Aachen - Funde im Elisengarten kommen wieder ans Tageslicht

Funde im Elisengarten kommen wieder ans Tageslicht

Von: Martina Feldhaus
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Nächste Woche geht‘s für ihn in die Grube: Stadtarchäologe Andreas Schaub freut sich, dass die verschütteten Funde bald wieder ans Tageslicht kommen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Fast vier Jahre hat Andreas Schaub gewartet, nun ist es endlich soweit: Am Donnerstag haben Arbeiter damit begonnen, die verfüllte Grube inmitten der entstehenden archäologischen Vitrine im Elisengarten auszuheben. Mit einem überdimensionalen Saugrüssel gingen sie ans Werk. Kubikmeterweise Kies und Sand werden sie in den nächsten Tagen aus der Vertiefung saugen. Anfang nächster Woche taucht dann wieder auf, was Stadtarchäologe Schaub so lange vermisst hat: wertvolle Funde aus 5000 Jahren Aachener Geschichte.

Monatelang hatten Schaub und seine Mitarbeiter sich 2008/2009 unter einem riesigen Zeltdach Zentimeter für Zentimeter ins Erdreich gebuddelt. Die Ausgrabungen wurden damals zum absoluten Publikumsrenner. Kaum ein Öcher, der es sich nehmen ließ, bei einer der begehrten Schaub-Führungen zu entdecken, was Steinzeit-Menschen, Kelten und Römer alles in der alten Kaiserstadt hinterlassen haben. Um die 100.000 Fundstücke wurden damals aus der Erde gekratzt und gepinselt.

Im März 2009 wurde das Ausgrabungsfeld dann wieder verfüllt, das Gras des Elisengartens wuchs – mehr oder weniger gut – darüber. Auf einem etwa 60 Quadratmeter großen Stück jedoch nicht. Dort war schon damals die Archäologische Vitrine geplant, um ausgewählte Funde auf Dauer zu präsentieren. Nach Kostenexplosionen und politischen Querelen wurde das Projekt jedoch mehrere Jahre auf Eis gelegt. Die Funde liefen ja nicht weg, hieß es.

Mauerreste und ein Werkplatz

Weggelaufen sind sie tatsächlich nicht. Wie aber die historischen Überreste – unter anderem verbergen sich an der Stelle mittelalterliche Mauerreste, Teile eines römischen Hauses und ein steinzeitlicher Werkplatz – vier Jahre nach der Verfüllung aussehen, das ist für Andreas Schaub seit gestern die entscheidende Frage. „Ich bin wahnsinnig gespannt, wie der Fund das überlebt hat. Ich hoffe natürlich, dass alles unversehrt ist.“ Denn so eine provisorische Verfüllung über mehrere Jahre gebe es nicht alle Tage. „Man macht so eine Ausgrabungsstelle schon mal winterfest. Aber das hier ist was anderes.“

Mit dem dicken Saugrüssel werden nur die groben Materialmengen abgetragen. Danach kommt die Feinarbeit – auf den Knien und mit Spachtel und Pinsel. „Diese Arbeit dauert dann sicher noch mal ein bis zwei Wochen“, erklärt Schaub. Er steigt zunächst mit einem Team von vier bis sechs Leuten – allesamt Ehrenamtler vom archäologischen Arbeitskreis – in die Grube. „Je tiefer wir kommen, desto enger wird‘s. Am Ende werde ich wohl alleine übrig bleiben.“ Bis zu zwei Meter tief ist das Schaufenster in Aachens alte Geschichte.

Umgeben werden die 60 Quadratmeter – ebenfalls in der nächsten Woche – von hohen Glasscheiben, die gegen Witterung und Vandalismus schützen sollen. Morgen werde außerdem der Fußboden-Belag, sogenannter Guss-Asphalt, aufgetragen, erklärt Wilfried Sterck, Projektleiter beim städtischen Bau- und Liegenschaftsbetrieb. Es geht also voran. Trotzdem bleiben Sterck und Jonas Kröber vom Architekturbüro „kadawittfeldarchitektur“ mit Blick auf die Fertigstellung der Vitrine skeptisch. Sterck: „Es hängt alles vom Wetter ab. Und davon, wie lange die Feinarbeiten für die Ausgrabung dauern.“ Eine Eröffnung wird‘s frühestens im Februar geben – einen Monat später als die letzte Angabe der Stadt.

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