Aachen - Ganz nah dran an den Alltagsproblemen

Ganz nah dran an den Alltagsproblemen

Von: Jan Mönch
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Jürgen Rieder (l.) und Carmen
Jürgen Rieder (l.) und Carmen Gülden (r.) überreichten die Abschlussurkunden an die neuen „Kontaktschüler”. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Ein bis zwei Jahre, gibt Stefan Clemens zu, hat es schon gedauert, bis man sich am Pius-Gymnasium an die Kontaktschüler gewöhnt hatte. Wohlgemerkt: von Seiten der Lehrer und der Eltern. Die Schülerschaft hingegen nahm das Angebot gleich gut an.

Vier Jahre ist es her, dass Clemens, am Pius-Gymnasium zuständig für Sucht- und Gewaltprävention, gemeinsam mit einigen Kollegen die ersten Kontaktschüler ernannte.

Zwei simple Erkenntnisse

In wenigen Wochen wird nun die dritte Generation die freiwillige Tätigkeit antreten. Zwölf Zehntklässler werden dazu bei InVia und Suchthilfe geschult. Und sobald ihre Vorgänger sich vollends der Bewältigung des Abistresses widmen, sind sie dann Ansprechpartner für alle großen und kleinen Probleme, die im Schulalltag so auftreten. Dem Programm liegen zwei simple Erkenntnisse zugrunde: Als Schüler ist man näher dran am Geschehen. Und: Als Schüler vertraut man sich eher einem anderen Schüler an als einem Lehrer.

Clemens: „Da ist die Hemmschwelle einfach viel niedriger.” Geht ein Schüler auf die Kontaktschüler zu, werden er und seine Kollegen so auch keinesfalls gegen den Willen des Betroffenen zu Rate gezogen. Und die Initiative funktioniert auch andersherum: Sorgt Lehrer A sich aus diesem oder jenem Grund um Schüler B, kann er sich an Stefan Clemens und seine Kontaktschüler wenden.

Was die Anliegen betrifft, gibt es praktisch keine Grenzen. Es kann um Probleme im Privaten wie im Schulischen gehen, um Zoff mit den Eltern ebenso wie um Ärger mit Lehrern. Und natürlich auch um Mobbing. Nun gilt das Pius-Gymnasium im Allgemeinen nicht als Problemschule. Körperliche Gewalt sei eine „absolute Randerscheinung”, stellt Clemens klar. Und auch davon, dass die systematische Ausgrenzung von Mitschülern an der Eupener Straße besonders signifikant ist, geht er nicht aus. Er stellt aber auch klar: „Eine Schule ohne Mobbing gibt es nicht.”

Und das hässliche Sozialphänomen spielt sich nicht allein zwischen Täter und Opfer ab: Die wichtigste Rolle, ein Grundsatz, der den angehenden Kontaktschülern bei ihrer Schulung vermittelt wurde, spielen die „Dulder”. Die nämlich motivieren den Täter durch Zustimmung und Beifall. Gelingt es, dem „Dulder” seine Rolle vor Augen zu halten, wird somit auch dem Täter der Reiz genommen.

Mobbing - nur eine alte Geschichte mit neuem Namen? „Natürlich gab es Mobbing auch zu meiner Schulzeit schon”, sagt Carmen Gülden, Koordinatorin für sozialpädagogische Seminare bei InVia. Allerdings sei die Qualität ihrem Eindruck nach doch eine andere - nicht zuletzt durch den Austragungsort Internet. „Das kriegt man doch eigentlich täglich auf Facebook oder in Internetforen mit”, sagt Dominik Funken, einer der angehenden Kontaktschüler. Was im Klassenzimmer mit hämischen Bemerkungen beginnt, fange in der virtuellen Welt etwa mit gehässigen Bildkommentaren an. Fürs Netz gilt das gleiche wie für Klassenzimmer und Pausenhof: Die Kontaktschüler sind einfach näher dran.
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