Aachen - Ganz oben auf der Wunschliste: Kleinere Klassen

CHIO-Header

Ganz oben auf der Wunschliste: Kleinere Klassen

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
Viele Fragen zur Inklusion: vo
Viele Fragen zur Inklusion: von links Ruth Kebbekus (GGS Gut Kullen) mit Birgitta Froleyks und Wilhelm Dewes (GGS Vaalserquartier).

Aachen. Bis Weihnachten sind es noch fast vier Monate. Die Schulleitungen der Grundschulen Vaalserquartier und Gut Kullen hätten aber keine Probleme, schon jetzt einen kleinen Wunschzettel zu formulieren, einen Wunschzettel in Sachen Inklusion und Integration.

Ganz oben auf dieser Liste würden kleinere Klassen stehen, dazu Unterricht in Lehrerteams („Teamteaching”), anders gestaltete Klassenzimmer mit mehr Möglichkeiten für Gruppenarbeit, mehr Fortbildung. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Seit März 2009 ist die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Deutschland geltendes Recht. Menschen mit Behinderung sind auf allen Ebenen der Gesellschaft einzubeziehen - auch im Bereich der Bildung. So hat zum Beispiel jedes Kind mit Behinderung das Recht auf den Besuch einer Regelschule. Für Schulen, Schulträger und Schulämter wird das große Veränderungen bringen. Allerdings hat das Land NRW bisher noch keine Rahmenplanung zur Inklusion in der Schule vorgelegt.

Um zu erfahren, wie Grundschulen jetzt schon mit dem Thema Inklusion umgehen, welche Erwartungen - und Ängste - es gibt und wie viel Integration von behinderten Kindern schon längst stattfindet, fragten die „Nachrichten” im Aachener Westen nach. Die Gemeinschaftsgrundschule Vaalserquartier (Keltenstraße) und die Gemeinschaftsgrundschule Gut Kullen (Philipp-Neri-Weg) liegen dort nur etwa einen Kilometer auseinander. Die differenzierte Förderung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen ist für beide Schulen keineswegs Neuland.

GU-Schule seit 2007

In Sachen Integration hat man am Philipp-Neri-Weg schon einen weiten Weg zurückgelegt. Seit 2007 ist die GGS Gut Kullen GU-Schule: Kinder mit einem ausgewiesenen sonderpädagogischen Förderbedarf werden im Gemeinsamen Unterricht (GU) zusammen mit den Regelkindern unterrichtet. In den GU-Klassen lernen Kinder mit einem körperlichen Handicap, mit einer Sprach- oder Lernbehinderung oder mit Förderbedarf im sozial-emotionalen Bereich.

Im kommenden Schuljahr werden 21 der 200 Grundschüler an der Schule GU-Kinder sein, berichtet die stellvertretende Schulleiterin Ruth Kebbekus. Die meisten von ihnen lernen nach den Lehrplänen der Grundschule, einige werden auch zieldifferent nach den Lehrplänen der Förderschule unterrichtet. Zwei Sonderpädagogen gehören zum Kollegium. Und die Zusammenarbeit im Team sei sehr fruchtbar, sagt Ruth Kebbekus.

Die Grundschule in Vaalserquartier ist keine GU-Schule. „Aber natürlich haben auch wir keine homogenen Klassen”, sagt Schulleiter Wilhelm Dewes. Wie in jeder Grundschule sind manche Kinder schon sehr weit in ihrer Entwicklung. Sie wollen gefordert werden. Andere dagegen sind noch sehr verspielt. Manche tun sich mit dem Lesen oder dem Rechnen schwer, manche fügen sich nicht so leicht in die Klassengemeinschaft ein. „Wir haben die Pflicht zur individuellen Förderung”, betonen Dewes und die kommissarische Konrektorin Birgitta Fro­leyks. Förderpläne für jedes einzelne Kind seien längst Standard.

Und nun kommt also die Inklusion. „Die große Mehrheit der Schulen und Kollegien steht der Inklusion aufgeschlossen gegenüber”, ist Ruth Kebbekus überzeugt. „Alle wollen mit anpacken.” Allerdings hoffen die Leitungsteams beider Grundschulen, dass die Rahmenbedingungen für die Arbeit vor Ort bald geklärt werden: „Die Praxis soll etwas leisten, was noch nicht durchdacht ist”, stellt Kebbekus fest. Und im aktuellen NRW-Schulgesetz, sagt Dewes, komme das Wort „Inklusion” nicht einmal vor.

Allgemein wird damit gerechnet, dass künftig deutlich mehr Eltern für ihr Förderkind eine Regelschule wählen. Und trotz mangelnder Rahmenrichtlinien des Landes hat in Aachen die Vorarbeit für die Inklusion längst begonnen. Die Zahl der GU-Grundschulen in Aachen wird zum neuen Schuljahr auf 14 erhöht, bestätigt Schulrätin Ulla Roder. Die Katholische Grundschule Feldstraße arbeitet ab September offiziell mit Klassen im Gemeinsamen Unterricht.

Auch ein intensiver Austausch zwischen Grundschulen und Förderschulen ist eingleitet. Die beiden Grundschulen in Vaalserquartier und Kullen kooperieren mit der Förderschule Beginenstraße.

Aber es gibt viele Wünsche an den Grundschulen. „Wenn wir in die Inklusion einsteigen, dann brauchen wir Sonderpädagogen an den Schulen, und zwar zuverlässig”, betont Dewes. Große Probleme befürchtet er auch in der Offenen Ganztagsschule (OGS). „Wir müssen die Kinder auch am Nachmittag im Blick haben.” Auch dort brauche man dann geschultes Fachleute. „Und das wird teuer.”

Schon heute sei es ein „Unding”, dass im Gemeinsamen Unterricht bis zu 30 Kinder in einer Klasse sitzen, findet Dewes. „So wird vielen Eltern und Lehrern die Motivation genommen.” Und um differenziert zu arbeiten und allen Kindern gerecht zu werden, brauche jede Klasse auch einen Gruppenraum, sagt Kebbekus.

Ein paar Räume weiter kann man in der GGS Gut Kullen erleben, wie gemeinsames lernen manchmal ganz einfach funktioniert. Im Rahmen des OGS-Ferienprogramms gestaltete Künstlerin Uschi Kütz mit einer Gruppe von Grundschülern ein Farblabor. Mit Begeisterung hantierten die Kinder mit Spritzen und Pipetten und stellten Wasser in allen Farben des Regenbogens her und setzten diese zu einem bunten Bodenmosaik zusammen. Auch die Künstlerschar war kunterbunt zusammengesetzt aus Kindern aller Altersstufen und mit vielerlei Begabungen. Kursleiterin Uschi Kütz formuliert das so: „Wenn jeder sein Bestes gibt, wird das Ganze gut.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert