Aachen - Für Kinder mit Behinderung werden Kita-Plätze knapp

Für Kinder mit Behinderung werden Kita-Plätze knapp

Von: Werner Breuer
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Mehr Kita-Plätze für Kinder mit Behinderungen: Die Kleinen von der Kita „Sprechdachs” zeigen sich solidarisch mit Herbert Frings (Lebenswelten), Guido Rothkopf ( Caritas) und Gerd Voigt (VKM, von links). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die kluge Kommune baut vor: Diesen Rat gibt Herbert Frings der Stadt mit Blick auf die Kita-Plätze für Kinder mit Behinderungen. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe Aachen hat da schon das Jahr 2013 im Visier.

Dann nämlich gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auch für Kinder zwischen zwei und drei Jahren. Um den zu erfüllen, „muss man das jetzt anpacken”, meint Frings.

Schon im vergangenen Sommer waren Klimmzüge nötig, um alle Kinder mit Behinderung unterzubringen. Noch gilt der Rechtsanspruch ab drei Jahren - und zwar für alle, mit oder ohne Handicap. Dennoch konnten die erforderlichen Plätze nur in Form von Notlösungen geschaffen werden.

So berichtet Guido Rothkopf von der Caritas Lebenswelten GmbH von Überbelegungen bei heilpädagogischen Einrichtungen, wo die Gruppenstärke von acht auf neun Kinder angehoben wurde. Bei den sogenannten integrativen Gruppen blieb die Zahl zwar gleich, aber die Mischung nicht: Auf sechs Kinder mit Behinderung kamen neun ohne, sonst liegt das Verhältnis bei fünf zu zehn. „Aber jetzt sind wir am Ende der Fahnenstange”, sagt Frings.

Dabei sei bereits absehbar, dass zum Start des neuen Kindergartenjahres im August erneut 68 Plätze fehlen werden. Gerd Voigt vom Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM) hält es deshalb für angezeigt, die Dinge zügig anzugehen. „Da geht es ja auch um räumliche Veränderungen, die brauchen eine entsprechende Vorlaufzeit.” Schließlich müssten die Einrichtungen für Kinder mit Handicap baulich und personell anders ausgestattet sein. Gebraucht würden etwa Ruheräume und besondere pädagogische Angebote.

Und damit könne man nicht früh genug anfangen, betont Lebenshilfe-Geschäftsführer Frings. Gerade Kinder mit Behinderungen bräuchten Förderung und hätten keine Zeit zu verlieren. Und wenn sie demnächst schon im Alter von zwei Jahren einen Kita-Platz bekommen sollen, dürfe die Stadt auch keine Zeit verlieren. Wenn sie erst Ende 2012 beginne, sich um die benötigten Plätze zu kümmern, sei es zu knapp.

Er rät deshalb dazu, schon jetzt die Aufgabe peu à peu anzugehen. „20 neue Plätze pro Jahr” schweben ihm und seinen Mitstreitern als Maßeinheit vor. Schließlich habe Aachen bei gehandicapten Kindern einiges aufzuholen. Zwar liege die Stadt bei den Zwei- bis Dreijährigen mit einer Versorgungsquote von rund 20 Prozent landesweit in der Spitzengruppe, aber für Kinder mit Behinderungen sei sie kaum gerüstet.

Zukunft „integrativ”

Ohnehin gibt es auf diesem Feld noch eine Menge Arbeit. Das Stichwort der Zukunft heißt Integration. Dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam spielen und lernen, hält auch der Lebenshilfe-Geschäftsführer für sinnvoll. „Wir wollen die integrativen Einrichtungen”, so Frings, „es geht nur inklusiv, man muss die Menschen mitnehmen und beteiligen.”

All das wird man im Rathaus wohl nicht gerne hören. „Die Kommune ist nun mal einer der Hauptgeldgeber”, weiß auch Frings. Nach Berechnungen der Experten von Lebenshilfe, Caritas und VKM müsste im Haushalt rund eine Million Euro eingeplant werden, um im neuen Kindergartenjahr die zusätzlichen Kita-Plätze zu schaffen.
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