Für den großen Karl baut er die kleine Pfalz

Von: Martina Feldhaus
Letzte Aktualisierung:
6829637.jpg
Blick ins Innere: Modellbauer Matthias Schramm zeigt an der Königsaula, wo die Fensterfassungen angebracht werden. Foto: Andreas Gabbert

Aachen. Wer schon Mal im Goethe Museum in Düsseldorf war, hat eine seiner Arbeiten gesehen. Wen es schon mal ins Regionalmuseum Neubrandenburg verschlagen hat, ebenfalls. Und auch im Fenster der Mayerschen Buchhandlung in Aachen hat Matthias Schramm bereits eindrucksvoll seinen Fingerabdruck hinterlassen.

Ob nun das Goethe-Haus aus Weimar, die Neubrandenburger Pfarrkirche Sankt Marien oder die römische Therme – filigrane, dem Original nachempfundene Bauten aller Art sind Schramms Spezialität.

Der Aachener ist gelernter Modellbauer und verdient mit dem recht seltenen Beruf seinen Lebensunterhalt, unter anderem im Bereich der Stadtplanung. Besonders angetan ist er aber dann, wenn er sich an historische Architektur wagen darf – etwa für Museen und Ausstellungshäuser. Und sein aktueller Auftrag macht ihn außerordentlich glücklich. Denn Matthias Schramm darf für das Centre Charlemagne am Katschhof das Modell von Karls Pfalz bauen.

„Ich bin gebürtiger Aachener, ich habe als Kind viel um den Markt herum gespielt. Es ist also etwas ganz Besonderes, so etwas für die Heimatstadt zu bauen“, sagt er. In seiner Modellwerkstatt im Eifel-Ort Imgenbroich – dort ist Schramm vor rund zwei Jahren vom Atelierhaus aus hin umgezogen – steht er sozusagen mitten in Karls Pfalz. Auf Modellebene versteht sich. In einem Maßstab von 1:50 errichtet er hier im Auftrag der Stadt den berühmten mittelalterlichen Herrschersitz, der für Karl den Großen zur Lieblingsresidenz wurde und in dessen Kapelle – dem späteren Dom – über mehrere Jahrhunderte römisch-deutsche Könige gekrönt wurden.

Granusturm, Königshalle, karolingisches Oktogon – also die Pfalzkapelle – mit sogenannten Annexbauten und Artium – all das entsteht seit Oktober in der 100 Quadratmeter großen Werkstatt. Später, wenn das Centre im Juni 2014 eröffnet wird, wird dieses komplexe Modell einer der Blickfänge in der künftigen Dauerausstellung über Karl und sein Aachen sein.

Bis dahin aber liegen vor Modellbauer Schramm noch viele Tage – und wohl auch ein paar Nächte – Arbeit. In den vergangenen Wochen hat er, ganz entgegen dem Handwerker-Klischee, viel Zeit am PC verbracht. Denn die umfangreichen Pläne, die er von einem Kölner Fachbüro für Architekturvermessung und Bestandsdokumentation bekommt, muss Schramm für seine Zwecke noch umrechnen. Damit seine Fräsmaschine und sein Laser – letzteren benutzt er für die feineren Schnittarbeiten – auch mit den richtigen Daten gefüttert werden.

Säulen und Gewölbe im Inneren

„Die Bearbeitung der Pläne nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch“, sagt er. „Aber das muss sein, damit alles perfekt zusammenpasst.“ Richtig angepasst hat er unter anderem schon die Wände der Königsaula. Aus mehreren, geschichteten MDF-Holzplatten mit unterschiedlichen Zuschnitten bestehen die, schließlich soll die Centre-Besucher durch ihre Fenster und Türen in das dreidimensionale Modell hineinschauen können. Im Inneren werden später Säulen und Gewölbe nachgebildet.

Kleinere Details wie Außengitter und Fensterstreben stellt Schramm am Laser aus Pappe her. Da wird es ziemlich filigran. Und auch die Fensterfassungen sind Kleinst­arbeit, sie werden aus Silikon gegossen. „Das braucht viel Konzentration, solche Arbeiten mache ich gerne auch samstags oder sonntags, wenn die Fräsmaschine nicht läuft“, erklärt der Modellbauer. Besonders freut er sich über die Fassaden von Oktogon und Granusturm. Dort orientiert er sich am Originalbestand und bildet diesen mit anderen Materialien nach. „So können Besucher mit den Fingern das Relief erfühlen.“

Ein weiteres Erlebnis wird wohl das Fundament sein. Denn das wird, geschützt durch eine Plexiglasscheibe, ebenfalls originalgetreu nachempfunden und dann mit LED-Licht in Szene gesetzt. So können die Gebäudefundamente prima bewundert werden. Das ganze Schrammsche Modell steht bereits jetzt wie auch später im Centre auf hohen Metallstelzen. So können die Karlsfans alle Gebäude auf Augenhöhe umlaufen.

Und unten auf dem Boden werden auf einer Edelstahlplatte die unterschiedlichen Entstehungsphasen sowie die Lage der Pfalz von ihrer Gründung bis heute abzulesen sein. Bis dahin muss Matthias Schramm noch viel rechnen, fräsen, lasern, schneiden, feilen, gießen und auch streichen. Und ab Juni muss dann niemand mehr nach Düsseldorf oder Neubrandenburg fahren, um sein Modellhandwerk richtig zu bewundern...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert