Aachen - Für den Kriegsrückkehrer wird das Leben zum fiebrigen Alptraum

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Für den Kriegsrückkehrer wird das Leben zum fiebrigen Alptraum

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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„Lebe! Du bist mir nicht genug, mein Goldjunge!“: Anne Noack spielt die „mütterliche“ Elbe, die den traumatisierten Kriegsheimkehrer Beckmann (Bernhard Schnepf) immer wieder ausspuckt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Kaputt und roh“ wollte Frank Rommerskirchen die Bühne in der alten Industriehalle im Das-Da-Theater haben – und das ist ihm auch gelungen. Bei „Draußen vor der Tür“ herrscht eine „schroffe Optik“, die die Einsamkeit des Kriegsheimkehrers Beckmann widerspiegelt.

Beckmann hat viel mit dem Autor Borchert zu tun – Fronteinsätze im Osten und eine neunmonatige Haftstrafe (wegen politischer Witze) mit anschließender „Feindbewährung“ ruinierten Borcherts Gesundheit ebenso wie die Flucht aus französischer Kriegsgefangenschaft.

Traumatische Erlebnisse

Wolfgang Borcherts unvergessenes Stück hatte 1947 in Hamburg Premiere; einen Tag vor der Uraufführung ist Borchert im Alter von nur 26 Jahren gestorben. Die Rückkehr des Soldaten Beckmann aus dem Zweiten Weltkrieg entfaltet sich wie ein Alptraum – wie damals kehren auch heute Kämpfer mit traumatischen Kriegserlebnissen zurück.

Heute mag es manche Behandlung und Hilfe geben – die Heimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg fanden wenig Unterstützung. „Aktueller denn je“ angesichts neuer Kriegsschauplätze ist für Regisseur und Theaterchef Tom Hirtz das Schauspiel, das vor sechs Jahrzehnten entstand.

Die Presseprobe im Das-Da-Theater eröffnet einen fiebrigen Alptraum mit einem Verlorenen, der sich in der Elbe ertränken will. Imponierend spielt Anne Noack als mütterliche „Elbe“, die den armen Kerl wieder ausspuckt: „Lebe! Du bist mir nicht genug, mein Goldjunge! Ich werf‘ dich wieder ans Land.“

An Leichten überfressen

Doch dort wird auch nichts besser: Der Tod, der sich an Leichen überfressen hat, will den Verzweifelten nicht, ebenso wenig wie die hilflos jammernde Gestalt, die sich Gott nennt. Und kann der Ja-Sager, der Beckmanns lebensvolle Seite verkörpert, überhaupt noch etwas ausrichten?

Für Tom Hirtz ist die theatrale Form des Stücks „so dicht und packend“, dass es „in einem Atemzug ohne Pause“ gespielt werden muss (etwa 85 Minuten). „Man kann hier ganz neue Ansätze entdecken, die auch für Schulaufführungen geeignet sind.“ Dabei bleibt die Texttreue erhalten. Theaterpädagogisches Material für Schulklassen sind erhältlich.

Es spielen: Bernhard Schnepf (Beckmann), Michelle Bray (Tod), Tobias Steffen (Einbeiniger, Kabarettdirektor), Mario Thomanek (Gott, Oberst) und Anne Noack .

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