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„Gassiwiesen“? Nun soll ein Konzept her

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:
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Eines der wenigen Angebote: An der Augustastraße gibt es eine Gassi-­Wiese. Foto: M. Ratajczak

Aachen. In der Bezirksvertretung Aachen-Mitte wurde es tierisch. Mops-Fan Loriot oder Wort­­zerklauberer Karl Valentin hätten ihre Freude gehabt. Die „Flächen für freilaufende Hunde“ standen an. Für die Verwaltung wurden sie zum Fiasko.

„Das Thema Hunde ist in der Stadt Aachen immer wieder ein Thema. Das ist nicht weiter verwunderlich bei 8060 zurzeit gemeldeten Vierbeinern im ganzen Stadtgebiet. Die dazugehörenden Steuereinnahmen liegen alleine für das laufende Jahr bei einer Höhe von 913.308 Euro.“

Der Fachbereich Umwelt als „Federführende Dienststelle“ stellte die Zahlen dem Sachstandsbericht für die Politiker voran. „Wo aber finden all diese Hunde ihren freien Auslauf?“ folgte die Frage und: „Eine nicht einfach zu beantwortende Frage, die systematisch angegangen werden muss.“

Antrag fast fünf Jahre alt

Mit dem systematischen Angehen ließ sich die Verwaltung sehr viel Zeit. Vor fast fünf Jahren, genau am 2. Februar 2010, hatte die SPD-Fraktion beantragt, „den Bedarf an Hundeauslaufflächen zu ermitteln und geeignete Flächenvorschläge zu machen“. Im Juli 2013 – unklar, warum erst dreieinhalb Jahre später – beauftragte die Bezirksvertretung-Mitte die Verwaltung zu handeln.

„Der Vorteil von eingerichteten Hundeauslaufflächen liegt in der Möglichkeit, Hunden in diesen Bereichen den Auslauf zu ermöglichen, ohne dass deren HalterInnen gegen rechtliche Regelungen verstoßen“, findet wohl auch die „Federführende Dienststelle“ die Idee gut, doch: „Wie sieht aber eine bedarfsgerechte Hundewiese aus?“

Bewegungsdrang im Rudel

Auch diese Frage ruft nach einem systematischen Vorgehen. Der Bericht versetzt sich in die Hunde-Psyche: „Geeignete Flächen für den Freilauf von Hunden sollten groß genug sein, dass auch mehrere Hunde gleichzeitig herumtoben und die im sozialen Spiel wichtigen Lauf- und Verfolgungsspiele ausführen können. Denn es ist bekannt, dass Hunde ihrem Bewegungsdrang nirgends so gut nachkommen können wie im Rudel mit Artgenossen.“

Die Verwaltung fand heraus, was der Rudelbildung und dem sozialen Spiel abträglich ist: „Sind die Flächen zu klein, kann es infolge einer zu großen Hundedichte zu Raufereien unter den Tieren kommen.“ Dann kloppen sich die Möppe. Auch von empfindsameren Gemütern unter den Bellos, Kyras, Chicos & Co. weiß die Verwaltung: „Gleichzeitig sollte immer die Möglichkeit gegeben sein, dass sich Hunde bei Bedarf zurückziehen und von der Gruppe absondern können.“ Das Gelände müsse deshalb „abwechslungsreich“ sein, der „Strukturierung und dem Bewuchs“ komme eine „wichtige Bedeutung“ zu: „Eine kahle Wiese ohne Baum- und Strauchbestand bietet weder Schutz vor Sonne, noch ausreichend Sichtschutz, Rückzugs- und Erkundungsmöglichkeiten.“

Die im Stadtgebiet noch übrig gebliebenen, wenigen „Gassiwiesen“ mit einer durchschnittlichen Größe von 150 bis 200 Quadratmetern, zum Teil in schlechtem Zustand, so der Bericht, seien „keine Alternative zum wirklich artgerechten Hundeauslauf“.

Hunde-Stabsstelle geplant

Was tun? Die Verwaltung hat noch nicht, will aber eine Task-Force, eine Arbeitsgruppe bilden aus den Bereichen Umwelt, Planung, Liegenschaft, Ordnungsamt und Stadtbetrieb. Standortvorschläge müssten erarbeitet werden. Die Hunde-Stabsstelle soll den „konkreten Bedarf“ ermitteln, um ein Netz ausreichend großer Auslaufflächen nahe den Wohnquartieren über das Stadtgebiet legen zu können. „Der Hin- und Rückweg zur Auslauffläche sollte idealerweise nicht mehr als 15 Minuten (gleich 250 Meter) betragen“ – woraus zu mutmaßen ist, dass für das systematische Angehen die kurzbeinigen Trippelschrittchen eines asthmatischen Alt-Dackels zugrunde gelegt wurden.

So erheiternd das manchmal klang und so diensteifrig Sachbearbeiterin Elfi Buchkremer alles erläuterte, am Ende saßen die Politiker verärgert, ungehalten, fassungslos. Warum die Verwaltung so lange am Auftrag der Bezirksvertretung werkele? Und immer noch ohne Ergebnis: kein Konzept, keine Standorte, nichts. Diesen Sachstand hätte sie vor fünf Jahren schon berichten können. Die Antwort der Elfi Buchkremer verblüffte: „Wir haben kapazitätsmäßig andere Prioritäten gesetzt. Die Hundeflächen standen nicht an erster Stelle. Heute ist der Startschuss.“ Ungläubig blickte Joachim Moselage (FDP): „Das ist die Kapitulation der Verwaltung vor einer gestellten Aufgabe.“ Patrick Deloie (SPD) bewertete den Bericht als „Armutszeugnis“. Ralf Otten (CDU) rang nach Fassung: „Das kann nicht sein. Wir erteilen einen Auftrag und erwarten, dass er umgesetzt wird.“

Dass die Verwaltung nach Gutdünken waltet, wird nicht hingenommen. Die Bezirksvertretung beschloss, die Verwaltung habe zum 15. Juni 2015 das komplette Konzept „Freilaufflächen für Hunde“ zu liefern.

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