Aachen - Für Radler ist an der Baustelle Endstation

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Für Radler ist an der Baustelle Endstation

Von: Martina Rippholz
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Fahrräder frei? Matthias Dubois muss sein Rad in der Gottfriedstraße über ein Kabel heben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Matthias Dubois ist sofort bei der Sache. „Das ist wirklich schrecklich hier”, sagt er und erzählt schon bereitwillig, was er damit meint. Der Aachener fährt viel Fahrrad. Fast jeden Tag überquert er mit seinem Zweirad von der Augustastraße aus - dort wohnt er - die Wilhelmstraße, um in die gegenüberliegende Gottfriedstraße in Richtung Altstadt zu fahren.

Und fast genauso häufig ärgert er sich an dieser Stelle. Der Grund: Wegen einer Baustelle in der Gottfriedstraße, die sich bis zum Herold-Haus an der Ecke Wilhelmstraße zieht, ist es in der Einbahnstraße enorm eng geworden.

Für Autofahrer, die auf eine Spur verzichten und oft mehrere Ampelphasen abwarten müssen, bis es weitergehen kann. Und für Fahrradfahrer. Sie dürfen eigentlich entgegen der Einbahnstraße bergauf radeln. Weil die Fahrbahn für Linksabbieger mitsamt Fahrradstreifen wegen dort platzierter Bauwagen, einem Kran, Baumaterialien und -fahrzeugen nicht benutzt werden kann, werden sie unten am Berg auf den Fußgängerweg umgeleitet.

„Das geht aber auch erst seit Kurzem. Monatelang war der Radfahrstreifen tagsüber komplett zugeparkt, ohne Ausweichmöglichkeit”, sagt Martin Christfreund. Auch er ist passionierter Fahrradfahrer. Für Christfreund hat sich mit der neuen „Fahrräder frei”-Beschilderung für den Bürgersteig, der unter einem Baugerüst herführt, nur geringfügig etwas verbessert.

„Akute Unfallgefahr”

Er kritisiert auch anderen Dinge in diesem vorderen Bauabschnitt, wo das Gebäude noch im Rohbau steht. So müsse sich der Drahtesel-Liebhaber über viele Unebenheiten quälen, bis er -Êzusammen mit den Fußgängern -Êam Ende ohne Absenkung zurück auf die Straße geleitet wird. Dort beginnt der hintere Teil der Baustelle. Die Gebäude sind hier schon fast fertig. Doch weil die Fläche davor noch gepflastert werden muss, müssen sich Radfahrer und Fußgänger bergauf ein Stück Straße teilen.

Für Martin Christfreund ist die Sache klar. „Da besteht akute Unfallgefahr”, sagt er. Daher wandte er sich mit seinen Beschwerden an den Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen der Stadt Aachen, die für die Anordnung und die Kontrolle der Baustellensicherheit auf Straßen und Bürgersteigen zuständig ist.

In der Verwaltung reagierte man und gab mehrere Hinweise an das Bauunternehmen, bei dem die Verantwortung zumindest für den Abschnitt ab dem Ende des Gerüst-Tunnels liegt. Bauleiter Alfred Born versteht die schwierige Situation. „Zwar sind wir selbst seit Februar mit unserer Aufgabe, dem Rohbau, fertig”, erklärt er. „Doch für die Fläche davor, die im Augenblick von einem anderen Betrieb gepflastert wird, sind wir auch noch verantwortlich. Und da müssen sich Fußgänger und Radfahrer in der Tat sehr quetschen.”

Damit dieses Quetschen ein Ende hat, legte Born am Dienstag einen neuen Entwurf vor, wie die Baustelle in diesem Abschnitt für die „schwachen” Verkehrsteilnehmer sicherer werden kann. Ein Notgehweg ist die Lösung. „Der führt nun sauber an der Baustelle vorbei”, sagt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt. Ohnehin seien die Pflasterarbeiten aber am Freitag vorbei und Fuß- und Radweg wieder frei. Anders sieht das vor dem Herold-Haus aus. Hier wird derzeit noch kräftig gewerkelt. Obwohl die Wegeführung für Fußgänger und Radler den Vorstellungen der Stadt entspricht, empfiehlt Björn Gürtler dennoch: „Es ist sicher ratsam, dort sehr vorsichtig zu fahren und auf Fußgänger Rücksicht zu nehmen. Wer Angst hat, sollte die Straßenseite wechseln.”

Einfach ausweichen - so hatte Christfreund sich das nicht vorgestellt. Doch für ihn und seinen Drahtesel-Kollegen Dubois ist das vorerst wohl die beste Lösung, auch wenn sie nicht ganz den Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte in NRW, die sich für eine ungehinderte Radfahrt auch in Baustellen einsetzt, entspricht. So spannte sich in der Gottfriedstraße zeitweise ein Kabel quer durch den Fußgänger-Tunnel unter dem Gerüst. Dubois hob sein Zweirad einfach über das Hindernis hinweg. Ein Rollstuhlfahrer hätte da schon größere Probleme gehabt.
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