rund 5000 Euro umgebaut, damit mehr als 51 Prozent der Fläche für Nichtraucher zur Verfügung stehen. Nach Keßlers Erfahrung sind diese Bereiche jedoch weitaus schlechter frequentiert. 75 Prozent seines Umsatzes mache er auf der verbleibenden Raucher-Fläche. „Die Leute wollen die rauchfreien Bereiche offensichtlich nicht. Die Diskussion geht am mündigen Bürger total vorbei.” Die Befürchtungen des Wirts sind groß. Zunächst würde sich der Zigarettengenuss weiter auf die Straße verlagern. Zoff über dem Lärm sei programmiert. Auf die Dauer könne es auch existenziell schwierig werden.

Diese Sorge teilt Hermann Clemens, Serviceleiter des Restaurants am Elisengarten, zwar nicht. Das Lokal wird vor allem auch tagsüber von vielen Familien und älteren Menschen besucht. Die Raucherlounge würde dort bei einem künftigen Verbot einfach zum rauchfreien Raum umgewandelt. Dennoch hat er kaum Verständnis für den Gesetzesentwurf: „Mir tun vor allem die Wirte mit Eckkneipen leid. Da werden viele dicht machen müssen.”

Weniger bedroht, aber dennoch betroffen sind auch die Karnevalsvereine in Aachen. Für ihre Veranstaltungen würde das Verbot genauso gelten. AKV-Präsident Werner Pfeil: „Das geht auf jeden Fall auf Kosten der Stimmung. Die Hälfte der Leute steht bei den Sitzungen dann draußen. Das verdirbt die Feier.” Für kleinere Vereine sieht er die sogar Gefahr, das Gäste wegbleiben.

Daran glaubt Sarah Siemons, Generälin der Tropi Garde, die ihre Veranstaltungen im platztechnisch übersichtlichen Josefshaus abhält, jedoch nicht. Ihr Verein hat bereits im vergangenen Jahr strengere Regeln in Sachen Qualmerei eingeführt. Während der Vorstellungen, die in der Regel gut fünf Stunden dauern, durfte im Saal nicht mehr geraucht werden, davor und danach schon. „Das wurde gut akzeptiert. Unsere Befürchtung, dass viele den Raum zum Rauchen verlassen, hat sich nicht bewahrheitet.” Siemons persönlich würde sich über rauchfreie Karnevalsveranstaltungen freuen.

So unterschiedlich die Meinungen zum Rauchverbot sind, so unterschiedlich sind auch die Konsequenzen. Darüber werden auch die Politiker im Landtag bald diskutieren. Um das Gesetz durchzubringen, braucht die rot-grüne Minderheitsregierung die Unterstützung der Linkspartei.
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