Für experimentelle Wohnformen gibt es Geld vom Land

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Das Zauberwort im Wohnungsbau könnte künftig der unverfängliche Begriff „Gruppenwohnung” werden. Das Konzept der guten, alten WG aus der 68er-Bewegung hat scheinbar bis heute überlebt und soll maßgeblich dazu beitragen, dem ab 2013 drohenden Berg von Studierenden wohnungspolitisch entgegenzutreten.

In einem Geldtopf des Düsseldorfer Ministeriums für Wirtschaft, Bauen und Wohnen, dem der Aachener Minister Harry Voigtsberger vorsteht, schlummern Jahr für Jahr 20 Millionen Euro, die für den „experimentellen Wohnungsbau” vorgesehen sind. Die Mittel, erklärte Ministeriumsprecherin Mirjam Grotjahn, können sowohl von privaten wie öffentlichen Investoren beantragt werden und seien durchaus für den studentischen Wohnungsbedarf zu verwenden.

Die Förderung ist angesichts der zu erwartenden hohen Studierendenzahlen ab 2013 auch bitter nötig. Bereits Ende der 1970er Jahre gab es Semesteranfänge in Aachen, in denen so mancher Student keinen bezahlbaren Quadratmeter Wohnraum mehr fand und in eigens zurechtgemachten Bahnwaggon unterkommen musste.

Dreiländer-Caree

Ähnliches könnte wieder drohen. Zwar hat die Stadt eine ausführliche Studie erstellt, die genau den Bedarf der nächsten Jahre ermittelt. Das Problem ist aber: Ab 2018 ist der Studierenden-Bauch wieder abgeschwollen, da drohen dann leer stehende Wohneinheiten. Und genau da hakt die Wohnbauförderung für experimentelle Wohnformen ein. „Gruppenwohnungen; dies ist ein neuer Grundrisstyp in der Förderung, der primär für Ältere und Behinderte mit Betreuungsbedarf, aber auch für studentische Wohngemeinschaften angewendet werden könnte”, heißt es in den Bestimmungen.

Gemeint seien „Großwohnungen für bis zu acht Personen in bis zu acht Wohn- oder Schlafräumen, die sich um gemeinschaftliche Gruppenräume gruppieren”, steht im Ministeriumstext. Der Vorteil: Haben neue Studentengenerationen nicht mehr so viel Raumbedarf, können die bestehenden Großwohnungen für die „älteren Semester” hergerichtet werden. Ein ähnliches Projekt mit etwa 130 bis 150 Einheiten will die städtische Wohnbau-Tochter GeWoGe im kommenden Jahr an der Vaalser Straße im sogenannten Dreiländer-Caree verwirklichen. Natürlich soll es hier auch kleine Einzelappartements geben - und eben Wohnungen für Senioren oder Zusammenschlüsse von Studenten, die sich ein bisschen Komfort teilen wollen.

Neue Strukturen

Für die GeWoGe mit Abteilungsleiter Joachim Weniger ist dies ein gutes Vorhaben, das im September den Liegenschaftsausschuss passieren dürfte. „Wir haben ansonsten nur noch Möglichkeiten, in unserem eigenen Bestand zu verdichten”, meinte Weniger. Das heißt, dass Wohnungsblocks der GeWoGe für den Bedarf umgebaut würden, es fehle der Gesellschaft nämlich an eigenen Grundstücken, die man bebauen könne.

Das Aachener Studentenwerk setzt dagegen auf Kleinappartements und neue Strukturen im Wohnheimbau. Mit einem möglichst billigen, sprich subventionierten Kapitaldienst, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer Rüdiger Karbowski, will man bis 2013 rund 650 Wohneinheiten schaffen, etwa 250 davon in Jülich für die dortigen FH-Studierenden.

Die Einheiten sind nach Karbowski „kleine Appartements” und sollen im „Unicampus” auf der Hörn beispielsweise am Kastanienweg und an der Hainbuchenstraße entstehen, lange Flure mit Wohnheimtüren links und rechts seien Geschichte. Für die Finanzierung werde man zinsgünstige KfW-Kredite beantragen, mit dem oben beschriebenen Fonds könne man nicht soviel anfangen.
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