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Gaspipeline „Zeelink“: OGE überrascht Brander mit neuen Plänen

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
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Brechend voll ist das Pfarrzentrum in Brand: So voll, dass sogar im Außenbereich Menschen stehen, die nicht mehr hineinkommen. Foto: R. Roeger
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Drinnen erfolgte die Information an Ständen. Foto: R. Roeger

Aachen. Dass es einen Vorgeschmack darauf geben würde, was auf die Verantwortlichen für die Gaspipeline Zeelink zukommt, wenn sie ihr Projekt im Aachener Süden verwirklichen, war zu erwarten.

Nicht sicher war, wie bitter die Pille sein würde, die die Brander dem Unternehmen Open Grid Europe (OGE) bei der Informationsveranstaltung am Montagabend zumindest in Aussicht stellen. Nach diesem Abend aber sollte klar sein: Wer mit einer Gasferntrasse unter anderem durch die Naturschutzgebiete Brander Wald und Indetal möchte, der muss an den Brander Bürgern vorbei. An vielen von ihnen.

Die überschaubar große Ausdehnung des Pfarrzentrums in der Hochstraße traf auf etwa 600 Menschen, die dabei sein wollten, wenn OGE die Pläne und das Vorgehen für die kommenden Wochen und Monate vorstellt – unter ihnen zahlreiche Mitglieder einer Initiative „Keine Pipeline durchs Indetal“ des Brander Bürgervereins.

Die Folge: wenig Beinfreiheit und eine zuweilen recht intime Nähe zu den Nachbarn. Allerdings auch ein klarer Hinweis darauf, dass es gewisse „Hindernisse“ – selbstverständlich in rechtlichen Grenzen – geben würde, wenn die Trasse im Aachener Süden weiterverfolgt werde. So drückte es Marianne Krott, Sprecherin der Initiative des Bürgervereins, aus, als sie das Mikro nach ein paar einführenden Worten von Zeelink-Projektleiter Franz-Josef Kißing übernahm. Dafür erntete sie einen Applaus, der sich ganz nach einem dicken Ausrufezeichen aus dem Auditorium anhörte.

Kißing seinerseits verkündete für all jene, die das Tauziehen um die Trassenführung in der Vergangenheit verfolgt hatten, Überraschendes: OGE liebäugele nicht mehr mit der von der Bezirksregierung im Raumordnungsverfahren favorisierten Trasse zwischen Brand und Kornelimünster, sondern verfolge nun primär die von der Stadt Aachen vorgeschlagene Alternativroute entlang der Autobahn 44. Zu einer Veranstaltung für die Grundstückseigentümer, mit denen man sich am selben Tag vorher über deren spezielle Belange unterhalten habe, seien nur jene entlang der Alternativroute eingeladen worden.

Dass die von der Stadt favorisierte Lösung aufwendiger wäre und damit eine Stange Geld mehr kostet, scheint dabei allen bewusst zu sein. Dennoch könnte es nach eigenem Bekunden aus Sicht von Pipeline-Bauer Open Grid Europe die richtige Wahl sein. Selbstverständlich gebe es an dieser Strecke noch viele Probleme zu lösen – man denke etwa an die „Umfahrung“ des Brander Walls oder die Problemstelle Camp Hitfeld. Ob die Strecke baubar sei, dass könne er jetzt noch nicht sagen, erklärte Kißing. Dazu fehlten noch zu viele Informationen. Spätestens Mitte des Jahres, mit Einreichen der Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren, wird die Entscheidung für eine Trasse dann aber gefallen sein.

Die Offenheit auf Seiten des Unternehmens nahm das Publikum zur Kenntnis, gefühlt allerdings oft mit einer gehörigen Portion Skepsis. Das jedenfalls ließen Fragen erahnen, mit denen die von OGE in den Aachener Süden entsandten Mitarbeiter, rund 30 an der Zahl, an einzelnen Ständen gelöchert wurden. Man könnte es eine moderne Art nennen, eine solche Bürgerinformation dezentral zu organisieren – ohne Podium, an das Fragen aus dem Zuschauerraum gerichtet werden. Sicher könnte man auch auf die Idee kommen, es gehe darum zu vermeiden, dass sich eine öffentliche Diskussion entwickelt.

In Aachen war die zuletzt von der Bezirksregierung Köln gefällte Entscheidung, sich im Raumordnungsverfahren für die sogenannte Vorzugstrasse durch den Aachener Süden zwischen Brand und Kornelimünster hindurch auszusprechen, auf Unverständnis und Entsetzen gestoßen.

Die Stadtverwaltung wurde von der Lokalpolitik daraufhin beauftragt, alles dafür zu tun, dass die Pipeline an der Ausweichroute entlang der A 44 realisiert wird. Dazu soll sie OGE mit Blick auf die Alternative nach Kräften unterstützen. Alle Mittel auszuschöpfen sind auch die Mitglieder der Initiative des Brander Bürgervereins gewillt. „Dazu gehören im Zweifel auch juristische Mittel, wenn nötig und möglich“, erklärte Andreas Lux, Leiter des Arbeitskreises Natur und Umwelt des Bürgervereins.

Mit dem massiven Auftreten, den vielen Frauen und Männern im Saal an diesem Abend, wolle man OGE zeigen, dass man bei der Kosten-Nutzen-Rechnung für ein solches Projekt durchaus eine Rolle spielen könne. Und Krott fügte hinzu: „Wir sind nicht generell gegen eine Pipeline. Wir wissen, dass sie für die Versorgungssicherheit gebraucht wird. Aber sie soll an der Autobahn entlang verlegt werden. Warum durch Landschafts-, Wasser- und Naturschutzgebiete, wenn es Alternativen gibt?“ Eine Ansicht, die sie nicht exklusiv hat: zwischen 300 und 400 Brander trugen sich noch am Abend in eine Unterschriftenliste der Initiative vor dem Pfarrzentrum ein, um über die Entwicklung auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Zum Beispiel darüber, ob sich aus der Initiative nun eine eigene Bürgerinitiative gründet. Aber egal ob als Bürgerinitiative oder nicht: Mitte bis Ende Mai wollen die engagierten Brander des Bürgervereins eine öffentliche Veranstaltung auf die Beine stellen, zu der Vertreter von OGE, der Stadt und der Bezirksregierung eingeladen werden sollen. Und dort soll dann auch öffentlich diskutiert werden.

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