Gaspipeline „Zeelink“: Widerstand formiert sich

Von: Thomas Vogel
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Blick auf den Brander Wald, durch den die neue Pipeline geführt werden soll. Um das zu verhindern, will sich am 23. März eine Bürgerinitiative formieren. Foto: Peter Langohr

Aachen. Die Gasferntrasse „Zeelink 1“ kann und sollte im Aachener Süden verlaufen. So lautet das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens, das die Bezirksregierung Köln gerade abgeschlossen hat. Bedeutet auch: Die Pipeline würde mitten durch Naturschutzgebiete führen.

Die von der Stadt vorgeschlagene Alternativroute entlang der Autobahn 44 komme demgegenüber nicht in Frage. Das letzte Wort ist in der Sache allerdings noch nicht gesprochen. Und darauf baut nicht nur die Stadt, die sich weiter mit Kräften gegen die „Vorzugstrasse“ wehren will. In Brand formiert sich ebenfalls Widerstand. Es gibt sogar schon einen Termin für die Gründungsveranstaltung einer Bürgerinitiative.

„Das geht gar nicht“, sagt Brands Bezirksbürgermeister Peter Tillmanns zum Ergebnis des Raumordnungsverfahrens. Eine Gasferntrasse durch den Aachener Süden, zwischen Brand und Kornelimünster hindurch und damit durch die Naturschutzgebiete Brander Wald und Indetal oder das Wasserschutzgebiet Eicher Stollen etwa – viele Brander wollen das nicht einfach hinnehmen. Deshalb wollen Mitglieder des Brander Bürgervereins am 23. März eine Bürgerinitiative gründen, die den politischen Gegenwind, der aus Richtung Stadt und Bezirksvertretung weht, von bürgerschaftlicher Seite noch verstärken soll.

Die Entscheidung, die südliche Route für den Verlauf der Pipeline zu empfehlen, hat auch in der Stadtverwaltung für überraschte Gesichter gesorgt. „Für uns spielt der Schutz der Natur dort eine wichtige Rolle“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Die Bezirksregierung bewerte das offenbar ganz anders.

Diejenigen, die die Trasse planen und bauen – die Zeelink-Projektgesellschaft ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Konzerns „Open Grid Europe GmbH“ (OGE; ehemals Gassparte des Energieriesen E.ON) und Thyssengas GmbH – sind mit der Nachricht aus Köln zufrieden. „Aus unserer Sicht ist diese Trasse optimal“, sagt Helmut Roloff, Leiter der Zeelink Kommunikation. Dass noch nichts in Stein gemeißelt ist, das wisse man aber auch in der Firmenzentrale in Essen. Deshalb wolle man weiterhin Gespräche mit allen Beteiligten führen, es sei wichtig, „in allen Projektphasen in einem engen Austausch mit der Öffentlichkeit zu stehen“.

Dazu gehören nicht nur die insgesamt rund 1600 Grundstückseigentümer und -pächter entlang der geplanten circa 215 Kilometer langen Pipeline, mit denen man zum Teil bereits in Gesprächen sei, sondern auch die beteiligten Kommunen, Bezirksregierungen und Bürger. Außerdem veranstaltet OGE derzeit Informationsveranstaltungen in Städten und Gemeinden entlang der geplanten Trasse – auch in Aachen (siehe Box).

Warum der Vorschlag aus Aachen für eine Alternativtrassenführung entlang der A44 im Raumordnungsverfahren keine Chance hatte, erklärt Dirk Schneemann von der Pressestelle der Bezirksregierung Köln: „Dieser Vorschlag konnte in der raumordnerischen Abwägung keine Berücksichtigung finden, weil einer Trassenführung in dieser Lage tatsächliche Hinderungsgründe entgegenstehen. Der dort vorhandene Raum reicht wegen der Engstellen, die bereits von mehreren Leitungen in Anspruch genommen und nicht umgangen werden können, nur noch für eine zusätzliche Leitung aus.“ Und das letzte bisschen Platz werde von Amprion und dem belgischen Übertragungsnetzbetreiber Elia für den Bau einer neuen Stromverbindung zwischen Deutschland und Belgien in Anspruch genommen.

Aber: „Das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens unterliegt im Planfeststellungsverfahren der Abwägung und kann damit (bei entsprechender Begründung) gegenüber anderen abwägungsrelevanten Fachbelangen auch unterliegen.“ Hoffnungslos ist die Lage aus Sicht der Stadt demnach noch nicht.

Dass die Trassenführung entlang der A44 aufwendiger und teurer wäre als die „Vorzugstrasse“, weiß man auch bei der Stadt. Allerdings habe es bereits Gespräche mit OGE gegeben, in der sich das Unternehmen durchaus offen gezeigt habe, was die Belange der Stadt angehe, sagt Beckers. In der Sitzung des Planungsausschusses am Donnerstagabend habe sich die Lokalpolitik zudem „sehr deutlich“ dafür ausgesprochen, an einer Trassenführung entlang der A44 festzuhalten.

Die Verwaltung solle das Unternehmen bei einer Umsetzung an der Autobahn nach Kräften unterstützen. Nicht finanziell, sagt Beckers, aber zum Beispiel in planungs- und baurechtlichen Fragen. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen solle sie nach kreativen Lösungen suchen. Und eine Umsetzung des Projekts entlang der A44 habe auch für OGE beträchtliche Vorteile, meint Beckers. Werde die Pipeline in Aachens Süden realisiert, „dann ist sehr gut möglich, dass der politische und bürgerschaftliche Widerstand heftig wird“. Eine Alternativtrasse könne nach Ansicht der Stadt relativ geräuschlos, zumindest aber mit sehr viel geringerem Widerstand über die Bühne gebracht werden. Zu der Infoveranstaltung von OGE in Brand am 20. März „werden sicher viele von uns kommen“, sagt Bezirksbürgermeister Tillmanns.

Fakten wird es erst mit dem Ende des angesprochenen Planfeststellungsverfahrens geben. Es ist der nächste große Schritt für das Projekt. OGE will die entsprechenden Unterlagen nach den Sommerferien, Anfang Herbst bei den beteiligten Bezirksregierungen Köln, Düsseldorf und Münster einreichen. Mit dem Planfeststellungsbeschluss, der laut Roloff bis Ende 2018 vorliegen könnte, sei die Trasse dann „parzellenscharf festgelegt“. Innerhalb des 600 Meter breiten Korridors durch den Aachener Süden würde damit eine etwa 30 Meter breite Schneise geschlagen und das Rohr mit einem Durchmesser von 1,22 Meter verlegt werden. Man habe da auch schon Ideen für einen konkreten Verlauf, sagt Roloff. Mit dem Bau könne nach diesem Zeitplan 2019/2020 begonnen werden, im März 2021 werde die Pipeline in Betrieb genommen.

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