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Für seine Zivilcourage zahlt er am Ende 20 Euro

Von: Guido Jansen
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Half und steckte Prügel ein:
Half und steckte Prügel ein: Axel Warstat. Und nun muss er auch noch 20 Euro zahlen. Foto: Guido Jansen

Aachen. Helfen kann Folgekosten haben. Davon kann Axel Warstat ein Liedchen singen. Der 21-Jährige aus Horbach hat Zivilcourage gezeigt und dafür zwei Mal eine Quittung bekommen. Einmal eine schmerzhafte, einmal eine teure.

Den 26. Juni wird der Goldschmied so schnell nicht vergessen. Mit Freunden war er in Aachen unterwegs und wurde gegen zwei Uhr morgens Zeuge, wie vier Männer eine auf dem Boden liegende Person mit Fußtritten malträtierten.

„Ich bin hingelaufen, habe einen der vier an der Schulter gepackt”, erzählt Warstat. Quittung Nummer eins. Die Schläger ließen von ihrem Opfer ab und prügelten auf den 21-Jährigen ein. Als dessen Freunde herbeieilten, flüchteten die Vier. Warstats T-Shirt war zerrissen, an der Stirn hatte er eine kleine Platzwunde.

Der Aachener City Service war schnell zur Stelle und hat die Aussagen der Freunde aufgenommen. Warstat erstattete am Tag darauf Anzeige. Das Verfahren wurde jedoch zwei Wochen später eingestellt. Wer den Krankenwagen gerufen hat, weiß der junge Mann nicht mehr.

„So schlimm wars gar nicht”, sagt der Horbacher. „Ich wollte gar nicht ins Krankenhaus”, erzählt er. Die Sanitäter bestanden darauf den jungen Mann in die Notaufnahme zu fahren. „Ich habe noch gefragt, ob mich das was kostet. Da hieß es, dass das nicht der Fall sei.” Warstat stimmte schließlich zu und wurde in die Notaufnahme des Marienhospitals gebracht. Während er auf die Behandlung wartete, wusch er das Blut von der Stirn. Die Ärztin kam, stellte fest, dass die Wunde harmlos war und versorgte den jungen Mann mit einem Pflaster.

Danach hat Axel Warstat noch zwei mal eine Quittung bekommen. In Form von Rechnungen. Zuerst musste er zehn Euro bezahlen für die Behandlung in der Notaufnahme. Dann flatterte noch ein Schreiben der Krankenkasse ins Haus, die zehn Euro für die Fahrt im Krankenwagen haben wollte. 20 Euro insgesamt - ein teures Pflaster. Und das, obwohl Warstat gar nicht ins Krankenhaus wollte.

„Ärgert mich sehr”

„Ich ärgere mich natürlich sehr über diese vier Idioten, die geprügelt haben. Aber viel mehr ärgere ich mich über diese Bürokratie.” Axel Warstat hat geholfen und muss dafür bezahlen. Auf den kurzen Schock nach der Schlägerei folgte der große Ärger über die zwei Rechnungen. „Auch wenn das alles rechtens ist - ich finde das einfach nur lächerlich.”

Trotzdem: Helfen würde der Horbacher wieder. Das hat ihm der 26. Juni gezeigt. Denn die Geschichte des frühen Morgens ist noch nicht vorbei. Nachdem War­stat das Krankenhaus verlassen hatte, war mit zerrissenem T-Shirt in der Stadt unterwegs. Ein Taxi-Fahrer afrikanischer Herkunft hielt neben ihm. „Er hat mir einfach so seine Jacke geschenkt, damit es mir nicht so kalt ist. Das fand ich toll”, schildert der 21-Jährige das positive Ende eines denkwürdigen Morgens.
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