Für die letzte Ruhe muss gründlich gerechnet werden

Von: Werner Breuer
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Klassisch oder lieber ein Baumgrab für die Urne? Es gibt viele Möglichkeiten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Sterben ist nichts für arme Leute. Und in Aachen ist die letzte Ruhestätte besonders kostspielig. Der Bund der Steuerzahler NRW zählt die Stadt zu den Negativ-Spitzenreitern im Land. Beim Vergleich der Friedhofsgebühren landet Aachen auf dem dritten Platz unter 56 nordrhein-westfälischen Städten mit mehr als 60.000 Einwohnern.

Teurer ist es nur in Kerpen und in Bochum, Witten dagegen verlangt wesentlich weniger.

Der Preisvergleich bei Gräbern ist allerdings etwas schwieriger als bei Chipstüten oder Heizöl. So errechnet der Steuerzahlerbund für die Sargbestattung in Aachen eine Gesamtgebühr von 3574 Euro. In Kerpen sind es 6088 Euro und in Bochum 4160 Euro, Witten gibt den billigen Jakob mit 1662 Euro. Wolfgang Berg, der stellvertretende Sachgebietsleiter Friedhöfe beim Aachener Stadtbetrieb, gibt dagegen die Kosten für ein Sargreihengrab mit 2144 Euro an.

Den Zahlensalat kann Harald Schledorn vom Steuerzahlerbund erklären: „Wir sind von einer Sargbestattung im einstelligen Wahlgrab in normaler Lage mit einer Nutzungsdauer von 30 Jahren ausgegangen“, sagt der Gebührenreferent. Schließlich gehe es darum, einen Vergleich zwischen den einzelnen Städten möglich zu machen.

Und da gebe es unterschiedliche Tarife bei Grabnutzungsgebühren, Bestattungsgebühren oder Grabmalgenehmigungen. „Man muss das jeweils individuell durchrechnen“, sagt Schledorn und empfiehlt genauere Nachfragen, „auch wenn viele Leute aus Gründen der Pietät nicht gerne nach solchen Zahlen fragen wollen“.

Individuelle Beratung hält auch Berg für angebracht. „Wir bieten das auch an, es kostet die Leute nichts.“ Interessierte können sich unter der Rufnummer 0241/432-18777 an den Stadtbetrieb wenden. Dort wird man dann beraten über die inzwischen 16 unterschiedlichen Grabarten. Darunter sind auch Luxus-Liegeplätze, die in der Statistik des Steuerzahlerbundes durch die Decke schießen würden: 11431 Euro für eine Gruft im Campo Santo auf dem Westfriedhof etwa. „Das wäre eine Zelle für einen Sarg für 20 Jahre“, erklärt Wolfgang Berg. Der stolze Preis erklärt sich aus der Exklusivität der um das Jahr 1900 errichteten Grufthalle.

Am anderen Ende der Preisliste steht die Urnenbeisetzung im naturnahen Bereich für gerade mal 622,50 Euro, die Berg jedoch als speziellen Fall ansieht. „Das ist etwas für Leute, die kein Grab wollen.“ Die Urne werde ohne große Zeremonie und ohne Angehörige in einem Areal ohne besondere Zuwegung bestattet.

Dazwischen gibt es allerhand Varianten, vom Urnenreihengrab (2170 Euro) über Verstreufelder und Rasengräber mit und ohne Kennzeichnung bis zu Baumgräbern auf dem Waldfriedhof. Das Modell, wo acht Gräber mit je zwei Urnen um einen Baum herumgruppiert und mit einem Staudenbeet bepflanzt sind, erfreue sich großer Beliebtheit, erzählt Wolfgang Berg. Die Gebühren von 4919 Euro sind nicht gerade auf Schnäppchen-Niveau. „Aber darin enthalten ist ja auch der große Pflegeaufwand“, erklärt Berg.

Der Aufwand ist das generelle Dilemma im Friedhofswesen. „Wir haben 163 Hektar Fläche, verteilt auf 28 Friedhöfe“, erläutert Berg, „darunter auch Kleinstfriedhöfe wie in Orsbach oder Friesenrath mit vielleicht vier Beisetzungen im Jahr, manchmal auch nur zwei.“ Doch sie alle müssen in Schuss gehalten werden mitsamt ihrer Wege, Wasserzapfstellen oder Trauerhallen. Die Kosten dafür werden zusammengezählt und in die Gebührenkalkulation eingerechnet.

Der Steuerzahlerbund hält das für fragwürdig. „Friedhöfe sind nicht nur Trauerräume“, meint Harald Schledorn, „sondern auch grüne Lungen.“ Die Aufwendungen dafür sollten die Kommunen nicht allein dem Gebührenzahler aufbürden, sondern selbst ihren Teil dazu beitragen.

In Aachen geschehe das schon, sagt Wolfgang Berg. „Die Friedhöfe tragen sich nicht selbst, das Grün wird zu 25 Prozent aus Mitteln des städtischen Haushalts bezuschusst.“ Andernorts gehe diese Quote gegen Null, was auch Schledorn bestätigt. Dennoch fände er einen Beitrag von 30 Prozent angemessener.

Und Friedhöfe schließen kann die Stadt wegen der langen Nutzungszeiten auch nicht einfach: „Das braucht einen Vorlauf von 40 Jahren“, sagt Wolfgang Berg.

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