Gastronomen sehen ein kleines Licht und einen großen Schatten

Von: wyb
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Aachen. Das Jahr hat gerade erst begonnen, aber Olaf Offers ist bereits bedient: „Der Januar und der Februar waren eine Katastrophe”, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Nordrhein (Dehoga) über die Belegungszahlen der Aachener Hotels bei der Vorstellung des Jahresberichts.

Bis zu 15 Prozent Einbußen habe man im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Verantwortlich dafür sei ein mäßiges Tagungs- und Veranstaltungsangebot gewesen.

Der Kaiserstadt fehle es an genügend Ereignissen, die über die kommunale Ebene hinaus Publikum anziehen. So liege der Anteil ausländischer Gäste in Aachener Hotels bei 28,5 Prozent, die Quote in Düsseldorf hingegen bei 35,2 und in Köln bei 40,8 Prozent, erklärt Dehoga-Geschäftsführer Rainer Spenke.

Insgesamt 859.055 Gästeübernachtungen gab es 2008 in Aachen, davon jedoch rund 150.000 in drei Reha-Kliniken. Die Bettenbelegung habe sich dadurch auf 46,7 Prozent in der Vollhotellerie und auf 43,2 Prozent in den Garnibetrieben relativiert.

Der geplante Neubau von 920 weiteren Hotelzimmern in Aachen wird deshalb durchaus kritisch betrachtet. Um die derzeitige Belegungsquote zu halten, seien rund 200000 zusätzliche Übernachtungen nötig, rechnet Spenke vor.

Thema Mehrwertsteuer

Verluste hat auch das Gaststättengewerbe hinnehmen müssen: An rund 2,5 Prozent weniger Einnahmen als im Vorjahr sei unter anderem das Rauchverbot schuld, sagt Aachens Dehoga-Vorsitzender Dirk Deutz. Eine interne Konjunkturumfrage habe ergeben, dass 60 Prozent der Gastronomen kaum mehr schwarze Zahlen, wohl aber schwarz für ihr Gewerbe im laufenden Jahr sehen. Die Hälfte aller Befragten spreche sich deshalb für eine Senkung der Mehrwertsteuer von derzeit 19 auf sieben Prozent aus.

„Das schafft Arbeitsplätze und erhält die Existenz”, sagt Deutz. Zum Vergleich: In den Niederlanden liegt die Abgabe für Hotellerie und Gastronomie bei sechs, in Luxemburg gar bei drei Prozent.

Bei aller Besorgnis dringt aber auch Positives aus den Reihen der Gastronomen: „Das Interesse junger Menschen an einem Ausbildungsberuf in der Branche ist da, der Qualitätsstandard sehr hoch”, bilanziert Uwe Quiter, stellvertretender Dehoga-Vorsitzender in der Aus- und Weiterbildung.

Gemäß der Dehoga stellt das Gastgewerbe rund 2,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, bildet aber mehr als fünf Prozent aller neuen Lehrlinge aus: 314 neue „Azubis” im vergangenen Jahr bedeuten 5,3 Prozent der in der Kaiserstadt begonnenen Ausbildungen. „Köche und Hotelfachleute stellen dabei die größte Gruppe”, sagt Quiter.

Während insgesamt fast gleich viele Männer wie Frauen ihre Lehre in der Gastronomie begonnen haben, sind es neben 103 Köchen nur 25 Köchinnen und bei lediglich 19 Hotelfachmännern 64 -fachfrauen. „Über die große Resonanz der Auszubildenden können wir uns glücklich schätzen”, sagt Quiter. Eine Prognose für die Entwicklung im laufenden Jahr mit Blick auf die Wirtschaftskrise will er jedoch nicht wagen.
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